Blackenstein

Eddie ist ein Vietnam-Veteran, der seine Arme und Beine verliert, als er auf eine Landmine tritt. Ein brillanter Chirurg kann neue Gliedmaßen anbringen, doch dessen eifersüchtiger Assistent verwechselt absichtlich die DNA-Injektionen und verwandelt den VV in einen gigantischen Killer.

Severin Films veröffentlicht mit Blackenstein einen vergessenen sowie vergrabenen Horrorfilm aus dem Jahr 1973 von Regisseur William A. Levey (Hellgate, 1989), der versuchte vom Blaxploitation Hit Blacula (1972) zu profitieren, jedoch aufgrund seiner enormen Langeweile und Trägheit stark scheitert. Der wichtigere (und bei Weitem interessantere) Aspekt des Films lässt sich sowieso im Bonusmaterial der Veröffentlichung finden, das sich hauptsächlich um den Autor und Produzenten dieses Films Frank R. Saletri und dessen ungelösten Mord vom 12. Juli 1982 dreht. Während sich American International Pictures beeilte eine Fortsetzung des überraschend erfolgreichen Blacula zu produzieren, verpassten sie die Gelegenheit ein Spin-off einer schwarzen Version von Frankenstein zu kreieren. Saletri nutzte seine Chance, lieferte eine mäanderförmige Handlung ab, die sich aus etlichen Dialogen, nicht übereinstimmenden Szenen sowie weniger Action zusammensetzte, was in einem glanzlosen Horrorfilm resultierte.

Die Geschichte handelt von der Leidenschaft einer bestimmten Dr. Winifred Walker (Ivory Stone), die ihren alten Professor Dr. Stein (John Hart) auf seinem grandiosen Schloss in Los Angeles besucht, wo sie von dessen Butler Malcomb (Roosevelt Jackson) empfangen wird, der sich sehr bemüht unheimlich zu wirken. Stein hat den Friedensnobelpreis für die Lösung des genetischen DNA-Codes gewonnen, beschäftigt sich nun jedoch damit die Beine und Arme von Amputierten „nachwachsen“ zu lassen und den Menschen generell ein dauerhaftes Leben zu ermöglichen. Winifreds Besuch lässt sie ihre Hintergedanken offenbaren, die sich um ihren ehemaligen Verlobten Eddie Turner (Joe DeSue) drehen, der aufgrund einer traumatischen Erfahrung im Vietnamkrieg leider zu einem Tetraplegiker geworden ist. Sie bittet Dr. Stein um Hilfe, der natürlich zustimmt. Was nicht früh genug passieren kann, da Eddie von einem sogenannten Krankenpfleger (Bob Brophy) verbal angegriffen wird, der zwar immerzu schimpft aber niemals rassistisch wird. Warum eigentlich nicht? Die Ära, der Zeitrahmen, alles deutet auf die Verwendung von rassistischen Beleidigungen hin, wobei sich das vollkommene Fehlen dieser als recht merkwürdig gestaltet, dieses hier repräsentiert nur ein Beispiel von vielen.

Einen großen Fehler, den der Film begeht und der absolut keinen Sinn ergibt, stellt der plötzliche Wechsel der Szenerie in einen Nachtclub dar, wo ein Komiker (ein ziemlich schlechter) einen kleinen Auftritt hat, indem er einen genauso langen, wie unlustigen Witz zum Besten gibt. Die Essenz eines Horrorfilms sollte sein Publikum eigentlich zum Ausflippen bringen, die Spannung muss sich aufbauen, um Angst erzeugen zu können, doch diese Szene zerstört allen Schwung und die vormals (sowieso nur im sehr geringen Maße) vorhandene Spannung, weswegen jegliche Atmosphäre verloren geht. Unnötig zu erwähnen, dass die zweite Hälfte des Streifens dem Weg des typischen Frankenstein-Films folgt, mit einigen „extensiven“ Tötungen und grundlegenden Spezialeffekten.

Das für Dr. Steins Labor verwendete Set recycelte dank Ken Strickfaden (der durch seine Mitarbeit an Frankenstein Junior [1974] bekannt geworden ist) einige Gegenstände aus dem ursprünglichen Frankenstein von Universal (1931). Dann fasst das ungehobelte, ehrlich gesagt ziemlich unbeholfene Monster mit eckigem Afro das konventionelle und altmodische Gebaren des Films zusammen, der eine Mischung aus viel Langeweile und einigem an herum Schlurfen repräsentiert. Die Produktionselemente scheinen ebenso ziellos umher zu wandern, wie das Monster, so als suchten sie nach einer bestimmten Richtung, wobei nicht klar ist, ob sie es auf einen Horrorfilm oder einen Komödien-Hybriden abzielen. Der interessanteste Aspekt der Veröffentlichung ist sowieso in den Bonus-Features zu finden, die sich hauptsächlich auf das Leben des Schriftstellers und Produzenten Frank R. Saletri und dessen mysteriösen Mord im Stile einer Hinrichtung konzentrieren. Saletris Schwester June Kirk weiß in dem berührenden Featurette „Monster Kid“ viel über ihren Bruder zu berichten. Darüber hinaus teilen ehemalige Freunde und Geschäftsfreunde (Ken Osborne und Robert Dix) Gedanken und Erinnerungen an Saletri. Bei Blackenstein handelt es sich weder um die schlechteste Adaption der Frankenstein-Geschichte, noch ist der Film insgesamt als miserabel zu bezeichnen, doch das Tempo ist so dermaßen lahm und die Ereignisse gestalten sich größtenteils so langweilig, sodass der Flick sich ewig hinzuziehen scheint. Blackenstein enthält so gut wie nichts, was das Blaxploitation-Genre angemessen repräsentieren könnte und lässt sein Publikum nur mit dem übergroßen Verlangen zurück, endlich zu den Extras springen zu können, um dann im Regal nach einer Kopie von Blacula, Slaughter oder Disco Godfather – Helden der Nacht zu suchen.

Special Features:
• Theatrical Release Version (78 Mins.) and Video Release Version (87 Mins.)
• Monster Kid: Interview with Writer/Producer Frank R. Saletri’s Sister, June Kirk
• Archive News Broadcast On The Murder Of Writer/Producer Frank R. Saletri
• Producers/Directors/Actors Ken Osborne And Robert Dix Remember Writer/Producer Frank R. Saletri
• Bill Created Blackenstein: Interview With Creature Designer Bill Munns
• Theatrical Trailer

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  • Medienformat: Blu-ray
  • Sprache: Englisch
  • Untertitel: Englisch
  • Anzahl Disks: 1
  • Region Free

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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