Atlantis Inferno / I predatori di Atlantide

Auf dem Grund der Karibik liegt ein gesunkenes russisches Atom-U-Boot, von dem radioaktive Strahlung ausgeht. Diese verursacht das Wiederauftauchen des legendären Kontinents Atlantis. Unglücklicherweise entpuppen sich dessen Bewohner als feindlich gesinnt. Ihrem zerstörerischen Rückeroberungskrieg stellt sich ein Team aus Wissenschaftlern und Vietnamveteranen entgegen. Aufgabe ist es nun, das Geheimnis der mystischen Rasse zu enträtseln und so ihre Macht zu brechen. (KSM GmbH)

Atlantis Inferno ist in vielerlei Hinsicht der perfekte Film, um ihn mit einer Gruppe sarkastischer und freimütiger Freunde anzusehen. Der Streifen steckt voller Action, bietet viel an übertriebenem Melodrama, das Tempo ist unerbittlich und der Film weigert sich so sehr, einer narrativen Logik zu folgen, dass man nicht anders kann, als seine trotzige Seele zu respektieren. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, wie gewalttätig dieser Film sein kann. Nach den Maßstäben italienischer Exploitation ist I predatori di Atlantide eigentlich als eher zahm zu bezeichnen, doch es gibt trotzdem etliche Sequenzen zu sehen, in den Menschen auf verschieden verstörend grafische Arten sterben. Sie werden in Brand gesetzt, ins Gesicht geschossen, eine unglückliche Frau bekommt einen Pfeil in den Nacken, Köpfe rollen buchstäblich.

The Raiders of Atlantis erzählt die Geschichte dessen, was passiert, wenn eine Gruppe von Wissenschaftlern auf einer Bohrinsel versehentlich veranlasst, dass sich der verloren geglaubte Kontinent Atlantis aus dem Ozean erhebt. Eine karibische Insel wird von einer Armee stark geschminkter, Motorrad fahrender, Mohawk-tragender Interceptors erobert, die behaupten, die Nachkommen der Ureinwohner von Atlantis zu sein. Unter der Führung des bösen Crystal Skull (Bruce Baron) sind die Interceptors entschlossen, jeden zu töten, in dessen Adern kein atlantisches Blut fließt. Wenn sie nicht gerade nach dem Zufallsprinzip morden, suchen sie nach einem Artefakt, das … nun, um ehrlich zu sein, kann man sich nicht sicher sein warum sie dieses Artefakt unbedingt finden wollen, aber sie sind enorm entschlossen dazu. Wer kann die Interceptors aufhalten? Wie wäre es mit Mike (Christopher Connelly) und Washington (Tony King)? Zwei Söldnern, die gerade in der Nähe waren, als der Kontinent Atlantis aus dem Ozean empor stieg. Zusammen mit einer Gruppe von Wissenschaftlern, einem entkommenen Sträfling und einem Glatzkopf im Smoking liegt es nun an Mike und Washington, die Welt zu retten! (Washington ist übrigens gerade zum Islam konvertiert und verbringt den größten Teil des Films damit, von Mike zu verlangen ihn bei seinem neuen Namen Mohammad zu nennen. Diese Nebenhandlung würde vermutlich wegfallen, wenn der Film heute neu gedreht werden sollte!?)

Wie bereits erwähnt, macht Atlantis Inferno absolut keinen Sinn, doch das macht tatsächlich einen Großteil des Films Charme aus. Hier handelt es sich um einen dieser unerbittlichen Actionfilme, die es vermuten lassen, dass der Plot im Laufe des Drehs weitergesponnen wurde. Es ist sehr erstaunlich sowie erfreulich zu sehen, wie viele Filme The Raiders of Atlantis in nur 98 Minuten imitieren kann, wobei man schon bald äußerst dankbar ist, dass der Film keine Zeit damit verschwendet sich selbst zu rechtfertigen. Der Streifen mag auf traditionelle Art und Weise nicht als „gut“ eingestuft werden können, er ist jedoch als extravagant schlecht zu bezeichnen, was eventuell sogar als noch besser angesehen werden kann. Vielleicht muss man auch ganz einfach ein Fan des italienischen Exploitation-Kinos sein, um diese Flicks wirklich verstehen zu können. Apropos, hat man überhaupt irgendeine Erfahrung mit italienischer Exploitation gemacht, so sollte man in der Lage sein die Hälfte der Besetzung von I predatori di Atlantide sofort zuerkennen. Möglicherweise weiß man nicht, um welche Namen es sich handelt, da diese Schauspieler häufig ihre amerikanischen Künstlernamen von Film zu Film geändert haben. Doch die Gesichter wird man auf jeden Fall erkennen, wobei einer der erfreulichsten Aspekte von Atlantis Inferno ist, dass man all diese bekannten Gesichter zusammen in einem Film zu sehen bekommt.

Zum Beispiel sollte man Christopher Connelly aus Lucio Fulcis unglückseligem Manhattan Baby (Amulett des Bösen), Enzo G. Castellaris 1990: I guerrieri del Bronx (The Riffs – Die Gewalt sind wir, beide 1982), Nello Rossatis Django 2 – Il grande ritorno (Djangos Rückkehr) oder Bruno Matteis Strike Commando (Cobra Force, beide 1987) kennen. Tony King gab unvergessliche Vorstellungen in L’ultimo cacciatore (Jäger der Apokalypse) und Apocalypse domani (Asphalt-Kannibalen, beide 1980). Die weitere Besetzung umfasst auch Hauptstützen vom Giallo und Italo-Western, George Hilton (Mio caro assassino, 1972 und Il momento di uccidere / Django – Ein Sarg voll Blut, 1968) und Ivan Rassimov (Lo strano vizio della signora Wardh / Der Killer von Wien, 1971 und Cjamango / Django – Kreuze im blutigen Sand, 1967) sowie dem philippinischen Z-Movie-Veteranen Mike Monty (Casa d’appuntamento / Das Auge des Bösen, 1972 und Giù la testa… hombre / Ich will Deinen Kopf, 1971, bei beiden Filmen nicht im Abspann aufgeführt).

Stefano Mingardo, der in einer Handvoll gewalttätiger Actionfilme mitmischte (Der Bomber, 1982 und Blastfighter – Der Exekutor, 1984), taucht als entkommener Sträfling auf und belebt jede Szene, in der er auftritt. Sogar Michele Soavi (La casa con la scala nel buio / Das Haus mit dem dunklen Keller, 1983 und Opera / Terror in der Oper, 1987, nicht im Abspann aufgeführt) spielt eine kleine Rolle, Jahre bevor er den brillanten Dellamorte Dellamore (1994) inszenieren würde. Leider ist George Eastman nirgends zu finden, The Raiders of Atlantis ist jedoch schon allein wegen der Besetzung sehenswert. Atlantis Inferno wurde von Ruggero Deodato inszeniert, den man am ehesten aufgrund seiner kontroversen Filme wie Cannibal Holocaust (Nackt und zerfleischt) und La casa sperduta nel parco (Der Schlitzer, beide 1980) kennen dürfte. Wobei sich Atlantis Inferno bei weitem nicht so extrem gestaltet, wie diese beiden Filme.

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  • Darsteller: Gioia Scola, Tony King, Stefano Mingardo, Christopher Connelly, Gianni Franco
  • Regisseur(e): Ruggero Deodato
  • Format: Dolby, PAL, Vollbild, Untertitelt
  • Sprache: Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region 2
  • Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: KSM GmbH
  • Produktionsjahr: 1983
  • Spieldauer: 88 Minuten

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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