An den Galgen, Bastardo! / ¿Quién grita venganza? / I morti non si contano / Dead Men Don’t Count

Großgrundbesitzer Rodgers hat von einer geplanten Eisenbahnstrecke erfahren und versucht deshalb, sich mit Hilfe von Banditen das Land anderer Rancher unter den Nagel zu reißen. Die Rancher ihrerseits heuern zu ihrem Schutz die beiden Kopfgeldjäger Johnny und Fred an. Rodgers erkennt, dass es sich bei Johnny um den Sohn seiner ehemaligen Geliebten handelt, die er heiraten durfte, nachdem er ihren Mann aus dem Weg geschafft hatte. (Explosive Media)

Bei An den Galgen, Bastardo! handelt es sich um einen zuweilen recht harten Italo-Western mit 08/15 Plot, akzeptabler Kameraarbeit und professionellem Produktionsdesign. So gewöhnlich die Geschichte auch sein mag, sie wird sehr atmosphärisch präsentiert und bedient sich teilweise grausamer Gewalt, so wie z.B. als eine ganze Familie erschossen und/oder erhängt wird. Vollgepackt mit Action, spektakulären und blutigen Schießereien, Drama und hohem Body-Count erweist sich ¿Quién grita venganza? als doch recht kurzweiliges Exemplar des Genres. Dafür ist nicht zuletzt auch die hervorragende Schauspieler-Riege verantwortlich, denn mit Antonio Luis von Hohenholtz DeTeffè (Fred Dalton), Mark Damon (Johnny Dalton), Piero Lulli (Sheriff Bob Watson), Raf Baldassarre (Gregory Lassiter), María Martín (Mrs. Rogers), Luis Induni (Steve Rogers), Barta Barri (Forrest) und Dyanik Zurakowska (Elisabeth) ist dieser Chorizo-Spaghetti-Western mit altbekannten Gesichtern bestens besetzt.

Anthony Steffen und Mark Damon treten gegen Piero Lulli an und beide Parteien wiederum gegen Luis Induni und dessen Handlanger. Raf Baldassarre darf mal wieder den schleimigen, gefährlichen und grausamen Gesetzlosen mimen, was ihm, wie gewohnt, ziemlich gut gelingt. Steffen und Damon harmonieren prächtig und auch die übrigen Darsteller machen ihre Sache recht gut. Riz Ortolanis Musik sprüht nun nicht gerade vor Innovation, hat aber einen netten Hintergrund-Sound (der allerdings kaum variiert) und ein angenehmes Leitmotiv zu bieten. Rafael Romero Marchent führt professionell Regie, wobei er mit Nahaufnahmen, Zooms und choreographischen Duellen arbeitet und sich dabei von seiner besten Seite zeigt. An den Galgen, Bastardo! ist gerade noch im oberen Mittelfeld des Genres anzusiedeln. Die Story bietet zwar nicht sehr viel Neues aber die gelungene Inszenierung und die überdurchschnittlichen schauspielerischen Leistungen können das locker ausgleichen.

Das Bild wird uns im 16:9 – 2,35:1 (16:9 – 1.77:1) Format präsentiert und wurde sehr gut restauriert. In Bezug auf Farben und Schärfe ist hier und da mal eine kleine Schwäche zu erkennen aber grundsätzlich kann man mit der Bildqualität schon sehr zufrieden sein. Beim Ton (DD 2.0) weiß die VÖ dann erst recht zu punkten, denn mit der deutschen, englischen und italienischen sind gleich drei Spuren anwählbar, die sich auch alle gut hören lassen.

Die deutsche Synchronisation übertreibt es manchmal mit den Kalauern, was bei einigen Szenen unpassend wirkt und nicht sehr nahe am Drehbuch zu sein scheint, verliert sich glücklicherweise aber nicht darin. Das Bonusmaterial bilden ein Interview „Cowboy Johnny – Mark Damon and the Spaghetti Western“ (21:21 Min.) mit Mark Damon (der so manche Anekdote aus dem Verlauf seiner Karriere als Schauspieler und Produzent zum Besten gibt), die Original deutsche Kinofassung (78 Min.), verschiedene Kino-Trailer (USA, Spanien, Deutschland), ein spanischer Vorspann, eine Bildergalerie sowie ein Audiokommentar mit Leonhard Elias Lemke, Maximilian Scholz und Benedikt Wilken von Deep Red Radio.

Explosive Media bringt An den Galgen, Bastardo! in der komplett ungekürzten Fassung von brandneuem 4K-Master auf Blu-Ray und DVD heraus und leistet dabei, auch auf technischem Gebiet, recht gute Arbeit. Die Veröffentlichung wird in einem ansprechend gestalteten Mediabook ausgeliefert, das in zwei verschiedenen Covermotiven daherkommt. Das 40-seitige Booklet beinhaltet interessante Texte von Leonhard Elias Lemke („Die Toten zählt man nicht!“), Maximilian Scholz („Die Gebrüder Romero Marchant und ihr Wirken im Paella-Western: Einer nach dem anderen ohne Erbarmen“) und Benedikt Wilken („Von Revolverhelden, Royals und Erfolgsproduzenten: Anthony Steffen und Mark Damon“) sowie Einiges an Bildmaterial. Einen Plot hat der Streifen zwar kaum zu bieten, doch die Schauspieler, annehmbare Inszenierung und satte Action lassen diese Tatsache beinahe vergessen. Rafael Romero Marchent gelingt mit An den Galgen, Bastardo! ein leicht überdurchschnittlicher, doch recht unterhaltsamer, spanisch/italienisch Co-produzierter Western, der zu den besten Genrebeiträgen des Regisseurs zu zählen ist. Italo-Western Fans und Sammler kommen an dieser Edition mit Sicherheit nicht vorbei!

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  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 2.35:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur:‎ Marchent, Rafael Romero
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 30 Minuten
  • Darsteller:‎ Steffen, Anthony, Damon, Mark, Martin, Maria, Induni, Luis, Lulli, Piero
  • Sprachen: ‎Deutsch, Englisch, Italienisch
  • Untertitel: Deutch, Englisch
  • Studio: Explosive Media

Diese Edition sowie die Screenshots wurden uns freundlicherweise von Explosive Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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