America 3000 / Thunder Warriors

Tausend Jahre nach dem apokalyptischen Inferno. Die Überlebenden haben wieder die Entwicklungsstufe der steinzeitlichen Barbarei erreicht. In der Wildnis von Colorado herrschen die Frauen über die Männer, halten sie als Sklaven und zwingen sie zur Arbeit. Zwei Jünglinge können aus ihrem Joch entfliehen. Zufällig entdecken sie den unterirdischen Bunker des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Teile der Technik funktionieren noch. Sie können jetzt zurückkehren und dann wird nichts mehr so sein, wie es war. (Indigo)

Der Ort ist Nordamerika, was früher die Vereinigten Staaten waren, ungefähr tausend Jahre nach dem Atomkrieg, der die Zivilisation auslöschte. Was nun von der Menschheit übrig bleibt, wird von den als Frals bekannten Frauen regiert, die die Männer entweder in diejenigen aufteilen, die für sie wie Sklaven schuften können, oder in diejenigen, die als sogenannte „Zuchttiere“ fungieren sollen, um sicherzustellen, dass auch ja genügend Nachkommen zur Verfügung stehen. Die „Männchen“ müssen unter diesem Joch der Unterdrückung leben, da sie es nicht besser wissen, doch für Korvis (Chuck Wagner) und seinen besten Freund Gruss (William Wallace) ergibt sich eine Chance, die sie ergreifen und schon bald in die Wildnis fliehen, um sich auf eigene Faust durchzuschlagen. Was sie dort draußen jedoch finden, haben sie nicht erwartet – eine Verbindung zur Vergangenheit.

In dem Dokumentarfilm Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films wird dieser Film als eine ihrer Produktionen erwähnt und um zu verdeutlichen, was einer der Stars, Laurene Landon, sowohl von dem Film als auch von den Produzenten Menahem Golan und Yoram Globus hält, nimmt sie ihre einzige existierende VHS-Kopie von America 3000 und setzt sie in Brand. Sie mag damit eine schlechte Zeit gehabt haben, doch gab es angesichts der Gütesiegel, die Cannon einige Jahrzehnte nach ihrer Blütezeit zusammengetragen hatten, etwa gar nichts, was der geneigte Liebhaber hier zu schätzen wissen konnte? Die Wahrheit ist, dass es eine lästige Pflicht darstellt, diesen Film durchsitzen zu müssen, doch liegt die Schuld dafür bei Regisseur David Englebach, der auch das Drehbuch schrieb? Schließlich schrieb er auch Over the Top und beschwerte sich später über das Ergebnis.

Es scheint, als hätte es nach der Produktion noch einiges an Bastelarbeit gegeben. Egal wie schlimm auch immer die Aufgabe gewesen sein muss, den Film zu drehen, kommt am deutlichsten in dem von Wallace gelieferten Voice-Over rüber, das sich anhört, als würde er eine Episode von Ein Duke kommt selten allein sprechen und kein postapokalyptisches Epos. Dafür gab es allerdings einen Grund: Engelbach wollte dafür sorgen, dass sein Mad Max 2 Rip-Off authentischer ausfallen würde, als all die anderen und ließ seine Besetzung ihre Zeilen deswegen im „futuristischen“ Slang abliefern – „Hot Scan, what I say!“ – sodass die Handlung meistens unverständlich bleibt. Gruss‘ Beobachtungen können ebenfalls nicht als Hilfe bezeichnet werden, denn auch er verfällt dieser verschlungenen Sprache, die bedeutungslos ist. Was man aber soweit erkennen kann, ist, dass es sich hier um grundlegende Science-Fiction-Szenarien zwischen Frauen und Männern handelt, wie sie in den fünfziger Jahren am populärsten waren.

Die „Feministinnen“ – oh Entschuldigung, die Frals sind also die Bösewichte und was sie brauchen um das Licht zu sehen und in Harmonie mit den verantwortlichen Männern zu leben, war ein verdammt guter Scherz, wie man sehen kann, wenn Korvis selbst die Anführerin der Damen (Landon) verführt und zwar in seinem kürzlich entdeckten Boudoir-Bunker. Wie er dorthin gelangt, stellt bereits eine ziemliche ordentliche Geschichte dar: Er wird mit einem Pfeil beschossen, der jedoch sein Herz verfehlt und in dem Bilderbuch für Kinder stecken bleibt, mit dessen Hilfe er zu sprechen gelernt hat. Daraufhin fällt er etwa fünfzig Meter tief in ein Loch, überlebt allerdings ohne einen einzigen Kratzer abzubekommen und findet dann den unterirdischen Kontrollraum des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Das ist natürlich ganz genau das, was sich ein Mann nur wünschen kann und so übernimmt er selbstverständlich diese Position, indem er einen goldenen Anti-Strahlen-Anzug anzieht, in dem seine Stimme ein Echo erzeugt, wenn er den Helm aufsetzt.

Es ist eben diese Art von Film, der in einer tristen israelischen Wüste gedreht wurde, in der Golan und Globus Western fertigten, bevor Science-Fiction begann das Low-Budget-Feld zu dominieren. Der Streifen wird noch zusätzlich durch die Anwesenheit eines Bigfoot belebt, der in regelmäßigen Abständen auftaucht und an die aus dem Nichts stammende Kreatur aus Der sechs Millionen Dollar Mann erinnert. Zählt man nun noch Korvis‘ Entdeckung eines (enorm langlebigen) Ghetto-Blasters hinzu, der generischen hair metal spielt, muss man zu der offensichtlichen Meinung kommen, dass die achtziger Jahre das schönste Jahrzehnt waren, trotz – oder vielleicht gerade wegen – des nuklearen Armageddon, der zumindest hier eine Niederlage für die Russen bedeutet. Es ist diese Art von kurzsichtiger Rücksicht auf aktuelle Ereignisse, die America 3000 definiert, das und die häufigen explosionsgefüllten Action-Sequenzen, die viele andere ähnliche potenzielle Geldspinner des Tages emulierten, jedoch nicht besser machten. Es bleibt die Tatsache, dass der Flick als tödlich dumm zu beschreiben ist und durch einen allgemeinen, nicht überzeugenden Hauch von „Äh, haha, Ihr habt nicht gedacht, dass wir es ernst meinen, oder?!“ untergraben wird. Der ideale Haftungsausschluss, wenn etwas schief geht.

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  • Darsteller: Chuck Wagner, Laurene Landon, William Wallace
  • Regisseur(e): David Engelbach
  • Format: Dolby, PAL
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: WME Entertainment Group
  • Spieldauer: 93 Minuten

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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