AKIRA

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Im Jahre 1988 vernichtet eine mysteriöse Explosion das alte Tokio und beschwört den Dritten Weltkrieg herauf. 31 Jahre später ist der Wiederaufbau der Metropole beendet ― doch der wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegsjahre gehört ebenfalls der Vergangenheit an. Das Bild Neo-Tokios im Jahre 2019 wird von Demonstranten, Terroristen, der gewaltbereiten Polizei und nicht zuletzt der korrupten Regierung bestimmt. Shotaro Kaneda, „Kaneda“ genannt, Tetsuo Shima und ihre Freunde tragen indessen inmitten dieses Chaos ihren ganz privaten Krieg aus. Die jugendlichen Biker liefern sich mit Brandbomben gespickte Straßenschlachten mit der rivalisierenden Gang „Clowns“. Eines Tages verunglückt bei einer der gefährlichen Verfolgungsjagden Tetsuo. Bevor der Verletzte vom Militär in Gewahrsam genommen wird, kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung: Ein Junge mit greisemhaftem Gesicht erscheint und Tetsuo wird Zeuge paranormaler Fähigkeiten. Haben diese etwas mit der sagenumwobenen Kraft „Akira“ zu tun, von denen die zahlreichen Weltuntergangs-Prediger reden…?

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Katsuhiro Otomo (u. a. Robotic Angel) adaptierte mit dem Anime AKIRA seine gleichnamige Erfolgs-Manga-Reihe, die hierzulande bei Carlsen Manga erschienen ist. Der Regisseur und Manga-Zeichner schuf mit dem Movie AKIRA ein cineastisches Meistwerk: Ende der Achtziger überzeugte er mit einer zuvor nie dagewesenen Animationsqualität und einem komplexen Storygeflecht. Die atemberaubenden Action-Szenen werden von schauerlichen Chören und mystischen Synthesizer-Sounds begleitet. Das vielschichtige Dark-Future-Spektakel à la Blade Runner ebnete dem anspruchsvollen japanischen Animationsfilm in den neunziger Jahren den Weg in die westliche Welt ― und löste dort einen Anime-Boom aus.

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Akira spielt in der futuristischen Welt von Neo-Tokio. Aus der Asche des Dritten Weltkrieges wieder aufgebaut, ist die Stadt ein technologischer Traum aus Neon, Computern und sich ständig weiterentwickelnder Wissenschaft geworden. Gleichzeitig mutiert Neo-Tokio zu einem sozialen Alptraum für die Bevölkerung, denn korrupte Politiker kontrollieren und unterdrücken die Arbeiterklasse mit Hilfe des Militärs. Hinzu kommt noch, dass sich nicht nur Technik und Wissenschaft weiterentwickelt haben, sondern auch eine mächtige Rasse von Hellsehern (Psionics) entstanden ist, die verschiedene Grade von Telepathie und Telekinese beherrschen und irgendwie mit dem streng geheimen Militärprojekt Akira verknüpft sind. Der Schmelztiegel Neo-Tokio ist kurz davor zu explodieren. In jedem Frame, in jeder Szene der Animation kann man die Hitze, den Schweiß und den Schmutz mit freundlicher Genehmigung einer borderline-masochistischen Liebe zum Detail förmlich spüren.

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Akira ist Hyperrealität pur, die später als Bullet-Time bekannt geworden ist. Animation, und noch wichtiger Phantasie, ermöglicht unglaublich kinetische und „freie“ Kamerabewegung. Der Stil fängt jeden Unfall, jede Explosion und jeden todesmutigen Stunt wunderbar ein. Doch trotz aller Aktion beschränkt sich der Film nicht nur darauf, denn die Geschichte dreht sich hauptsächlich um den jungen Tetsuo, der beginnt übernatürliche Kräfte zu entwickeln aber weder versteht was mit ihm geschieht noch begreift welche Verantwortung mit solch gottähnlicher Macht auf ihn zukommt. Dies öffnet die Tür zu einigen wirklich bewegenden Szenen voller kinematografischer Artistik, wo sich Tetsuo fragt, ob er den Verstand zu verlieren droht und schließlich Amok läuft. Eine herausragende Sequenz im Film ist zum Beispiel die, wo Tetsuo unter Beobachtung in einem Krankenhausbett liegend halluziniert, dass er von Kinderspielzeug angegriffen wird. Traum und Wirklichkeit werden ineinander gefaltet und so verhält es sich auch den ganzen Film über. Horizonte lösen sich auf während die Wirklichkeit selbst zu zerfallen scheint (animiertes Fragment für animiertes Fragment), als sich Tetsuo seinen Weg in Richtung Downtown Neo-Tokio bahnt, um dort in Konfrontation mit Akira zu treten, was auch immer dieses oder dieser Akira sein oder bedeuten mag.

