African Kung-Fu Nazis

Er ist wieder da! Wie jeder weiß, hat sich Adolf Hitler nach Kriegsende per U-Boot an die Küste Ghanas in Westafrika retten können. Mit seinen ergebenen Handlangern, dem japanischen Oberbefehlshaber Hideki Tojo und „Horse-Man“ Göring, im Schlepptau will er nun die Welt von Afrika aus erobern: Dabei kann er nicht nur auf seine gehirngewaschene Gefolgschaft der „Ghan-Arier“ zurückgreifen, sondern auch auf seine übermenschlichen Karate-Kräfte! Im Wege steht ihm die ehrenwerte Kung-Fu-Schule des Schlangen-Schlauchs, wo der junge Kung-Fu-Kämpfer Horst trainiert. Als Hitlers Schergen die Schule überfallen, berauben sie Horst nicht nur seines Meisters, sondern auch seiner Freundin. Horst schwört Rache. Als Hitler ein Kampfsportturnier veranstaltet, scheint diese Gelegenheit gekommen zu sein. Doch noch reichen Horsts Fähigkeiten nicht aus, um an Hitlers tödlichem Wettkampf teilzunehmen… (Busch Media Group)

Hat man einen Titel wie African Kung-Fu Nazis vor sich, gibt es immer zwei Möglichkeiten: 1.) Der Film wird eine massive Enttäuschung sein, der seinem albernen Namen nicht gerecht wird, oder 2.) Der Film wird ein vollkommen verrückter Streifen, der unbeschreiblich viel Spaß macht. Das oder er könnte sich ein bisschen langweilig gestalten, oder okay, doch nichts weiter als das, und ähm, ok, es könnte dann eine von vier Möglichkeiten geben und zu dieser Gelegenheit handelt es sich leider um die letztere. Der Film hat durchaus seine Vorzüge, doch insgesamt gestaltet er sich ein bisschen chaotisch. Anscheinend in einer feuchtfröhlichen Nacht vom Regisseur Sebastian Stein erfunden, ist die Idee, dass Hitler (gespielt von Stein selbst) und der japanische Führer Hideki Tojo (Yoshito Akimoto) während des Krieges nicht gestorben und stattdessen nach Ghana geflohen sind. Dort gelang es ihnen nicht nur einen Zauberspruch zu finden, der den Alterungsprozess umkehrt, sondern der die Menschen auch einer Gehirnwäsche unterzieht, damit die sich ihrer Armee, den „Ghan-Arianern“, anschließen.

Dann geht es in der Gegenwart weiter, in der Hitler von der lokalen Bevölkerung so gut wie vergessen worden zu sein scheint, jetzt allerdings plant wieder Krieg zu führen und zwar indem er ein Kampfsportturnier veranstaltet, bei dem man bis zum Tod kämpfen muss. Was selbstverständlich überhaupt gar keinen Sinn ergibt und auf frustrierende Art und Weise nicht den einzigen Anlass repräsentiert, bei dem sich die Dinge nicht richtig zusammenläppern. Als nächstes wird unser Held Horst (Elisha Okeyere) vorgestellt, ein Schüler einer Kampfsportschule, die von Hitler attackiert wird. Nachdem Horsts Meister getötet wurde, schwört er Rache. Leider nimmt der Film dann einen Abschwung, während Horsts Freundin Eva (Nkechi Chinedu) von Hideki Tojo in einer dunklen Gasse sexuell belästigt wird. In einer unangenehm rassistischen Szene wird Tojo zunächst einmal von Eva und ihrer Freundin verspottet, denn sie behaupten, dass sie ihn bei einer Vergewaltigung sowieso nicht fühlen können, da er ja ein Asiate sei. Als Tojo jedoch seine Hose öffnet und man den Schatten seines großen Penis‘ sehen kann, bringt das die Frauen zum Schreien. Doch plötzlich ist dies alles vergessen und Eva ist dann Hitlers Freundin, was für sie absolut in Ordnung zu sein scheint.

Verärgert darüber, dass Eva ihn verlassen hat und sein Meister tot ist, versucht Horst Hitlers dritten Befehlshaber „Horse-Man“ Göring anzugreifen (ja, fragt lieber nicht nach), doch seine Kampfkunstfähigkeiten sind anscheinend nicht gut genug und so bekommt man bald eine sehr enttäuschende Trainingsmontage mit einem sehr betrunkenen Meister Akpeteshie vorgesetzt, bei der es sehr milde Ohrfeigen und Herumrollen im Dreck zu bestaunen gibt. Dreißig Tage später wird Horst nun losgeschickt, um Three Finger Joe zu treffen und von diesem gezwungen (in einer weiteren bekloppten Trainingsmontage) recht oft gegen einen Baum zu schlagen etc., wobei sich die Szenen als langweilig und schlecht durchdacht erweisen. Das Gleiche ist auch bei einem Treffen mit einer seltsamen Wut-Priesterin der Fall, die behauptet, sie könne Horst helfen Hitlers Bann über die Ghan-Arianer zu brechen. Wenigstens handelt es sich dabei um eine sehr kurze Szene. Sobald Horst beim Turnier auftaucht geht es richtig zur Sache, wobei man eine Reihe alberner Kampfsequenzen mit extrem offensichtlichem CGI-Blut genießen darf. Das Beste dieser Sequenzen beinhaltet ein gutes, altmodisches Stück Herzrausreißen, während eine lächerlich unverhohlene Produktplatzierung für Adonko Bitters (ein alkoholisches Getränk, das anscheinend nur aus natürlichen Kräutern hergestellt wird), einen jedes Mal zum „Lachen“ bringt, wenn die Bannerwerbung dafür ins Bild rückt. Das Ende gestaltet sich effektiv und unterhaltsam, wobei sich der Film wie einer mit viel höherem Budget anfühlt, als er tatsächlich zur Verfügung hatte.

