Adios Sabata / Indio Black, sai che ti dico: Sei un gran figlio di… / The Bounty Hunters

Mexiko zur Zeit der Revolution. Guerillos kämpfen gegen die Besatzung durch das Heer Kaiser Maximilians. Als die Freiheitskämpfer von einer millionenschweren Goldladung Wind bekommen, die bei den Österreichern zu holen ist, soll ihnen Sabata (Yul Brynner) dabei helfen. Sie vertrauen auf die Kunst des eiskalten Killers, etwaige Probleme mit innovativen Waffen aus dem Weg zu räumen. Aber sie haben mehr als einen Gegenspieler. Nicht nur der elegante Ganove Ballantine (Dean Reed) ist ebenfalls hinter dem Gold her, auch der österreichische Oberst Skimmel (Gerhard Herter) hat einen raffinierten Plan. Als der Coup tatsächlich misslingt, nimmt Sabata die Sache persönlich. Und zögert nicht, sich seinen Anteil zurückzuholen. (Explosive Media)

In der Originalversion wird der von Yul Brynner verkörperte Charakter Indio Black genannt, wurde für den internationalen Markt aber in Sabata umgetauft. Lee van Cleef, der original Sabata, soll die Rolle für dieses Sequel abgelehnt haben, weil ihm das Drehbuch nicht gefallen hat. Schenkt man Alex Cox Glauben, so wollten die Produzenten nicht die Summe zahlen, die Lee verlangt haben soll (Alex Cox, 10.000 Ways to Die, Seite 277). Weiterhin wurde spekuliert, dass van Cleef lieber in The Magnificent Seven Ride (Der Todesritt der glorreichen Sieben, 1972), einer quasi Fortsetzung zu The Magnificent Seven (Die glorreichen Sieben, 1960), mitspielen wollte und dort den Charakter übernahm, der im Original von Yul Brynner gegeben wurde. Yul spielt Lee, Lee spielt Yul. Hört sich doch gut an (!?) aber Der Todesritt der glorreichen Sieben wurde zwei Jahre nach Adios Sabata veröffentlicht, sodass es ziemlich unwahrscheinlich erscheint, dass die beiden Filme gleichzeitig gedreht worden sind.

Es gibt keinen guten Grund, mit Ausnahme der Anwesenheit von Brynner, diesem Film einen Platz in der Sabata Trilogie zu verweigern. Die Geschichte ist in ihrer Struktur dem Original sehr nahe, mit einigen identisch angelegten Rollen, wobei es nicht schwer fällt sich Brynner in der Rolle von van Cleef vorzustellen, sei es nun Sabata oder Indio Black. Anstatt eines schwarzen Mantels trägt Indio Black eine fransige Uniform, doch der Charakter ist so ziemlich als derselbe anzusehen. Ein mysteriöser Revolverheld, der sich seinen Weg durch einen labyrinthartigen Plot bahnt, wo Feinde zu Freunden und Freunde zu Feinden werden können. Die Geschichte spielt in Mexico, zu Kaiser Maximilians Zeiten. Sabata wird von einem Guerilla-Führer angeheuert, um den österreichischen Truppen mit Hilfe einer Handvoll von Revolutionären eine Wagenladung voller Gold abzujagen. Als es ihnen gelingt den Wagen zu erobern, ist dieser nicht mit Gold, sondern mit Sand beladen. Dahinter steckt der böse Colonel Skimmel, der das Gold für sich alleine haben will. Selbstverständlich plant Sabata das Gold zurück zu stehlen und schafft es schließlich Skimmel zu überlisten. Doch dann wird Sabata von einem seiner Mitstreiter ausmanövriert…

Sabatas Side-Kick (Ignazio Spalla) brüllt zwar hin und wieder irgendwelche revolutionären Schlachtrufe aber der Film kann wohl kaum als Zapata-Western bezeichnet werden. Im Grunde genommen handelt es sich um die gleiche Geschichte wie im ersten Sabata mit einem neuen ‚Setting‘ und ein paar zusätzlichen Ideen, die allerdings aus Robert Aldrichs Vera Cruz (1954) stammen. Skimmel, der Monokel tragende Dandy, der es liebt mexikanische Gefangene in Major Jackson Manier abzuknallen, repräsentiert den homosexuellen Sadisten Stengel aus dem Original, Dean Reeds Piano spielender Ballantine ist als Ersatz für William Bergers Banjo gedacht und anstatt Alley Cat (kein großer Verlust) wird uns diesmal Sal Borgese als eine Art Diego Maradona, der winzige Kanonenkugeln mit seinen Füßen abfeuern kann, aufs Auge gedrückt.

