Die Weisse Mafia / Bisturi, la mafia bianca

DWM

Professor Valotti ist einer der führenden Ärzte auf dem Gebiet der Chirurgie. In seiner Nobelklinik werden nur reiche Patienten behandelt. Er führt eine genaue Kartei über jeden Patienten, in der die Vermögensverhältnisse und auch die privaten Gegebenheiten festgehalten sind. Doch das noble Bild trügt: Schlampereien werden vertuscht, Schwerkranke zu früh entlassen, hoffnungslose Fälle mit Tabletten vollgepumpt und ärztliche Kunstfehler fadenscheinig begründet. Als Valotti einen anonymen Brief erhält, in dem ihm ein ärztlicher Fehler, der den Tod eines Patienten zur Folge hatte, nachgewiesen wird, beschließt er sich vor den Augen der Welt mit einem Kartenhaus aus Lügen zu rechtfertigen… (filmArt)

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Handelt es sich hier um den gruseligsten italienischen Horrorfilm der 70er Jahre? Nun, man könnte Die weiße Mafia durchaus als solchen bezeichnen, doch eigentlich stellt der Film eine Krankenhaus-Enthüllungsgeschichte dar, die beinahe wie ein Gangsterstreifen präsentiert wird. Enrico Maria Salerno mimt einen zynisch betrunkenen Arzt, der für alle Arten von Fehlverhalten und Gier Zeugnis ablegt, während Gabrielle Ferzetti den niederträchtigsten Weißkittel spielt, der jemals auf Zelluloid gebannt wurde. Luigi Zampas Regie gestaltet sich sehr didaktisch und demonstrativ, der Film stoppt immer wieder mal, sodass jedes Fehlverhalten des Krankenhauses erkannt und detailliert unterstrichen werden kann (das Drehbuch basiert auf mehreren Geschichten aus dem wirklichen Leben, die Zampa in der lokalen Presse fand), wobei seine Wut den Film mehr als nur tragen kann.

Ein Porträt eines penetranten Chirurgen: Professor Valotti ist so skrupellos und zynisch, dass man es kaum glauben kann. Zunächst tritt er als Wohltäter auf, der beinahe als ein Heiliger verehrt wird: auf dem Weg zum Krankenhaus wird er von einem Arbeiter gelobt, der gegenüber einem Kumpel behauptet, er würde kostenlos behandelt werden. Dort angekommen, wird Valotti von vielen Leuten als ein Heiliger auf Erden bezeichnet. Wenn er an der Universität mit seinen Studenten spricht, besteht er darauf, dass sie die Armen genauso behandeln müssen wie die Reichen. Die jungen Ärzte lassen sich jedoch nicht wirklich täuschen. Denn es ist alles nur eine Fassade, die sich der Arzt über Jahre hinweg aufgebaut hat. Der Mann regiert förmlich über seine Gleichrangigen, die er für sich arbeiten lässt. Er hat die Macht ihnen bei ihren Karrieren zu helfen oder sie zu vernichten. In seiner Privatklinik scheinen die Chirurgen wie am Fließband zu arbeiten, stets unter dem wachsamen Auge ihres Chefs, der gelegentlich eingreift. Er stellt den Reichen und Berühmten empörend hohe Beträge in Rechnung, obwohl seine Behandlungen und Operationen völlig nutzlos und/oder unnötig sind. Sollte ein Medikament in der Schweiz oder in Deutschland Nebenwirkungen hervorrufen, stellt das kein Problem für ihn dar: das Klima in Italien ist eben nicht dasselbe.

Valloti ist der Pate einer „weißen Mafia“ von korrupten Praktizierenden, deren Waffe das Skalpell ist (bisturi siehe Original-Titel). Tatsächlich kennt sein Größenwahn keine Grenzen und er glaubt, er sei ein Gott, den die einfachen Menschen anflehen und verehren müssen, wenn sie ihre Leiden gelindert haben wollen. Einer seiner Kollegen empört sich jedoch über seine Rücksichtslosigkeit, nachdem er von einer Krankenschwester moralisch unterwiesen wurde. Doch kann ein Einzelner gegen etablierte Institutionen oder Behörden ankommen!? Zampa zeigt sich nicht besonders detailverliebt, während sein aufgeblasener Chirurg eine Karikatur repräsentiert, obwohl der Regisseur versucht, auch eine andere Seite seines Charakters zu zeigen, einen Dr. Jekyll, der sein Kind liebt, das seine Mutter in jungen Jahren verloren hat. Glücklicherweise gibt Gabriele Ferzetti eine zurückhaltend effektive Vorstellung ab, wobei der Rest der Besetzung diesem Beispiel folgt. Die sexy Senta Berger tritt als barmherzige Nonne auf.

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  • Darsteller: Gabriele Ferzetti, Senta Berger, Enrico Maria Salerno, Claudio Gora, Claudio Nicastro
  • Regisseur(e): Luigi Zampa
  • Format: Limited Edition, Widescreen
  • Sprache: Italienisch (Mono), Deutsch (Mono), Englisch (Mono)
  • Untertitel: Deutsch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Produktionsjahr: 1973
  • Spieldauer: 88 Minuten

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filmArt bringt Die weiße Mafia in einer BluRay und DVD-Edition heraus und leistet damit, wie bereits gewohnt, klasse Arbeit. Das Bild präsentiert sich im 2.35:1 anamorphen Format und sieht absolut toll aus. Es zeigt sich sehr gut restauriert, enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Beim Ton kann man zwischen den Sprachen Italienisch, Deutsch und Englisch (alle Mono) wählen, wobei deutsche Untertitel zuschaltbar sind. Außerdem gibt es neben dem italienischen Kinotrailer und einer Trailershow noch das 12-seitige Booklet über den Film und die Darsteller von Udo Rotenberg zu lesen. Fans italienischer Genrefilme dieser Zeit werden ohne Frage Spaß an Die weiße Mafia haben.

Diese DVD wurde uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

 

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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