Es ist schon seltsam, oftmals sieht das Ganze professionell gefilmt aus und manchmal präsentiert sich die Kinematographie sogar ziemlich beeindruckend. Die Kampfszenen sind so gedreht worden, so dass sie glaubwürdig bissig rüberkommen, doch es gibt auch eine sonderbare Szene, die sich anfühlt, als wäre sie von einem betrunkenen Zehnjährigen (wahrscheinlich aufgrund des Konsums von Adonko Bitters) mit einem Camcorder aufgenommen worden. Das Schauspiel ist ebenfalls als unorganisiert und/oder verwirrt zu bezeichnen, wobei Horst eine vernünftige Hauptrolle spielt, während Steins Hitler schön selbstgefällig und unsympathisch erscheint. Viele der Nebencharaktere spielen jedoch ein wenig amateurhaft. Es ist in vielerlei Hinsicht schade, dass es sich hier nicht um einen 30- oder 40-minütigen Kurzfilm handelt, da genug Filmmaterial vorhanden ist, das man als erfreulich seltsam oder ungewöhnlich beschreiben kann. Der Streifen hat einige denkwürdige Momente zu bieten, darunter Hitlers DJing auf einer Party sowie die Beerdigung von Horsts Meister in einem autoförmigen Sarg. Während sich Teile des Dialogs recht amüsant gestalten (wie Hitlers Behauptung, seine Soldaten seien „so schnell wie Rindfleisch“), sind einige der Kampfszenen wirklich zum Lachen. Allerdings gibt es zu viele „Polster-Szenen“ und selbst das finale Turnier ist einfach etwas zu lang geraten.

The VelociPastor (2018) hat gezeigt, dass man mit einem sehr geringen Budget eine verrückte Idee aufgreifen und etwas Fantastisches daraus machen kann, was die afrikanischen Kung-Fu-Nazis leider nicht richtig zustande bringen. Zugegeben, kleine Teile des Streifens verstehen es wirklich dem Publikum Spaß zu bereiten, aber der Mittelteil mit den verschiedenen Trainingsmontagen ist als recht schlecht zu bezeichnen und der Umgang mit Hideki Tojo erweist sich als fraglich. Die paar Momente, in denen der Plot einfach keinen Sinn ergibt, bedeuten, dass es sich um einen Film handelt, den man bestenfalls nach dem reichlichen Genuss von Adonko Bitters ertragen kann, doch selbst dann wäre es als zweifelhaft zu bezeichnen, wenn jeder (der Adonko Bitters und/oder andere Alkoholika weggeknuspert hat) den Film plötzlich hoch loben würde. Gibt es Adonko Bitters eigentlich auch in Europa, bzw. in Deutschland zu erstehen? Bei der Betrachtung des Bonusmaterials kann man jedenfalls Zeuge werden, wie sich Sebastian Stein und einige seiner afrikanischen Freunde mit dem Zeug ordentlich die Kante geben. Irgendwie ist AB sowieso beinahe der einzige Aspekt, der einem bei African Kung-Fu Nazis auf längere Sicht im Gedächtnis bleibt. Bleibt nur zu hoffen, dass es dem guten alten J&B keine Konkurrenz machen wird. NOOOT!

African Kung-Fu Nazis erhält von der Busch Media Group eine würdige DVD Veröffentlichung, die sich auf technischem Gebiet äußerst gelungen zeigt. Das Bild wird im 16:9 Format präsentiert und lässt keine Wünsche offen. Beim Ton verhält es sich genauso. Die beiden Tonspuren (deutsch DD 5.1 und englisch DD 2.0) klingen super, wobei ich an dieser Stelle darauf verzichte auf die jeweiligen Synchronversionen (Ghanaer sprechen mit bayrischem oder nordischem Dialekt) einzugehen. Deutsche, englische sowie japanische (!) Untertitel können auch angewählt werden. Ein Wendecover wurde auch nicht vergessen. Als Extras wurden der Trailer, einige Bloopers, Filmtipps und Grußbotschaften von Cast und Crew auf die DVD gepackt. African Kung-Fu Nazis wird mit absoluter Sicherheit nicht jedermanns Sache sein aber wer Neugierig auf Adonka Bitters geworden ist, der kommt um diesen Film nicht herum.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 18 Jahren
  • Medienformat : Dolby, PAL
  • Laufzeit : 1 Stunde und 21 Minuten
  • Darsteller : Sebastian Stein, Yoshito Akimoto, Elisha Okeyere, Marsuel Hoppe, Chinedu Nkechi
  • Sprache : Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
  • Studio : Busch Media Group

Diese DVD wurde uns freundlicherweise von der Busch Media Group zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser DVD.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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