Angst der Verlorenen / Fiend

Die Geschichte beginnt auf dem Friedhof. Eine übernatürliche Kraft, der Satan, nimmt Besitz von einem seit langem beerdigten Leichnam. Unter der Identität von Erich Longfellow treibt dieser sein Unwesen. Er saugt die Energie seiner Opfer in sich auf, um sich so am Leben zu erhalten. Die Morde in der Nachbarschaft häufen sich, bis ein misstrauischer Nachbar die Spur aufnimmt und auf dem alten Friedhof Nachforschungen anstellt. Er kommt hinter das Geheimnis von Longfellow und tritt nun den Beweis an, dass dieser nicht der Mann ist, der er zu sein vorgibt… (CMV-Laservision)

Autor und Regisseur Don Dohler genießt Kultstatus für seine begrenzte Filmografie, wird für seinen wilden unabhängigen Geist gerühmt und drehte beinahe drei Jahrzehnte lang SciFi- und Horrorfilme (bevor er 2006 verstarb). The Alien Factor von 1978 bescherte Dohler eine Karriere und festigte seine Liebe zu gruseligen Geschichten über außerirdische Invasionen, wobei das No-Budget-Unternehmen bei B-Movie-Liebhabern Aufmerksamkeit erregte. Dohler ließ seinem schäbigen Debüt 1980 Fiend folgen, der (wenn überhaupt möglich) noch weniger produziert aussieht, als sein vorheriges Werk. Er drehte das Feature buchstäblich in seinem eigenen Keller und versuchte aus dem angegebenen Budget von 6.000 US-Dollar einen anständigen Chiller zu kreieren. Angst der Verlorenen lässt The Alien Factor wie eine David Lean Produktion aussehen und hat nur das Nötigste an Regie-Finesse und Produktionswerten zu bieten. Dohler versucht mit seinem Drehbuch eine weitere spannende Begegnung zwischen den Welten zu generieren, doch ist daraus ein hauptsächlich gesprächiges Unterfangen geworden, das wenig Grusel und/oder Persönlichkeit zu bieten hat, während es droht in der Schlammgrube des lethargischen Geschichtenerzählens zu versinken.

Ein rot leuchtender Dämon durchquert Zeit sowie Raum und landet irgendwo in Maryland, um auf einem örtlichen Friedhof einen geeigneten Wirt zu finden. Die Kreatur wählt Erich Longfellow (Don Leifert) aus, reanimiert den Leichnam und mietet sich neben dem Ehepaar Gary (Richard Nelson) und Marsha Kender (Elaine White) ein, um es sich im feuchten sowie kühlen Keller des Hauses gemütlich zu machen. Irgendwie (es wird jedenfalls nicht im Entferntesten gezeigt oder erklärt, wie er das Ganze bewerkstelligt) eröffnet Longfellow eine Musikschule und nimmt sich sogar Zeit, um seiner (einzigen!?) Schülerin Helen Weiss (Debbie Vogel) Geige beizubringen und Dennis Frye (George Stover), seinen (einzigen!?) Angestellten, im Auge zu behalten. Um jedoch seine menschliche Gestalt beibehalten zu können, benötigt Longfellow Lebensessenz von unwilligen Opfern, also sucht er nach Unschuldigen, die er erwürgen kann, um ihnen auf diese Art und Weise ihre Energie zu entziehen. Während Longfellow versucht, bei seinen wöchentlichen „Fütterungen“ nicht aufzufallen, schöpft sein Nachbar Gary Verdacht und nimmt sich vor den seltsamen Mann etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Da er glaubt, dass der neue Nachbar eine Bedrohung für die Sicherheit der Gemeinde darstellt, beginnt er eine Reihe von Morden (die in der umliegenden Gegend stattgefunden haben) zu untersuchen.

Zu Beginn von Fiend bekommt der geneigte Zuschauer zunächst einmal eine kleine Erklärung darüber geboten, was es denn mit der im Titel enthaltenen Bedrohung (Fiend = Teufel bzw. Dämon) eigentlich auf sich hat. Die stellt nämlich eine Entität dar, die in Toten lebt und deren Körper verwendet, um sich zu tarnen und alle Arten von Unannehmlichkeiten zu verursachen. Das wiederum erfordert die Aufnahme von Lebenskraft anderer Lebewesen, um seine menschliche Hülle „frisch“ zu halten sowie seine Mission (die aus was besteht!?) fortzuführen. Warum ein solches Wesen gerade den kleinen Ort Kingsville in Maryland wählen würde, um sich dort „häuslich“ einzurichten bzw. niederzulassen, wird nicht klar definiert, doch Dohler glaubt an die filmische Atmosphäre seiner Nachbarschaft, da sich die meisten Aktionen in seinem Haus und dem Wendehammer (der die Retro-Ansicht von Kindern bietet, die draußen miteinander herumtollen) davor abspielen. Longfellow passt überhaupt nicht zu den Einheimischen (seine Verkörperung des Bösen ist viel zu offensichtlich), doch Dohler scheint das egal zu sein, indem er versucht mit Longfellows Auftauchen in der Nachbarschaft Spannung zu erzeugen, da der Charakter tagsüber als Geschäftsinhaber auftritt und des Nachts (!?) zum Serienmörder mutiert (Nachtaufnahmen waren für diese Produktion jedoch zu teuer, weswegen es keine Morde in der Dunkelheit zu „bestaunen“ gibt).

