Assassination (Am-sal 암살)

Assassination (암살) war in Südkorea 2015 der größte Kassenschlager und gilt als einer der finanziell erfolgreichsten koreanischen Filme aller Zeiten. Wie ich vor einigen Wochen schon bemängelt hatte, lief das zweistündige Epos hierzulande leider nie im Kino. Eine Frechheit und Schande für den deutschen Kinoverleih, wie so oft. Da ich die BluRay nicht habe, sah ich den Film kurzerhand auf Netflix (USA Katalog), und bin ziemlich begeistert. Wenn auch mit einigen Abstrichen.

Assassination spielt während der japanischen Besatzung Koreas in den 1930ern. Der bewaffnete Widerstand plant einen Anschlag auf ranghohe japanische Offiziere und koreanische Kollaborateure in Seoul. Der Agent Yeom Sek-jin (Jung-jae Lee) soll ein Geheimkommando unter der Führung der Scharfschützin Ahn Ok-yun (Ji-hyun Jun aka Gianna Jun) zusammenstellen. Zusammen mit Hwang Deok-Sam aka „Big Gun“ (Duk-moon Choi) und Sok-sapo (Jin-woong Cho) infiltriert sie die Zielgegend und bereiten das Attentat vor. Schon bei den Vorbereitungen merken sie, dass der mysteriöse Auftragskiller Hawaii Pistol (Jung-woo Ha) mit seinem Gefährten Young-gam (Dal-su Oh) ebenso in der Gegend aktiv ist, deren Hintergründe ihnen erst später klar wird, und als dann Verbündete sterben wird klar, dass es einen Verräter in den eigenen Reihen gibt. Während Hawaii Pistol sich als dekorierter Militär ausgibt und von einem rein finanziell motivierten Auftrag abrückt, wird Ok-yun von ihrer Vergangenheit eingeholt….

Assassination

Regisseur Choi Dong-hoon (The Thieves) schuf mit Assassination ein bildgewaltiges Historienepos mit großartigen Popcorn-Qualitäten. Wie viele zeitgenössische Filme aus Korea ist auch dieser hier sehr überladen, wenn auch nicht so wie damals My Way, der vier Kriegsfilme in einem vereinte. Einen anderen international sehr erfolgreichen koreanischen Kassenschlager, The Good, The Bad and the Weird, habe ich leider noch nicht gesehen. Ich gelobe Besserung und hole das sobald möglich nach.

Zur geschichtlichen Einordnung: Assassination zeigt eines der dunkelsten Kapitel der asiatischen Geschichte aus Perspektive des zersplitterten koreanischen Widerstands gegen die japanischen Besatzer. Dieser hatte sich damals noch lange aus Rückzugsorten in der Mandschurei genährt, aber konnte die Besatzung des japanischen Imperiums nie brechen. Somit kam die anschließende Aufarbeitung der Geschehnisse erst nach der bedingungslosen Kapitulation Japans in Gange. Da diese aber nicht die Befreiung des Landes sondern eine Besatzung durch die Siegermächte UdSSR (im Norden) und USA (im Süden) bedeutete, zog ein neuer Konflikt herauf, und der kalte Krieg führte schließlich zum Zerwürfnis zwischen Norden und Süden. 1950 brach der Koreakrieg aus, der formell noch bis heute andauert (mehr).

Assassination

Im Vorfeld wurde stark kritisiert, dass das Drehbuch zu viele Charaktere und Erzählfäden ein einen Film stopft, was anfangs verwirrt, und dem Film letztendlich etwas Dynamik kostet, sowie letztlich eben auch zu der langen Spielzeit führt. Der etwas ähnliche Hong Kong Film Lust, Caution ist da deutlich straffer, aber ich muss sagen man hätte Assassination auch kürzer machen können, ohne Charaktere zu streichen, es wird einfach zu viel Zeit verschwendet am Anfang alles ellenlang auszubreiten. Lang ist der Film allemal, wobei er so spannend und unterhaltsam ist, dass die Zeit flugs vergeht. Ich bin mir nicht mehr sicher wo ich es gelesen hatte, aber ein Kritiker meinte auch, dass es sich hier um die Art überladene Megaproduktion handelt, die Hollywood sich kaum mehr traut zu machen. Südkorea hat geschafft, woran andere Länder, inklusive Deutschland zu einem gewissen Grad, noch scheitern, nämlich hat das Land eine fabelhafte Filmindustrie aufgebaut, die herausragende Vielfalt, Qualität und kreative Freiheit ermöglicht. Erstklassige Horrorfilme, quirlige Independents, intellektuelle Dramen und eben auch Mega-Blockbuster, die im Gegensatz zur Konkurrenz aus China nicht dusselige, mit CGI vollgestopfte Werbeclips sind.

