Alla Ricerca Del Piacere / Haus der tödlichen Sünden

Die hübsche Greta reist von London nach Italien, um dort als Sekretärin für den erfolgreichen Schriftsteller Richard Stuart zu arbeiten, der zusammen mit seiner verführerischen Gefährtin Eleonora in einer abgeschotteten Villa bei Venedig lebt. Gretas Freundin Sally, die ebenfalls für Richard gearbeitet hat, ist unter mysteriösen Umständen verschwunden. In Zusammenarbeit mit dem engagierten Kommissar Antonelli begibt sich Greta auf die Spur der Vermissten und gerät dabei in einen Strudel aus Lust, Gewalt, Verführung und Sex. Was spielt Richard für ein Spiel? Welche Rätsel birgt das altehrwürdige Haus? Welches Geheimnis umgibt den schweigsamen Fischer Rocco? Je weiter Greta forscht, umso mehr gerät sie selbst in tödliche Gefahr. (Camera Obscura)

Alla Ricerca Del Piacere lässt sich eher dem Trend der sexy-trashigen Gialli zuordnen, als dem der aufkeimenden Variante der Argento Imitationen. Regisseur Silvio Amadio hatte mit Il segreto del vestito rosso (Assassination in Rome, 1965) schon zuvor einen Genrebeitrag geleistet, doch Haus der tödlichen Sünden weist nun bereits eindeutigere Merkmale des filone auf und gehört gleichzeitig in vielerlei Hinsicht zu den angenehmer zu konsumierenden „trashigen“ Gialli dieser Zeit. Amadios Drehbuch gelingt es zwar einige wenige Überraschungen einzuarbeiten, aber ein Großteil der Spielzeit beschäftigt sich mehr mit der detaillierten Darstellung des schmierigen Treibens. Die Charaktere trinken, nehmen zusätzlich noch andere Drogen, frönen wilden Orgien und versuchen sich bei jeder Gelegenheit zu hintergehen. Greta (Barbara Bouchet) soll eine „normale“ Person repräsentieren, doch ist sie erstaunlicherweise zuweilen so beschränkt, so dass es sich wirklich schwierig gestaltet, sich auf ihre Seite zu schlagen. Im Gegensatz dazu ist der fröhlich böse Autor, Richard Stuart (Farley Granger), ein Bösewicht in Tradition Hitchcocks. Er ist adrett, zuvorkommend, witzig und steht Fragen von Recht und Unrecht vollkommen gleichgültig gegenüber. Als solches kann sich der Betrachter nicht helfen und hofft, dass Stuart letztendlich mit allem davon kommt. Amadios Regie erweist sich als weitaus stylisher und engagierter, als es in dem oben genannten Assassination in Rome der Fall gewesen war. Manchmal übertreibt er es noch mit dem Zoom, schafft es allerdings die lesbische Liebesszene zwischen Barbara Bouchet und Rosalba Neri unter Verwendung von Zeitlupen Effekten überraschend effektiv in Szene zu setzen. Slow-Motion-Effekte wie diese könnten in vielen anderen Filmen kitschig und übertrieben rüberkommen – nicht jeder Regisseur ist bei deren Anwendung ein, sagen wir, Sam Peckinpah, doch hier helfen sie dabei das Wenden und Winden der Körper zu akzentuieren, während sich die beiden Schauspielerinnen in der Hitze des Augenblicks verlieren. Bei dieser Szene handelt es sich um einen wahren „Showstopper“ aber glücklicherweise ist der Film in der Lage, noch etwas mehr zu liefern, als nur das.

