As Tears Go By

As tears go by

As Tears Go By ist ein Gangsterdrama von Wong Kar-Wai aus dem Jahr 1988.

Der Film handelt von Wah (Andy Lau), einem Schläger, der zusammen mit seinem Kumpel Fly (Jacky Cheung) Schutzgelder erpresst und Kowloon sicherer bzw. unsicher macht. Wah ist entschlossen, brutal und durchsetzungsfähig (und auch respektiert), während Fly impulsiv, unsicher und nicht für voll genommen wird. Fly gerät daher ständig in Schwierigkeiten und Wah muss ihn wahlweise in Schutz nehmen, die Haut retten oder wo rausboxen. Der Pate ist dessen ständige Rangelei mit dem Ganoven Tony (Alex Man) ebenso satt wie Wah, aber was soll er tun, er muss dem armen Kerl halt ständig beispringen. Als Ngor (Maggie Cheung) auftaucht und bei ihm einige Nächte verbringt um in der Stadt einen Arzt aufzusuchen, verändert sich Wahs Leben radikal. Diese Tochter einer entfernten Verwandten wohnt in Nantau und die beiden Verlieben sich. Während er sich also mehr und mehr zu ihr hingezogen fühlt, reitet sich Fly in seinem Streit mit Tony immer tiefer hinein und will sich in den Augen der Organisation beweisen…

As tears go by

Der vielleicht etwas an Filme wie Mean Streets von Martin Scorsese angelehnte Film ist ein im Vergleich zu seinen bekannteren Romanzen etwas früherer, weniger rund geschliffener, Gangsterfilm von Wong. Ungeschliffener einerseits weil er sich mehr als seine späteren Filme in ein Gangstergenre einordnen lässt, das so auch von jemandem wie Ringo Lam mit Chow Yun-Fat hätte verfilmt werden können. Strassengangster, Schlägereien, Knarren, Hektik, dumme Kids die Dummes tun. Andererseits weil seine Handwerkskunst hier noch weniger poetisch anmutet, das liegt vielleicht auch daran dass hier statt seinem späteren Sellenverwandten Christopher Doyle noch Andrew Lau (aka Lau Wai-Keung) hinter der Kamera stand.

Sehr schön ist allerdings die Chemie zwischen Andy Lau und Maggie Cheung, doch als Zuschauer ist man einfach permanent im Krisenmodus weil man ohnmächtig dabei zusehen muss, wie deren potentielles Liebesglück gefährdet wird von dem Unfug von Fly, gespielt von dem sehr gut gelaunten Jacky Cheung. Die Wah-Fly Beziehung schließlich ist es auch, die diesen Film dominiert, was leider Maggie Cheungs Ngor teilweise zur Randfigur verkommen lässt. Kurzum, Wong Kar-Wai zeigt in seinem Regie-Frühwerk zwar schon Vorboten seiner späteren Foci und Stilelemente, hat aber das 80s Hong Kong Gangster Genre hier noch nicht abgestreift, auf das sich der Film stützt.

As tears go by

Zentrales Thema von As Tears Go By ist die Suche nach Anerkennung. So nervig es für die Zuschauenden ist, Fly wird nie das haben was sein „großer Bruder“ hat, doch er will aus seinem Schatten treten und Anerkennung haben, sich beweisen, zeigen dass er auch zu etwas gut ist. In bester Hong-Kong-Film-Manier letztlich ist es Wah dem nichts anderes übrig bleibt, als bis zum eigenen Verderben diesen Tollpatsch auf sich zu nehmen und das Unheil das er stiftet. Das tragische an dem Film ist letztlich aber weniger das unausweichliche Ende von Flys vergeblichen Mühen, sondern den Preis den Wah dafür zahlt, der eigentlich einem anderen Leben und seiner wahren Liebe so nah ist bzw. wäre.

Wong zeigt mit diesem Film dass es auch ohne Schießereien und Slow-Motion mit weißen Tauben geht, ohne gänzlich den Eckpfeilern des HK Crime Genres den Rücken zuzuwenden. Aber er geht kreativ mit den Prämissen des Genres um und spielt mit den Erwartungen der Audience indem er eine zum scheitern verurteilte Liebesgeschichte mit einem Genretypsichen Bruderkonflikt verbindet. Auch wenn seine quasi patentierten Stilmittel in seinem Regiedebut noch nicht voll ausgespielt werden, so traut er sich doch, seine ganz eigene Bild- und Erzählsprache anzuwenden um einen ganz besonderen Film zu schaffen. Es war mir eine Freude in so wieder zu erleben und es ist schön dass man ihn in solch restaurierter Version wieder genießen kann.

As tears go by

Mehr Wong Kar-Wai bei Nischenkino:

Die 4K UltraHD-BluRay bietet beim Ton lediglich eine LPCM 2.0 mono Spur (gleiches auch für die deutsche Synchronfassung, nicht getestest). Die klingt sehr odentlich und bietet kein Raum für Jammern, auch wenn ich noch verwöhnt war von dem 5.1 Upmix den die Scheibe von Days of Being Wild bietet. Action und Dialoge klingen völlig in Ordnung und klingen dynamisch genug um eine Raumpräsenz zu entfalten.

Das Bild sieht auch hervorragend aus mal wieder. Zwar merkt man dem Film ein wenig sein Alter an und das letzte Bisschen Rasiermesserschärfe vermisst man in einigen Szenen, aber so sieht es doch einfach fabelhaft aus, mit satten Farben und Kontrasten. Ein Grünstich, bei Restaurationen aus dem Hause Criterion oft ein Kritikpunkt, ist zwar durchaus erkennbar, allerdings nicht enorm und auch nicht permanent. Der Film bedient sich diverser Stilmittel, damit ist übrigens auch nicht jede etwas gröbere Aufnahme ein Problem mit der BluRay. Jedenfalls kommen die Neonlichter voll zur Geltung ebenso wie die Tränen auf Maggies Gesicht.

Besonders viele Extras sind hier nicht dabei. Da wäre einmal ein alternatives Ende (2:30, schelchte Qualität) mit alternativen Einstellungen, das sich aber inhaltlich kaum vom tatsächlichen Ende unterscheidet. Hinzu kommt das alternativesHappy End (2:15, noch schlechtere Qualität), dieses scheint anzudeuten, dass er überlebt und im Knast landet, mit einer Montage aus Rückblenden. Ziemlich kitischig, vermutlich für den TV oder Heimkinomarkt entwickelt. Dann gibt es noch den Originaltrailer in einer Kanton und einer Mandarin Variante.

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As Tears Go By BluRay 4K
Die UHD wurde uns zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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