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Der einzige weitere Charakter, der auf der Ebene Tetsuos entwickelt wird, ist sein bester Freund Kaneda, der in einer Reihe von kleinen, gut in Szene gesetzten Sequenzen als intelligent, selbstbewusst und heroisch dargestellt wird. Ausserdem ist er der Einzige, der es sich wagt an Tetsuos Vernunft zu appellieren. Ganz egal bis zu welchem Punkt Tetsuos Kräfte zu eskalieren drohen, und egal, wie sehr er von der Polizei und dem Militär gejagd wird, Kaneda will nur seinen alten Freund wieder, und es ist diese Hoffnung auf Erlösung, die dem Film sein emotionales Rückgrat verleiht. Eine zusätzliche Stärke des Films ist die intelligente Nutzung von Sound. Dieser beschränkt sich auf ein Minimum von japanischen Trommeln, anderen Trommel- bzw. Schlaginstrumenten und einigen seichten Stimm-Klängen während dramatischen Szenen. Interessanter ist jedoch der Einsatz von Stille, absolute tiefe Stille, die in Schlüsselmomenten zum Einsatz kommt. Sie passt nicht nur sehr gut zu den Themen der psychischen/telepathischen Kräfte, sondern auch überhaupt zu der ‚lebendigen‘ Hyperrealität, die der Film porträtiert. Lasst es mich so sagen: Wenn man träumt, träumt man in einer Stille von impliziten Worten. Akira weiß das auch!
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Der Dialog ist exzellent. Die Straßen-Kids reden in einem einschlägigen und sardonischen Straßenjargon und das Militär wird von einem titanischen General repräsentiert, dessen Sätze eine gewisse unfreiwillige Komik bei der Übersetzung dazugewonnen haben (Ihr hedonistischen Narren! Könnt ihr nicht sehen, dass es vollkommen sinnlos ist, sich gegenseitig zu bekämpfen!“). Schön, dass man es doch noch hinbekommen kann die Menschen auf natürliche Art und Weise miteinander sprechen zu lassen. Hollywood verlernt das leider mehr und mehr.

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Akira ist sicherlich nicht für jedermann. In den ersten 20 Minuten wird der Film durch Straßen-Slang, eine versuchte Vergewaltigung und die kinetischen Gemetzel zwischen rivalisierenden Rockerbanden bestimmt. Einige Menschen werden sowas in einem animierten Film einfach nicht dulden, da dieser eventuell auch von jüngeren Kindern angesehen werden könnte. Auch wenn man den doch teils unappetitlichen Inhalt des Films verdauen kann, könnte man von der schieren Merkwürdigkeit der japanischen Kultur erschlagen werden (Die Japaner haben irgendwie eine ungesunde Obsession Tokio in Verwüstung sehen zu wollen.) Überspringt man diese Punkte und erkennt man das Gesamtgenie Akiras, kann man Akiras Platz auf dem Pantheon der modernen Kultur auf jeden Fall zu schätzen wissen.
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Universum Anime veröffentlichte den Endzeit-Action-Hit am 31. Oktober 2014 als Special Edition im Steelbook™ auf DVD und erstmals im deutschsprachigen Raum in High Definition auf Blu-ray Disc. Die Original-Animationen des Klassikers wurden digital überarbeitet. Neben dem japanischen Originalton enthält die Neuveröffentlichung sowohl die deutsche Original-Kino-Synchronisation von 1991 als auch die deutsche DVD-Sprachfassung aus dem Jahre 2005. Cyberpunk-Fans dürfen sich außerdem auf ein 32-seitiges Booklet mit exklusiven Hintergrundinformationen zum Film freuen.

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Akira Cover

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Verfügbarkeit: 31. Oktober 2014
Publisher: Universum Anime
Formate: DVD / Blu-ray
FSK: ab 16 Jahren freigegeben
Laufzeit: ca. 119 Min. / ca. 124 Min.
Sprachen: Deutsch; Japanisch
Untertitel: Deutsch
Extras: 32-seitiges Booklet, Making Of, Animation Library, Art Works Gallery, Original japanischer Trailer, Teaser & TV-Spots

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Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von universum film zur Verfügung gestellt.

Das Steelbook/Covergestaltung und das Booklet lag uns zur Beurteilung nicht vor.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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