Die venezianischen Örtlichkeiten sind gut gewählt sowie eleganter in die Handlung eingewebt, als es noch bei Assassination in Rome gelungen war. Während es bei der früheren Arbeit den Anschein hatte, der Streifen würde jedes Mal ins Stocken kommen, wenn Amadio einen weiteren „wichtigen“ Schauplatz vorführen wollte, so werden die wunderschönen Lokalitäten hier dazu verwendet, sich vom hässlichen Verhalten und den verkommenen Charakteren der Protagonisten zu kontrastieren. Der Regisseur ist natürlich trotzdem kein so ungeheurer Stylist à la Argento oder Bava aber man kann durchaus behaupten, dass Amuck! seine beste Anstrengung im Genre darstellt, obwohl er es mit Il sorriso della iena (Smile Before Death) im gleichen Jahr noch einmal bemühen würde. Barbara Bouchet und Rosalba Neri sind beide hervorragend in ihren Rollen und sehen beide mal wieder absolut atemberaubend aus, der Film jedoch gehört dem verblichenen amerikanischen Star Farley Granger. Granger, dessen knabenhaft gutes Aussehen die Aufmerksamkeit der Produzenten auf sich zog, erhielt einen Vertrag von der Samuel Goldwyn Company sobald er von der High School graduiert worden war. Schon früh feierte er mit seiner Rolle als ein unglücklicher Liebhaber auf der Flucht in Nicholas Rays noir Meisterwerk They Live By Night (Sie leben bei Nacht, 1948) einen Triumph, aber seine berühmtesten Auftritte würde er mit dem Master of Suspense, Alfred Hitchcock, haben und zwar als einer der Mörder in Rope (Cocktail für eine Leiche, 1948) und als Typ in Gefahr in Strangers on a Train (Der Fremde im Zug, 1951).

In diesen beiden Filmen erstreckte sich Grangers Schauspielkunst vom einfältigen Psychopathen bis hin zum nervösen Helden, was Luchino Visconti beeindruckte, der ihn daraufhin nach Italien lockte, um ihn als amoralischen Leutnant Alida Valli in Senso (Sehnsucht, 1954) verführen zu lassen. Grangers Ruhm begann in den 60er Jahren zu schwinden, während der Schauspieler in diesem Jahrzehnt viel Zeit damit verbrachte als Gaststar in Fernsehserien wie Kraft Theatre (1947-58) und Get Smart (Mini-Max oder die unglaublichen Abenteuer des Maxwell Smart, 1965-67) aufzutreten. Frustriert suchte er Arbeit im Ausland und pendelte in den 70er Jahren zwischen Italien und Amerika hin und her. Granger spielte in dieser Zeit in mehreren Gialli mit, doch nur wenige, wie Amuck!, gaben ihm die Gelegenheit seine Talente wirklich zu präsentieren. In den achtziger Jahren trat er beinahe ausschließlich in B-Filmen und TV-Shows auf, fand aber größere Zufriedenheit auf der Bühne und schaffte es sogar bis zum Broadway. Er starb 2011 im Alter von 85 Jahren. In der Rolle des genauso bösen, wie charmanten Richard Stuart liefert er einmal mehr eine hervorragende Vorstellung ab, indem er den schmierigen Herrn mit öliger Dekadenz darbietet, diesen allerdings mit Hilfe seines echten Charmes, als eine sehr angenehme Persönlichkeit erscheinen lässt, auch wenn man erkennt, dass er die sprichwörtliche Schlange im Gras ist. Noch wichtiger, Granger bringt dem Film damit ein gewisses „Etwas“, dass nur ein Schauspieler, dessen Karriere langsam zu Ende geht, bringen kann. Man kommt nicht umhin zu bemerken, dass er tatsächlich zu gut für den Film war – ja, es scheint, als ob er sich dessen selbst bewusst gewesen ist. Der Film ist von seinen ruhmreichen Tagen in Hollywood weit entfernt, bot ihm jedoch ein gutes Schaufenster in Europa, was er sich als Profi nicht nehmen ließ. Haus der tödlichen Sünden wurde später sogar umbenannt und unter dem Titel Leather and Whips verkauft, der einige Zuschauer zweifellos dazu veranlasste, noch mehr an sexuell expliziten Bildern zu erwarten. Besonders hervorzuheben ist auch die Porno-Version von Rotkäppchen, die Stuart für seine zügellosen Gäste auf die Leinwand wirft. Kleine Einsprengsel wie dieses verleihen dem Streifen seinen sleazigen Charme und machen ihn zu einem der angenehmsten der reißerisch aufgemachten Gialli dieser Periode.

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(hier noch mit alternativem dt. Titel)

  • Darsteller: Farley Granger, Barbara Bouchet, Petar Martinovitch, Dino Mele, Rosalba Neri
  • Regisseur(e): Silvio Amadio
  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: Camera Obscura
  • Produktionsjahr: 1972
  • Spieldauer: 101 Minuten

 

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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