100.000 Dollar für Ringo / Centomila dollari per Ringo / $100,000 for Ringo

Der erfahrene Revolverheld Ringo kommt nach Rainbow Valley, das von der Gang um Tom Sherry beherrscht wird. Außerdem hat Sherry vor sieben Jahren eine Frau getötet; der Mord wurde den Indianern angelastet. Derzeit liefert er zum Schein zweitausend Gewehre für 100.000 Dollar an einen mexikanischen General. (Wild Coyote)

100.000 Dollar für Ringo war einer der erfolgreichsten Filme der frühen Tage des Genres. Sechs Western aus dem Jahr 1965 spielten mehr als eine Milliarde Lire an den italienischen Kinokassen ein: Leones Für ein paar Dollar mehr, vier (!) Filme mit Giuliano Gemma und dieser hier. Allein in Italien kauften sich mehr als fünf Millionen Menschen eine Karte, um den Film sehen zu können. Richard Harrison betritt die Szenerie zu den Klängen von Bobby Solos Ringo, came to fight, doch der Name Ringo wird im Original nie genannt. Der ursprüngliche Titel des Films war Tre per il Texas (Drei für Texas) und wurde offensichtlich geändert, um mit der Popularität der Ringo Filme Kasse zu machen.

Laut mehreren beteiligten Personen wurden nur einige Elemente der ursprünglichen Geschichte (von Guido Zurli) verwendet. Es ist nicht bekannt wer für das endgültige Drehbuch verantwortlich ist. Enzo G. Castellari wird als Second-Unit-Regisseur genannt und es besteht Grund zu der Annahme, dass er seine Hände im Spiel hatte. Im Grunde handelt es sich um eine italienische Produktion; die Spanier waren nur für die Drehorte, die Stuntmen und … Fernando Sancho zuständig. Die Produzenten wollten unbedingt Sancho, dessen Auftritte in den Ringo Filmen in Italien großen Anklang fanden. Seine Rolle als undurchsichtiger Gesetzeshüter (ist er wirklich ein Deputy?) sorgt für etwas Verwirrung, doch wie man sehen wird, stellt dies in diesem besonderen Fall keine schlechte Sache dar.

Regisseur Alberto de Martino hatte bereits mehrere Pepla gedreht, war aber bis zu diesem Zeitpunkt nur an einer Western-Produktion beteiligt, dem obskuren Genrebeitrag Vergeltung am Wichita-Paß (Gli eroi di Fort Worth, 1964). Harrison war der Star in zwei von Martinos Pepla gewesen, hatte aber auch schon in Duello nel Texas aka Drei gegen Sacramento (1963) mitgewirkt. In eben dieser bedeutenden ersten Western-Produktion von Jolly Films und den berüchtigten Papi & Colombo, welche die Geschichte des Filmemachens mit ihrem zweiten Western entscheidend beeinflussten (und dabei einige Hilfe eines Sergio, eines Clint und eines Ennio erhielten).

Wie konnte ein so erfolgreicher Film, wie dieser hier, zu so etwas Unbedeutsamen werden? Nun, um es milde auszudrücken, der Streifen ist ganz einfach nicht sehr gut. Der Film beginnt mit einer ziemlich bizarren Szene, in der eine Frau, die ein Baby in einer Satteltasche transportiert, von Indianern verfolgt wird. Plötzlich jagt sie das Pferd mitsamt Kind weg und beschließt sich den Verfolgern im Kampf zu stellen. Sie wird schnell umzingelt, doch aus heiterem Himmel werden alle Indianer von einem weißen Mann erschossen, der danach die Frau mit einem Speer tötet. Die Szene hätte großartig werden können, gestaltet sich vor allem jedoch recht verwirrend.