Während sich einige Charaktere sogar noch exzentrischer als ihre Gegenüber präsentieren, ist der Film selbst als einfacher gestrickt zu bezeichnen als sein Vorgänger; immer noch voller Spielereien, schert er sich dennoch nicht um die typische postmoderne Verspieltheit von Show gegenüber Wirklichkeit, die den ersten Sabata ausgezeichnet hatte (genauso wie den dritten). Es finden hier keine fingierten Duelle statt … und sollte sich der Plot verwirrend gestalten, dann scheint das unbeabsichtigt zu sein. Auch die Mehrdeutigkeit von Dean Reeds Ballantine ist einer transparenten Natur. Am Ende stehen die postmodernen Witze in Bezug auf „Identität“ mehr im Zusammenhang mit Objekten als mit den Protagonisten. Sal Borgeses Mini-Kanonenkugeln wurden bereits erwähnt. Die wohl glücklichste Fügung des Films stellt ein Modellschiff mit Mini-Kanonen dar, das echte Mini-Kanonenkugeln abfeuert, die so tödlich wie sie klein sind.

Generationen von Vollbild- und gekürzten Versionen hatten dem Ansehen von Adios Sabata geschadet. In Wide-Screen und voller Länge angesehen repräsentiert der Film einen ordentlichen Italo-Western auf der Höhe des Originals. Der Gewaltpegel wurde ziemlich hoch angelegt, vor allem in der Szene, wo Skimmel die Mexikaner erschießt. Es gab schon einige solcher Szenen, wie zum Beispiel in Una pistola per Ringo (Eine Pistole für Ringo, 1965) oder Django (1966), doch keine wurde so provokativ dargestellt, wie diese hier. Dean Reed gibt, genauso wie Borgese, eine zufriedenstellende Vorstellung ab und sogar Spalla ist (mehr oder weniger) erträglich. In kleineren Rollen sind außerdem viele bekannte Gesichter wie Nieves Navarro (als Susan Scott gelistet), Bruno Corazzari und Giovanni Cianfriglia (als Ken Wood) zu sehen. Bruno Nicolais Musik passt gut und wird durch ein ‚Pfeifen-Thema‘, das an Roberto Pregadios Score von Il pistolero dell’Ave Maria (Seine Kugeln pfeifen das Todeslied, 1969) erinnert, hervorgehoben. Es wäre wohl kein Parolini Film, wenn er nicht gelegentlich in seine Zirkuswelt abdriften würde, doch insgesamt handelt es sich bei Adios Sabata um einen sehr sehenswerten Streifen.

Das Bild wird uns in 2,35:1 (1080p) präsentiert und sieht dem Alter entsprechend sehr gut aus. Bildschäden und Verschmutzungen konnten beinahe vollkommen entfernt werden, Farben und Kontrast geben auch keinen Anlaß zum Meckern. Beim Ton stehen gleich vier Spuren (deutsch, englisch, französich und spanisch) in DTS HD MA zur Verfügung, wobei die deutsche Spur ein wenig dumpf und tief zu klingen scheint. Hier könnten sich Technik-Experten streiten!? Ansonsten sind alle Spuren weitestgehend rauschfrei und angenehm zu hören. Auf Wunsch können deutsche oder englische Untertitel zugeschaltet werden, die sich ziemlich nahe an das Original halten. Als Bonus wurden etliche Trailer, ein Locations-Vergleich, sehr umfangreiche Bildergalerien und ein 4-Seiten Booklet mit seltenen Artworks in bzw. auf die Scheibe gepackt. Ein Wendecover mit alternativem Motiv ist auch vorhanden. Zudem kommt die BluRay in einem schön gestalteten Pappschuber daher. Explosive Media gelingt mit Adios Sabata eine rundum zufriedenstellende Veröffentlichung eines wirklich sehenswerten Italo-Western mit klasse Besetzung. Von Yul Brynner bis Ken Wood können alle Schauspieler bis in die winzigste Rolle überzeugen, wobei der Plot eine Sabata-würdige Geschichte erzählt. Sammler kommen an dieser VÖ nicht vorbei und überhaupt kann man hier mit einer Anschaffung nichts falsch machen.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Regisseur: Kramer, Frank, Parolini, Gianfranco
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit:‎ 1 Stunde und 44 Minuten
  • Darsteller:‎ Reed, Dean, Herter, Gerard, Navarro, Nieves, Sanchez, Pedro, Brynner, Yul
  • Untertitel: ‎Englisch, Deutsch
  • Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0), Spanisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio:‎ Explosive Media

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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