Assassination

Assassination glänzt vor allem bei der Optik. Großartige und opulente zeitgenössische Sets, ob Seoul, Shanghai oder ländliche Gegenden, der Film ist eine Zeitreise, die angenehmer Weise mit einem sehr geringem Maß an Computereffekten auskommt. Die großartige Kameraarbeit lässt viele Szenen wie Gemälde wirken, und die meisterhaft choreografierten Actionsequenzen tragen ihren Teil dazu bei, dass der Film in erster Linie eine visuelle Pracht ist. Aber die Magie entsteht letztendlich durch die Besetzung. Bis in die Nebenrollen ist der Film mit der Creme de la Creme des koreanischen Kinos besetzt (ja es fehlen auch viele bekannte Gesichter), und man hat zu jeder Minute das Gefühlt, mitten drin zu stecken in dieser fesselnden Story. Vor allem Gianna Jun (My Sassy Girl) glänzt. Die vielen Wendungen und parallelen Hintergründe machen den Film vor allem in der ersten dreiviertel Stunde sehr schwer zu folgen, vor allem weil man als westlicher Zuschauer in dem Wirrwarr an koreanischen Namen durchaus den Überblick verlieren kann. Einmal durchgestiegen, breitet sich Assassination als unglaublich spannender Thriller aus, der Familiendrama, Spionagegeschichte, Attentatsthriller, Kriegsaction und Historienfilm miteinander vereint.

Assassination

Was dem Film deutlich an Qualität nimmt hingegen, ist die größtenteils recht schlechte musikalische Untermalung, die wie bei vielen Filmen aus Asien neuerdings eher so klingt wie aus der Konserve. Hochwertige Filmmusik zu komponieren hält man wohl für unwichtig, das kostet dem Film leider deutlich. Außerdem ist der Mix oft unpassend. In Herzschlag-stoppenden Momenten, von denen der Film einige zu bieten hat, sollte eigentlich außer tösendem Kugelhagel nichts zu hören sein, statt dessen hört man viel Fahrstuhlmusik und Gewehrfeuer-Sound aus der Tonbibliothek. Hier hat man von Hollywood noch nicht so viel gelernt, während visuell alles richtig gemacht wurde. Auch das scheint seltsamerweise stellvertretend für das asiatische Kino derzeit: erstklassige Visuals, miserable Musik und Tonmischung.

Assassination

Von dem Regisseur wird man nach dem Erfolg noch viel hören, und mir persönlich hat der Film zum einen Neugierde geweckt, noch mehr über die koreanische Vorkriegsgeschichte zu lernen, und außerdem wieder mehr koreanisches Kino zu konsumieren. Da war ich früher schon einmal besser. Assassination zeigt, dass man opulente Blockbuster machen kann ohne auf Blödeleien oder nerviges CGI zu setzen. Der Film war ohne Frage sehr teuer, und seine Schwachstellen könnten durchaus Resultat des kommerziellen Dranges sein, aber wer asiatisches Kino kennt weiß, dass Extreme relativ sind.

Wie eingangs erwähnt gibt es den Film schon auf BluRay, und ich empfehle ihn ganzen Herzens. Ja es ist ein überlanger Blockbuster, mit viel zu vielen Charakteren und Wendungen, sowie mittelmäßiger Musik. Aber es ist spannendes koreanisches Epos-Kino, mit grandiosen Schauspielern, erstklassigem Productiondesign, brillianten Aufnahmen und einer fesselnden Story.

Hier ein Trailer:

Die Bluray gibt es seit Ende Januar: Jetzt bei Amazon kaufen

assassination bluray

Vielen Dank an das Asia Movie wiki, das mir bei der Enträtselung der diversen koreanischen Charakter- und Schauspielernamen im Nachhinein eine große Hilfe war. Hier noch Screenshots:

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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