Die Frau und das Baby waren die Frau und der Sohn eines Mannes namens Ward Cluster, ein ehemaliger Bewohner der Gegend, der seit dem Bürgerkrieg für tot gehalten wird. Als Harrison in das Tal (in wahrem Shane style) einreitet, wird er fälschlicherweise mit Cluster verwechselt, so dass die Leute denken, er sei zurückgekehrt, um sich an den schurkischen Kirsch Brüdern zu rächen. Selbst der Junge aus der Eröffnungsszene – von den Indianern aufgezogen – denkt Harrison ist sein Vater. Jedes Mal, wenn das Kind auf dem Bildschirm erscheint, wird Bruno Nicolais Partitur klagend und weich eingespielt. Kinder und Spaghetti-Western eben …

Harrison behält sein Hemd während des gesamten Films an, auch wenn er ausgepeitscht wird (wahrscheinlich, weil geklaubt wurde sein Oberkörper sei für einen Westernhelden zu muskulös). Bösewicht Gérard Tichys Rolle wurde nach dem Vorbild Gian Maria Volontés Ramon Rojo aus Für eine Handvoll Dollar angelegt: Er ist der gefährlichste der drei Brüder, er macht schmutzige Geschäfte mit der mexikanischen Armee und ist verzweifelt in die Frau eines anderen Mannes verliebt. Die Heilige Familie kann in diesem Fall nicht als sehr tugendhaft beschrieben werden: Der Mann ist ein Säufer und die Frau hat einen zweifelhaften Ruf. Ihr Schicksal ist erbärmlich. Was überrascht, ist das vollkommene Fehlen von Stil, vor allem im Vergleich zu De Martinos nächstem Western Django spara per primo (Django – Nur der Colt war sein Freund, 1966).

Die Produzenten wollten spanische Stuntmänner, weil sie billiger als die italienischen waren und engagierten anscheinend Dutzende von ihnen. Folglich wurden einige groß angelegte Action-Szenen gedreht, die innerhalb des Genres etwas Neues darstellten. Die Stuntleute wurden wie Mexikaner, Indianer usw. gekleidet und reiten und laufen herum, fallen aus großer Höhe, springen über Klippen und Hindernisse, doch dies wirkt alles furchtbar beschleunigt und sieht absolut albern aus. Sanchos zwielichtiger Charakter bietet dem Film den interessantesten Plot-Point: Wird sich dieser Mann am Ende als ein guter oder ein schlechter Kerl erweisen?

Das Bild wird uns im Format 1:2,44 (anamorph) präsentiert und ist nicht von bester Qualität aber noch als gut brauchbar zu bezeichnen. Bildschäden und Verschmutzungen konnten nicht vollkommen entfernt werden und Farben sowie Kontrast sind auch dem Alter entsprechend nicht auf höchstem Niveau aber ok. Beim Ton stehen zwei Spuren (deutsch und englisch) in DD 2.0 zur Verfügung, wobei die deutsche Spur wesentlich klangvoller ist. Rauschfrei sind beide Spuren leider auch nicht, doch beim deutschen Ton fällt das nicht weiter ins Gewicht, während es beim englischen im Hintergrund schont ziemlich rauscht. Untertitel können nicht zugeschaltet werden. Als Extras gibts den deutschen Trailer, ein recht interessantes Interview Once Upon A Time In Texas mit Alberto de Martino und entfernte Szenen zu bestaunen. Ein Wendecover ist auch vorhanden. Wild Coyote beschert uns mit 100.000 Dollar für Ringo eine annehmbare Veröffentlichung eines ehemals als selten geltenden Italo-Western. Der Film schafft es trotz seines großen Erfolges nicht sonderlich zu überzeugen, hat aber seine Momente und verfügt über eine gute Besetzung. Neben den o.g. Hauptdarstellern treten noch Ida Galli, Erica Blanc und Guido Lollobrigida in kleineren Rollen auf. Für Italo-Western Fans ist der Streifen selbstverständlich mehr als nur einen Blick wert.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1, 16:9 – 1.78:1
  • Regisseur: ‎Alberto de Martino
  • Medienformat: ‎Dolby, PAL, Breitbild
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 34 Minuten
  • Darsteller: ‎Richard Harrison, Fernando Sancho, Luis Induni
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: ‎Wild Coyote

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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