Longfellow stellt ein regelrechtes Ärgernis dar, das versucht seine menschliche Fassade als Geigenlehrer und Geschäftsinhaber aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig errichtet er im Keller einen Altar für seine Morde und bewahrt ein Messer in einer Kiste auf mit dem er Fotos seiner Opfer zerschneidet. Fiend präsentiert viele Morde, wobei Longfellow mit seinem Super-Spaceman-Griff leicht überforderten Einheimischen nachjagt und es während des Films sogar schafft ein Kind zu erwürgen (was glücklicherweise off-screen stattfindet), wobei Dohler versucht die Absurdität seines Films zu dämpfen, indem er ihn auf ernüchternde Art und Weise mit reiner Grausamkeit anreichert. Selbstverständlich erweisen sich Regienuancen nicht als seine Sache (er besetzt doch tatsächlich zwei Schauspieler mit identischen Haaren, Koteletten und Schnurrbärten, um die Hauptrollen zu spielen), wobei Dohler seine Mängel im Film sehr gerne mit dem Publikum teilt. Diese bestehen nämlich in erster Linie aus detailliert banalen Gesprächen zwischen Gary und Marsha, deren stumpfsinniges, eheliches Zusammenspiel vom Regisseur am meisten geschätzt wird. Trotz einiger makaberer Absichten verkommt der Flick recht schnell zu einem Langweiler, der mit Longfellows Bedrohung und Garys Reizbarkeit nicht viel anfangen kann, weswegen er Gary zu einem Detektiv werden lässt, nachdem er den Nachbarn in seiner wahren Form (vor der Auffrischung) erblickt hat. Und mit Detektiv ist ein wahrer Meisterdetektiv gemeint, der es doch tatsächlich zu Stande bringt, etwas Zeit in Longfellows enorm belastender Mörderhöhle im Keller zu verbringen, um dort nichts zu finden, worüber er sich Sorgen machen müsste.

Angst der Verlorenen besteht aus Diskussionen und langen Stalking-Sequenzen, während Dohlers Können als Regisseur mit dem des frühen John Waters übereinstimmt, da er ins Schwitzen kommt, wenn es um Aufregung und/oder Spannung geht, wobei er als Handwerker sehr wenige Fähig- bzw. Fertigkeiten an den Tag legt. The Alien Factor stellt zwar ebenfalls ein „nur“ kleines Werk dar, doch floss hier wenigstens ein gewisses Maß an Ehrgeiz ein, um ein Gefühl von Maßstab zu erreichen. Fiend hält sich in Kellern, Wohnzimmern und herbstlichen Wäldern auf, während Science-Fiction-Elemente unterentwickelt bleiben und aufblitzende Schrecken schlecht gehandhabt werden. Leider ist dieses Werk bestenfalls als schwach zu bezeichnen.

CMV-Laservision bringt Angst der Verlorenen als Nr. 02/164 ihrer The NEW! Trash Collection in einer tollen DVD / Blu-Ray Combo Veröffentlichung heraus, die in einer roten Keep-Case-Doppelbox mit Wendecover erscheint. Auf der einen Seite das modernisierte The NEW! Trash Collection Design inkl. neuer Nummerierung, auf der Wendeseite das klassische Trash Collection Design inkl. fortlaufender Nummer. Neue Titel reihen sich damit nahtlos in die bisherige Nummerierung ein. Diese Edition ist limitiert und auf 333 Stück durchnummeriert! Das Bild wird uns im 1,33:1 (1080p / 4:3) Format präsentiert und lässt nur wenig Raum zum Meckern. Der Ton bietet mit der deutschen und englischen zwei Spuren (DD 2.0), die angenehm zu hören sind (wobei die dt. Spur etwas besser wegkommt). Hierfür können keine deutschen Untertitel zugeschaltet werden.

Bonusmaterial:
– Audiokommentar von Darsteller George Stover and Kamermann Richard Geiwitz
– Interviews mit den Beteiligten
– Blooper
– Kurzfilme: “Mr. Clay”, “Pursued”, “Horrors from the ID” und “To Die…Or Not To Die
– umfangreiche Bildergalerie
– Programmtrailer
– animierte interaktive Menüs

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  • Seitenverhältnis: 4:3 – 1.33:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 18 Jahren
  • Regisseur: Dohler, Dohn
  • Laufzeit: 1 Stunde und 33 Minuten
  • Darsteller: ‎Leifert, Don, Nelson, Richard, White, Elaine, Stover, George, Dohler, Greg
  • Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio:‎ CMV-Laservision

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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