Auf die Knie, Django / Black Jack

Banditenboss Django, im Original Black Jack Murphy, lebt mit seiner Schwester und deren Mann in einer „Geisterstadt.“ Der Überfall auf die Bank in Tucsa City soll der letzte sein, danach will er sein Leben ändern. Er verläuft wie geplant, aber die Bande versucht, Django übers Ohr zu hauen. Doch Django ist cleverer und macht sich mit dem ganzen Geld davon. Der Indianer Joe verrät ihn jedoch und führt die Bande in die Geisterstadt, wo sie sich das Geld holen, Jack foltern und seine Schwester vergewaltigen und töten. Von da an ist Django, der zum Krüppel wurde, von Rache besessen … (Colosseo Films)

Alles in allem handelt es sich bei Black Jack um eine ziemlich standardisierte Handlung, die sich auf Rache bezieht und während des Zyklus in der einen oder anderen Variante in unzähligen Spaghetti-Western Verwendung fand. Der zentrale Protagonist, getrieben von bitterem Bedürfnis nach Vergeltung, verfolgt und bestraft diejenigen, die sein Gold gestohlen und seine Familie ermordet haben usw. usw. Solch ein gängiges Thema kratzt schon am Klischee, doch ab und zu kommt ein Film daher, der den ausgetretenen Pfaden zwar scheinbar folgt, dem Publikum dann jedoch etwas leicht abgeändertes präsentiert, sich dadurch von der Masse abhebt und zu einem wirklich einprägsamen Einstieg in das Genre wird. Black Jack ist so ein Film.

Die Karriere von Gianfranco Baldanello ist nicht gerade mit Meisterwerken gespickt. Nachdem er als Regieassistent an einer Reihe von Peplums und Piratenfilmen, vor allem unter Luigi Capuano, gearbeitet hatte, übernahm er 1965 den Regiestuhl, um 30 Winchester für El Diablo zu drehen. In den nächsten zehn Jahren versuchte er sich in mehreren Genres, darunter Spionagefilme und Komödien, arbeitete aber hauptsächlich im Bereich des Western. Black Jack, der im Boomjahr 1968 veröffentlicht wurde, ist wahrscheinlich die Krönung seiner Karriere. Auf den ersten Blick scheint es hier nichts zu geben, was darauf schließen lässt, dass mit diesem Film viel erreicht werden könnte. Eine Besetzung von Darstellern und Stuntmännern der unteren Klasse, ein offensichtlich begrenztes Budget und die zuvor erwähnte Richtung zum Klischee muten nicht gerade inspirierend an. Doch zu seiner Ehre machte Baldanello das Beste aus dem, was er hatte, und fertigte aus diesen bescheidenen Bestandteilen einen ausgezeichneten Film an. Auch Drehbuchautor Luigi Ambrosini gebührt etwas Lob, denn er kreierte eine Geschichte zum Thema Rache, die weitaus weniger vorhersehbar ist, als in solchen Filmen üblich. Sein zentraler Protagonist Black Jack Murphy repräsentiert alles andere als einen eindimensionalen Charakter, wobei Jacks Reise in die Obsession, den Erfolg des Films ausmacht.

Jack, der in den Eröffnungsszenen des Films als cleverer, beinahe höflicher Anti-Held-Typ auftritt, verwandelt sich durch den Verrat seiner Bande in ein bitteres Individuum, das sowohl körperlich als auch emotional abartig und verkrüppelt ist. Alles andere in seinem Leben verliert er aus den Augen (z. B. seine hingebungsvolle Freundin) und verfolgt die Rache bis zum Wahnsinn. Nachdem Jack in einer besonders brutalen Szene in beide Beine geschossen und in die Hand gestochen wurde, machen ihn seine körperlichen Beeinträchtigungen nun auch noch zu einem behinderten Protagonisten, was für einen Western recht ungewöhnlich war. Seine Gehbehinderung und die Unfähigkeit, eine Handfeuerwaffe zu benutzen, führen dazu, dass er seine Feinde mit Mitteln besiegen muss, zu denen sich ein gewöhnlicher Rache-Held normalerweise nicht hinreißen lässt. Letztendlich stellt die Rache an seinen Feinden überhaupt gar keine Heldentaten dar. Tatsächlich wirkt Jack, mit seinem verqueren physischen Erscheinungsbild, seiner unnachgiebigen Bitterkeit und kaltblütigem Planen, beinahe wie eine Abwandlung von Richard III.; seine körperliche Deformität spiegelte seine ebenso entstellte Psyche wider.

