Am schwarzen Fluss

Am schwarzen Fluss

The Spiral Road (Am schwarzen Fluss) ist ein Abenteuerfilm aus dem Jahr 1962 von Robert Mulligan (To Kill a Mockingbird) mit Rock Hudson (Blindfold) in der Hauptrolle.

Das von den Niederländern als Kolonialgebiet regierte Indonesien in den 1930ern. Der Arzt Dr. Drager (Hudson) tritt seinen Dienst beim Seuchenmediziner Dr. Jansen (Burl Ives) an, der im Dschungel von Borneo Pest und Lepra bekämpft. Während sich Drager den Respekt des älteren Jansen erst noch erarbeiten muss, dessen Nachfolge er auf der Station antreten soll, müssen die beiden gegen die lokalen Bräuche, Misstrauen, Aberglauben und Gefahren kämpfen. Gegen den Rat Jansens bringt Drager außerdem seine Verlobte Els (Gena Rowlands) nach Batavia und heiratet sie schlussendlich. In Jansens Augen steht das einer effektiven Arbeit als Tropenmediziner im Weg. Dragers Talent ist nicht von der Hand zu weisen, doch die beiden sind in einem grundverschieden: Jansen ist gläubig, für ihn hat die Wissenschaft grenzen, während Drager Atheist ist und sehr nüchtern an seinen Job herangeht. Als er Jansens archivierte Notizen über Leprose auswertet und veröffentlichen will, kommt es zum Streit zwischen den beiden. Und bei einer Reise in den tiefen Dschungel, die einmal mehr offenbart dass dieser manche Menschen bricht, muss Drager feststellen, dass es gegen die schwersten Krankheiten vielleicht doch nur ein starker Glaube ist, der einen retten kann….

Am schwarzen Fluss

Am schwarzen Fluss ist ein interessanter Film irgendwie. Untermalt von einer recht beeindruckenden musikalischen Komposition von niemand geringerem als Jerry Goldsmith (unter Aufsicht von Joseph Gershenson) nimmt dieser Abenteuerfilm einige interessante Abzweigungen von den üblichen Genrevertretern. Er ist halb Moskito Coast, halb Herz der Finsternis. Gerade die Anleihen bei Joseph Conrad erscheinen mir irgendwie besonders treffend, The Spiral Road (also Jan de Hartogs Roman der diesem Film zugrunde liegt, im niederländischen aber Gods Geuzen / Die Bettler Gottes heißt – und gleichsam der Originaltitle des Films) ist auch deutlich jünger, die Einflüsse sind meines Erachtens unbestreitbar, schwanken aber zwischen offensichtlich und subtil. Das koloniale Setting, der tödliche Wahnsinn des Dschungels, und die „spiral road“ damit ist natürlich der sich windende Fluss in die grüne „Hölle“ gemeint. Während in Conrads Vorbild die Suche nach einem aus den Fugen geratenen Militär im kongolesischen Dschungel den Rahmen bildet, ist es hier zwar auch eine Expedition in den Urwald und der Kampf mit – doch teilweise außer Kontrolle geratenen – Kolonialfiguren, im Herzen steht aber der Konflikt zwischen Wissenschaft und Aberglaube!

Am schwarzen Fluss

Robert Mulligan, dessen Verflimung von „Wer die Nachtigall stört“ wohl alles andere in den Schatten gestellt hat das er je angefasst hat (etwas unfair eigentlich) erzählt hier von einem Mann der am Ende zwiegespalten ist, zwischen Fortschritt und Glaube, Arbeit und Gefühlen. Dabei ist die Geschichte zwar nicht gänzlich eindeutig in seiner Message, aber es ist dennoch so dass einigermaßen klar wird, dass sich Draeger schon immer auch von Gefühlen hat leiten lassen. Sei es auch nur ein Bauchgefühl. Dass er am Ende – wunderbar Rock Hudson (Pillow Talk) mit Zauselbart der quasi mit bloßen Händen eine Wildsau tötet – auf seinen Glauben setzen muss um zu überleben, weil der Wahnsinn ihn sonst übermannt, bekommt eine quasi-religiöse Note (lässt sich aber aus heutiger Perspektive auch anders interpretieren; jedenfalls ist der Film nicht übermäßig missionarisch in der Hinsicht). Sein gegenüber wird gespielt von dem bekannten Sänger Burl Ives (Katze auf dem heißen Blechdach, The Big Country), ein wunderbares Kontrastprogramm zu dem abgeklärten jungen Arzt.

Am schwarzen Fluss

Die sonstigen Rollen, inklusive der Rowlands‘, sind in dem 140-Minuten-Klopper eher Beiwerk. Wunderbar eingefangen wird das von Russel Harlan (Red River, Die Saat der Gewalt) und überhaupt finde ich, dass man sich sehr viel Mühe mit einem gutaussehenden und realistischen Setting geben hat. Dabei bekommt der Film teilweise ein richtig grimmiges, unpoliertes Setting, an dem die Schauspielenden sicher wenig Spaß gehabt haben dürften, und teilweise ja auch an echten Außensets gedreht, nicht nur wie so oft (aber teilweise auch hier) zwischen Plastikpflanzen auf der Soundstage. Der Film wird dabei auch nie langweilig, und doch ist er, wie von vielen Kritikern beschrieben, etwas seltsam. Er ist unausgewogen, verliert viel Zeit für der Story wenig zuträgliche Nebenschauplätze, und eskaliert letztlich zu spät zu krass. Hier könnte vermutlich eine Lektüre des Romans Klarheit verschaffen, aber für den Film denke ich war das Material letztlich ein wenig zu komplex. Insgesamt ein sehenswerter, gut gemachter, aber irgendwie nicht herausragender Film.

Am schwarzen Fluss

Die Bluray von Explosive Media bringt den Klassiker aus dem Universal Archiv zurück ins Heimkino. Das Bild sieht bis auf einige Stellen sehr gut aus, und bietet ein schönes Breitbild-Erlebnis (1.78:1 in etwa) dieses Abenteuerfilms mit guten Farben, soliden Kontrasten und viel Detail ohne zu viel Kantenglättung oder Ähnlichem. Der Ton klingt total gut (Englisch getestet) wenn man mal außer Acht lässt dass im Film eigentlich niederländisch gesprochen werden müsste. Gute Dialogverständlichkeit und Qualität. Eine deutsche Synchronfassung gibt es auch, sowie Untertitel in Deutsch oder Englisch. Extras gibt es außer einer Bildergalerie keine, aber es ist die deutsche Kinoversion noch mit an Bord. Ein genauer Vergleich ist mir nun nicht bekannt, aber sie läuft mit 123 Minuten etwa vierzig Minuten kürzer als die ungekürzter Version. Was hier vorliegt sieht aber rekonstruiert aus, denn die Qualität entspricht dem Hauptfilm und der Vorspann ist auch nicht auf Deutsch.

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Die BluRay wurde uns zur Verfügung gestellt

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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