4 Halleluja für Dynamit Joe / Der Tod reitet mit / Joe l’implacabile / Dynamite Joe

Joe Fox, im ganzen Wilden Westen als Dynamit-Joe bekannt, ist der Held dieses spannenden Westerns: da eine Gangsterbande die Goldtransporte ausraubt, wird er gemeinsam mit der mutigen und verführerisch-schönen Betty angeheuert, für die Sicherheit zu sorgen. Mit ihrem Kumpel Buddel, der an keiner gefüllten Whiskyflasche vorbeigehen kann, erleben Joe und Betty gefährliche Abenteuer und entdecken bald, dass ihre ehrenwerten Auftraggeber in Wirklichkeit selbst hinter den Überfällen auf die Goldtransporte stecken. Doch Joe, dessen Leidenschaft den drei Ds (Dollars, Dynamit und Damen) gehören, trickst die Verbrecher raffiniert aus. Als Sprengstoff-Experte verblüfft er mit immer wieder neuen Einfällen seine Feinde, die während spannender Kämpfe ins Gras beißen müssen. In einem grandiosen Finale in Fort Brent rechnet Joe mit seinen Gegnern ab, unterstützt von den bildhübschen Mädchen eines frivolen Can-Can-Ballets. (Wild Coyote)

Joe l’implacabile entstand 1967 unter der Regie von Antonio Margheriti (hier als Anthony Dawson aufgeführt) als italienisch/spanische Co-Produktion. Dieser obskure und eher unbekannte Italo-Western ist sehr viel leichtherziger inszeniert worden, als die meisten anderen Western dieses Jahrgangs und kann als ein Vorreiter für die etwas später entstandenen Sartana oder Sabata Filme gesehen werden, denn Rik Van Nutter (was ein Name!?) gibt hier den Spezial-Agenten Joe Fox/Ford, der eine Art James Bond im Wilden Westen darstellt. Genauso wie Bond ist er elegant gekleidet, hat enormen Erfolg bei den Frauen und schafft es mit Hilfe seiner Cleverness (und meistens Dynamit) sich immer wieder aus bedrohlichen Situationen zu befreien. Der Film kann sich nicht richtig entscheiden, ob er mehr Komödie oder doch lieber hartes Drama sein möchte und leider funktioniert diese Melange hier gar nicht.

Der Plot gestaltet sich auch nicht sonderlich innovativ und hält dabei einige vorhersehbare Wendungen bereit. Versteht mich jetzt nicht falsch, Der Tod reitet mit ist handwerklich gut gemacht, doch wenn Margheritis Miniaturgebäude bei der berühmt, berüchtigten Sprengungs- und Überflutungs-Sequenz zum Einsatz kommen ist alles aus. Die Spezialeffekte in dieser Sequenz wechseln von spektakulär bis schrecklich innerhalb von Sekunden. Der Film ist insgesamt weder als spektakulär, noch als schrecklich zu bezeichnen, obwohl der Zuschauer hin und wieder mit Gesangseinlagen im Saloon gefoltert wird. Bei Carlo Savinas Musik verhält es sich genauso wie beim Film, nicht so toll aber dem Geschehen angemessen. Eine sehr durchwachsene Angelegenheit also. Ansehbar ist Vier Halleluja für Dynamit Joe auf jeden Fall, stellt eben nur nichts Außergewöhnliches innerhalb des Genres dar.

Die weitgehend spanische Besetzung leistet gute Arbeit, wobei einem die meisten Akteure höchstens vom Sehen her aber nicht namentlich bekannt sind. Eventuell erkennt man noch Ricardo Palacios als Banditenboss El Sol oder Santiago Rivero als Senator Stenson. Ob Rik Van Nutter, der mit bürgerlichem Namen Frederick Allen Nutter hieß, noch weitere Italo-Western gedreht hat entzieht sich unserer Kenntnis. In dem James Bond Film Thunderball spielte er 1965 jedenfalls den CIA-Agenten Felix Leiter.

Die Qualität des Bildes (Format 2,35:1; 16:9 anamorph) befindet sich eigentlich auf gutem Niveau. Es ist vollkommen frei von Schäden und Verschmutzungen, die Farben sind auch ganz ok und kontrastreich aber eine mal mehr, mal weniger starke Körnung trübt den Gesamteindruck. Der Ton bietet eine deutsche sowie eine italienische Spur (beide in DD 2.0), die beide gut klingen, wobei die italienische besser wegkommt, da die deutsche Spur im Hintergrund ein wenig rauscht. Bild und Ton sind also nicht absolut top, jedoch immer noch viel besser als auf dem alten Tape von VMP. Außerdem handelt es sich um die ungekürzte Fassung des Films, denn die DVD läuft ca. 5 Minuten länger als die VHS-Kassette. Bei den geschnittenen Stellen handelt es sich aber nur um einiges Gerede. Die zusätzlichen Szenen sind in O-Ton, deutsche Untertitel können optional zugeschaltet werden. Ansonsten sind leider keine Untertitel anwählbar. Als Extras sind der Original Kinotrailer zum Film, ein Trailer zu Willkommen in der Hölle und ein Wendecover enthalten. Eine Bildergalerie, wie auf dem Backcover angegeben, ist nicht vorhanden.

Wild Coyote Films gelingt mit Dynamit Joe eine ordentliche Veröffentlichung eines wohl eher unbekannten Italo-Western. Die technische Qualität der DVD ist ok und beim Film muss man sich sowieso ein eigenes Bild machen. Wir bevorzugen im Falle Margheriti dann doch dessen wirklich gute Rachewestern wie Joko invoca Dio… e muori (Fünf blutige Stricke, 1968) oder E Dio disse a Caino… (Satan der Rache, 1969). Sammler und Komplettisten können jedoch bedenkenlos zuschlagen!

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  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung:‎ Freigegeben ab 12 Jahren
  • Regisseur:‎ Anthony M. (Antonio Magheriti) Dawson
  • Medienformat:‎ Dolby, PAL
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 30 Minuten
  • Darsteller:‎ Rik Van Nutter, Merci Castro, Halina Zalewska, Alfonso Rojas, Renato Baldini
  • Untertitel: ‎Deutsch
  • Sprache: ‎Italienisch (Dolby Digital 2.0 Mono), Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono)
  • Studio: ‎Wild Coyote

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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