Blacula

Nach einem Disput über den Sklavenhandel wird der afrikanische Prinz Mamuwalde (William Marshall) von Graf Dracula gebissen, selbst in einen Vampir verwandelt und in einen Sarg eingesperrt. Knapp zwei Jahrhunderte später, im Jahr 1972, befreien zwei Innenarchitekten den durstigen „Blacula“ in Los Angeles. Dieser geht fortan auf Beutezug durch die kalifornische Metropole und rächt sich an den Weißen. (Studio Hamburg Enterprises GmbH)

Wir schreiben das Jahr 1790, während sich Prinz Mamuwalde (William Marshall) in Transsilvanien aufhält, um einen bestimmten Grafen Dracula (Charles Macaulay) zu besuchen. Mamuwalde hat nämlich eine Petition verfasst, um den Sklavenhandel beenden zu können und hofft nun eine Unterschrift vom Grafen zu erhalten. Der Abend nimmt jedoch eine böse Wendung, als der zuvor zivilisierte Graf seine Meinung äußert, nichts Schlechtes an der Sklaverei finden zu können und sogar glücklich wäre, wenn er Mamuwaldes Frau Luva (Vonetta McGee) als Sklavin halten könnte. Der Prinz zeigt sich darüber selbstverständlich äußerst empört, doch Dracula behält die Oberhand und lässt Mamuwalde von seinen Dienern überwältigen. Anschließend wird der Prinz verflucht sowie vampirisiert, um somit Blacula zu erschaffen!

Sollte man bis jetzt gedacht haben Blacula sei dieser Typ aus den TV-Serien Zurück in die Vergangenheit (1989 – 1993) und Star Trek: Enterprise (2001 – 2005), dann sollte einen dieser Blaxploitation-Horror-Flick aufklären können. Von Raymond Koenig und Joan Torres geschrieben (die beide die Fortsetzung dieses Films Scream Blacula Scream / Der Schrei des Todes als ihren einzigen weiteren Kredit vorzuweisen haben), löste dieser Low-Budget-Schocker eine zwar recht kurzlebige aber einigermaßen intensive Begeisterung für Gruselfilme mit hauptsächlich afroamerikanischen Darstellern aus. Unter diesen Streifen dürften vor allem Blackenstein (1973), Sugar Hill (Die schwarzen Zombies von Sugar Hill, 1974) und Dr. Black, Mr. Hyde (Das Monster von London, 1976) Erwähnung finden, wobei die meisten Filme dieses Sub-Genres mit sehr niedrigen Budgets zurechtkommen mussten und leider auch recht wenig an Inspiration zu bieten haben. Was Blacula im Gegensatz zu diesen Flicks vorweisen kann, ist eine beeindruckende Vorstellung seines Stars, die den Film von seinen „Konkurrenten“ wirklich abgrenzt.

Diese schauspielerisch beeindruckende Leistung hat der respektierte Theaterschauspieler William Marshall zu bieten, dessen Othello als legendär zu bezeichnen ist. Auf der großen Leinwand schnitt er allerdings weniger gut ab, da sich die Produzenten angesichts seiner resonanten und klangvollen Stimme sowie seiner königlichen Aura nicht sicher sein konnten, wie sie ihn besetzen sollten. Auf amüsante Art und Weise macht ihn jedoch genau das perfekt für die Rolle eines Vampirs, weswegen er hier bei weitem das Highlight eines Films darstellt, der den Anschein erweckt, als hätte man sich den Titel ausgedacht, bevor ein einigermaßen anständiges Drehbuch überhaupt hervorgezaubert werden konnte. Wie sich während des Konsums von Blacula herausstellt, wirkt das Drehbuch definitiv so, als würde es aus „zweiter Hand“ stammen.

Blacula ist für immer in einem Sarg gefangen (jedenfalls nimmt Dracula dies an), doch eben dieser Sarg wird von ein paar homosexuellen Antiquitätenhändlern nach Los Angeles transportiert. Sobald die beiden (recht „schwuchtelig“ dargestellten) Männer den Sarg in ihrem Lagerhaus öffnen, werden sie die ersten Opfer des Blutsaugers. Sollten die Filmemacher eine Sache richtig gemacht haben, dann indem sie Prinz Mamuwalde viel sympathischer rüberkommen lassen, als den typischen Horrorfilm-Bösewicht. Das bedeutet nämlich, dass der Antiheld (sobald er wieder zum „Leben“ erweckt worden ist) seinen Zustand zutiefst bereut und sich nach seiner verlorenen Liebe sehnt, die wiedergeboren worden ist (was sehr wahrscheinlich aus Die Mumie übernommen wurde).

Das heißt also, dass Vonetta McGee nicht nur Luva, sondern auch Tina spielt, die eines Nachts durch einen (ehrlich gesagt) unglaublichen Zufall Blaculas Aufmerksamkeit erregt und von ihm verfolgt wird. Allerdings macht ihn diese Art von Verhalten nicht gerade beliebt bei ihr, weswegen sie vor ihm davonläuft und dabei ihre Handtasche verliert. Aufgrund des Inhalts genau dieser Handtasche gelingt es ihm Tina aufzuspüren und sie zu überzeugen, dass seine Absichten edler Natur waren. Marshall kommt in seiner Zuneigung zu Tina ziemlich berührend rüber, weswegen er sie ein paar Mal in einen Nachtclub ausführen darf, um dem Auftritt von The Hues Corporation zu lauschen und mit ihren Freunden abzuhängen. Leider ist einer ihrer Freunde, Dr. Thomas (Thalmus Rasulala), ein Polizist, der fest dazu entschlossen ist, die Quelle der Welle des Vampirismus (welche die Stadt heimsucht) aufzudecken. Blaculas Nächte dürften also gezählt sein. Es steckt zwar eine anständige Idee hinter Blacula, doch nur der Umhang-tragende Marshall versteht es das Beste daraus zu machen, was bedeutet, dass sich der Streifen als ein wenig enttäuschend erweist.

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  • Seitenverhältnis:‎ 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung:‎ Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur:‎ Crain, William
  • Laufzeit:‎ 1 Stunde und 33 Minuten
  • Darsteller:‎ Marshall, William, McGee, Vonetta, Nicholas, Denise
  • Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio:‎ Studio Hamburg Enterprises

Auch als Amaray erhältlich

Leider kann die Bildqualität nicht gerade als die beste bezeichnet werden, da ohne Ende durchgefiltert !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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