Robert Woods spielt die Rolle des Jack Murphy wirklich gut. Für einen Schauspieler, der während seiner Karriere selten De-Niro-ähnliche Qualitäten zeigte, trägt er die Dualität von Jacks Charackter sehr effektiv und zeigt, dass er mit dem richtigen Material mehr zustande bringen kann, als nur einen Hut zu tragen. Es gibt zwar Momente, die nicht so gut gelungen sind, Jacks manisches Lachen kommt zum Beispiel ein wenig übertrieben rüber, doch im Großen und Ganzen können die Sequenzen von „Overacting“ der melodramatischen Natur der Geschichte und des Genres als angemessen erachtet werden. Auf die Knie, Django ist weit davon entfernt, ein Meisterwerk zu sein, jedoch besitzt der Film über genügend Qualitäten, die ihn äußerst genießbar machen und zu einem Geheimtipp des Genres werden lassen. Die gut durchdachte Wendung zum Thema Rache, der psychische Knacks im Charakter des Protagonisten und die geschickte Mischung aus Action und Melodrama heben Black Jack von der Masse ab. Die Musik von Lallo Gori, die auch in unzähligen Demofilo Fidani „Epen“ recycelt wurde, funktioniert ebenso gut, wie die Wahl der Drehorte. Ach ja, Mimmo Palmara bleibt einem als Indianer Joe mit Sicherheit in Erinnerung!

Colosseo präsentiert den Film erstmals als restaurierte High Definition Neuabtastung, die wirklich sehr gut gelungen ist. Das Bild (1.66:1) sieht super aus und gibt keinen Anlass zum Meckern. Es ist klar, die Farben froh und der Kontrast ordentlich. Auch Bildschäden konnten so gut wie komplett entfernt werden. Beim Ton liegen mit der deutschen, englischen und italienischen drei Spuren vor. Alle werden im PCM 2.0 Format präsentiert und klingen recht gut, allerdings werden sie den HD Erwartungen nicht ganz gerecht. Dennoch gibt es hier höchstens minimale Unterschiede im Klang zu erkennen aber auch nur, wenn man sehr genau hinhört. Für Freunde des italienischen Originaltons sind deutsche Untertitel anwählbar. Die Extras bestehen aus den italienischen und deutschen Kinotrailern, einer Fotogalerie mit seltenem Bildmaterial und einem 16-seitigem Booklet verfasst von unserem Autorenfreund Frank Faltin von Italo-Cinema. Neben einer Menge Informationen über Film, Regisseur und Schauspieler wartet das wunderbar designte Booklet mit einer Fülle an Bildern auf. Auf der Bonus DVD ist außerdem die deutsche gekürzte Kinofassung enthalten. Die Scheiben werden in einem sehr ansprechend gestalteten Pappschuber ausgeliefert, der in keinem Sammlerregal fehlen darf. Glücklicherweise ist das FSK-Logo nicht, wie auf den Bildern zu sehen, direkt auf den Schuber gedruckt und auch ein Wendecover wurde nicht vergessen.

Colosseo Films ist eine klasse Veröffentlichung eines wirklich ungewöhnlichen und unterhaltsamen Italo-Western geglückt. Der Film wurde neu abgetastet und im deutschsprachigen Raum zum ersten Mal auf BluRay herausgebracht. Vom technischen Standpunkt aus kann man sehr zufrieden sein, während der Film auch mindestens in die Top 50 der besten Spaghetti-Western gehört. Schon alleine die mit sehr viel Liebe zum Detail ausgestattete Aufmachung des Pappschubers und des Booklets ist eine Menge Lob wert. Hier merkt man, dass wahre Liebhaber ihre Finger mit im Spiel haben. Abschließend bleibt festzuhalten, dass kein Spaghetti-Western Fan oder gar Sammler an dieser Veröffentlichung vorbeikommt. Der Film ist bisher in noch keiner besseren Verfassung erhältlich gewesen und wird es vermutlich in Zukunft auch nicht sein. Hier kann man nicht anders, als eine unbedingte Kaufempfehlung auszusprechen.

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Darsteller: Robert Woods, Rik Battaglia, Mimmo Palmara
Regisseur: Gianfranco Baldanello
Format: PAL, Widescreen
Ton: Deutsch, Italienisch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Colosseo Films
Produktionsjahr: 1968 (siehe auch SWDb Eintrag)
Spieldauer: 99 Minuten


Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Colosseo Films zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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