Achterbahn

Achterbahn (Rollercoaster, 1977) ist ein Thriller von James Goldstone, der ganz in der Tradition der Katastrophenfilme der 70er steht, zu denen zum Beispiel auch Towering Inferno oder Earthquake gehören. Staraufgebot, krachender Sound und Nervenkitzel waren ein beliebtes Rezept. Rollercoaster lockte zudem mit der tieftönig-rumpelnden Sensurround Innovation, der Ausbeute tief sitzender Angst vor Fahrgeschäften und einem bärbeißigen Hauptdarsteller mitsamt echtem 70er-Style Schnauzer.

Der Film handelt von Harry Calder (George Segal), einem behördlicher Sicherheitsinspekteur, der bei der Untersuchung eines tragischen Achterbahn-Unglücks auf verdächtige Zusammenhänge stößt. Er kommt zum Schluss, dass es sich um einen Anschlag durch Sabotage handelte, und der Täter wieder zuschlagen könnte. In der Tat haben die Inhaber der großen Vergnügungsparks des Landes alle eine Lösegeld-Forderung erhalten. Sie sollen eine Million Dollar zahlen, sonst verunglücken weitere Fahrgeschäfte. Zusammen mit dem verantwortlichen FBI Ermittler Hoyt (Richard Widmark) versuchen sie dem Attentäter das Handwerk zu legen. Ein Wettlauf gegen die Zeit.

In den Nebenrollen sind zu sehen Henry Fonda (Spiel mir das Lied vom Tod) als Calders Chef und die 14-jährige Helen Hunt (As Good as it Gets) als seine Tochter. Der namenlose Terrorist wird gespielt von Timothy Bottoms (The Last Picture Show). Segal kennt man unter anderem aus Die Brücke von Remagen oder The Quiller Memorandum, Richard Widmark ist ein alter Hase, der auch in vielen Western glänzte, z.B. Der Garten des Bösen und Backlash die wir hier auf Nischenkino auch besprochen haben. Soweit zur Starbesetzung. Das klappt denke ich gut, Fonda ist ein wenig verschwendet, der wurde bei dem Budget wohl eher aus Werbezwecken engagiert.

Was den Film interessant macht, ist die mutige Darstellung der Hilflosigkeit der Behörden bei solch einer Art von Erpressung. Ihr kennt mich, ich schreibe dann immer man solle nicht so viel hinein interpretieren, aber das Thema bietet sich halt an: woher kommt der eigentliche Terror hinter Terrorismus, bzw. was macht Terrorismus zu Terrorismus? Es ist das Wissen, dass es keine 100%ige Sicherheit gibt. Es könnte jeden erwischen, und was auch immer die Behörden machen, Sicherheit ist in erster Linie auch subjektiv. Genau damit spielt auch Rollercoaster: ohne den Instinkt von Calder wäre klar, dass der Bösewicht in jedem beliebigen Vergnügungspark zuschlagen könnte. Willkürlich, tödlich, furchtbar.

Ein prima Soundtrack von Lalo Schiffrin (Enter the Dragon) untermalt diesen Thriller, der damals mit Sensurround das rattern der Achterbahn mit tiefen Bässen in den Kinosälen zu vermitteln versprach. Ein eher low Budget Action-Thriller der jedoch einen typischen Kardinalfehler von Hollywood macht: die Motivation des Erpressers wird nicht klar. Es bleibt beim namenlosen Bösen, der böse ist weil er ein Bösewicht ist. Das reicht aus heutiger Perspektive nicht mehr. Autor Cooke äußert sich ja auch bei dem Aspekt recht kritisch was die Umsetzung seiner Ideen angeht. Er hatte einen Ansatz, bei dem der Terrorist mehr Hintergrund hatte, da der Autor selbst als Armeeveteran sich vorstellte dass dieser vielleicht als Waffenexperte etwas ausleben würde oder so.

Die 40th Anniversary Edition BluRay von Koch Media präsentiert den Film in HD weltweit erstmals uncut. Das Bild ist ganz in Ordnung, man sollte sich nur nicht zu viel erwarten. Da gibt es gute und einige etwas weniger gut aussehende Materialabschnitte, insgesamt kann sich das Bild aber sehen lassen. Interessanter wird es beim Ton. Der liegt in Englisch DTS HD 3.1 (der Film wurde in Sensurround aufgenommen bzw. abgemischt, eine Tiefton-Technik die damals für den Film Earthquake konzipiert wurde) vor, davon hört man hier allerdings nicht so arg viel. Nun hab ich zwar keine vollwertige Surround-Anlage, aber dass man hier mehr Bassdonnern spüren würde als sonst, das möchte ich mal klar verneinen. Die Synchronfassung (Deutsch 2.0) habe ich nicht ausführlich getestet. Es gibt deutsche und englische Untertitel. An Extras liegen neben einem wirklich interessanten Interview mit dem Autor Tommy Cook (13min von der Shout! Factory BluRay) und „Die Achterbahn heute“ (3min, einem Werbevideo) lediglich die Trailer (Deutsch, USA, US Teaser), ein paar Radiospots und eine Bildergalerie bei, was ich insgesamt etwas dünn finde für eine „Anniversary Edition“.

Fazit: Ich kenne ja den Giant Dipper, von dem Cook erzählt, und ich mag auch (kleinere) Achterbahnen. Ich habe allerdings auch Angst vor zwei Dingen: technischen Fehlern und menschlichem Versagen. Ich habe also eine natürliche Skepsis, weswegen ich kein Bungee Jumping oder Fallschirmspringen mache, obwohl ich keine Höhenangst oder so habe. Insofern finde ich Rollercoaster grundsätzlich spannend, weil er mit natürlichen Ängsten spielt, von dem Terrorismus-Aspekt ganz zu schweigen. Der Film kann auch heute noch mitreissen, wird hier in einer großartigen Aufmachung präsentiert, und kann sich gerne Klassiker nennen. Aus der BluRay hätte man vielleicht noch mehr machen können, ist ihr Geld aber wert.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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