Blade of the Immortal – Rache stirbt nie / Mugen no jûnin

Manji ist Samurai und er kann nicht sterben. Sein Körper regeneriert sich immer wieder, selbst abgetrennte Gliedmaßen wachsen wieder an. Dabei würde Manji gerne seiner ermordeten kleinen Schwester Machi in den Tod folgen. Er ist voller Reue, weil er sie nicht beschützen konnte. 50 Jahre später bittet ihn das Mädchen Rin um Hilfe. Der Schwertkämpfer Anotsu hat ihre Eltern getötet und Rin brennt vor Rachedurst. Doch Anotsu hat eine mächtige Gefolgschaft und ist ein fast unbesiegbar guter Krieger. Rin lässt die Erinnerung an Machi wieder lebendig werden und so willigt Manji ein, ihr Leibwächter zu sein. Das ungleiche Duo zieht in einen sehr blutigen Kampf … (Ascot Elite)

Kaum ist die Titelsequenz abgelaufen, wird in Blade of the Immortal (無限 の 住 人), dem 100. Film des legendären japanischen Filmemachers Takashi Miike, bereits mit monochronem Blut gespritzt. Diese schiere Menge an Output ist noch umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass er dies in gerade mal etwas mehr als 25 Jahren geschafft hat. Wie die mit seinem Oeuvre Vertrauten erwarten könnten, hat Miike seine gesamte Karriere des Aderlasses zu einer einzigartigen Einheit verdichtet. Angepasst an die lange laufende Manga-Serie von Hiroaki Samura folgt der Streifen Manji (Takuya Kimura), einem geschickten Samurai, der sich nach einer der epischsten Eröffnungsschlachten der Kinogeschichte mit Unsterblichkeit verflucht wiederfindet. Nach dem Tod seiner Schwester wird Manji von Rin (Hana Sugisaki) rekrutiert, um sich an einer Bande von abtrünnigen Schwertkämpfern zu rächen. So beginnt eine fast endlose Reihe von Kämpfen, inklusive dem obligatorischen Schnetzeln von Gliedmaßen und Arterien.

Miike hat im letzten Jahrzehnt einige erfolgreiche Vorstöße in das Genre der Jidaigeki vorangetrieben, vor allem die internationalen Erfolge von 13 Assassins und Hara-Kiri: Tod eines Samurai. Es ist jedoch ersterer Film, der mit BLADE OF THE IMMORTAL die meiste DNA teilt, wobei die Krieger buchstäblich im Blut ausrutschen, das sie bis zum Ende des Flics vergossen haben. Auch die Laufzeit ist äquivalent zu 13 Assassins, begnügt sich allerdings nicht damit, die 45-minütige Kampfsequenz einfach neu zu inszenieren. Hier handelt es sich um ein eskalierendes Blutbad, das darauf abzielt, die Gewalt weiter hochzutreiben, um die Art von schallendem Gelächter zu kreieren, das von erfahrenen Zuschauern des Kult-Zirkels vergnüglich gelacht wird. Doch auch eine gewisse Wiederholung der Struktur ist vorhanden. Eine Reihe von Einzelkämpfen im zweiten Akt beginnt sich episodisch anzufühlen, was mit den seriellen Ursprüngen bricht. Das macht den Kampf mit einem weiteren Unsterblichen zwar nicht weniger spektakulär, aber es könnte einige Zuschauer für die entscheidenden Momente abstumpfen, sobald diese um die Ecke gewalzt kommen. BLADE OF THE IMMORTAL mag weder Miikes bahnbrechendstes Werk, noch sein kultiviertester Samurai-Film sein, doch mit Sicherheit einer seiner blutigsten.

Blade of the Immortal ist ein actiongeladener Samurai-Film, der den Nervenkitzel des Kampfes und genügend Komplexität in seinen Charakteren und Konzepten bietet, sodass der Zuschauer in mehr als nur die ehrfürchtigen Schwertkämpfe investieren kann! Samurai Manji (Takuya Kimura) wird gejagt, weil er in dem verzweifelten Versuch seine geistig instabile jüngere Schwester Machi (Hana Sugisaki) zu beschützen, einige Männer getötet hat. Als sie von einer großen Meute an Schwertkämpfern, die Manji wegen des Kopfgeldes töten wollen, gefangen genommen und umgebracht wird, kommt es zum ersten großartigen Kampf, der nicht nur Manjis Fähigkeiten zeigt, sondern auch, wie ein Mann wirklich gegen so viele Individuen ankommen kann ohne dabei sofort getötet zu werden. Selbstverständlich hat er letztendlich keine Chance gegen die Übermacht und erliegt seinen enormen Wunden. Doch eine seltsame alte Frau nähert sich seinem leblosen Körper und heilt seine Wunden mit Hilfe von sogenannten Blutwürmern, die ihn gleichzeitig unsterblich machen. Und dann beginnt der Film erst so richtig! Rin (auch Hana Sugisaki), ein junges Mädchen, sucht nach einem Bodyguard, den man nicht töten kann, um den Tod ihres Vaters zu rächen. Der Meister eines Dojo verweigerte sich der Organisation von Anotsu Kagehisa (Sôta Fukushi) anzuschließen und musste folglich im Zweikampf sterben. Anotsu ist der Anführer des Ittō-ryū Clans, einer Gruppe von Schwertkämpfern, die alle spezialisierten Kampfformen zu einer einzigen vereinen will. Da Manji in Rin seine kleine Schwester sieht, willigt er ein ihr Beschützer zu sein.

Folglich wird Manji mit etlichen Mitgliedern der Ittō-ryū konfrontiert, zunächst einzeln, was etwas langweilig wirken könnte, doch jeder Gegner kämpft mit unterschiedlichen Stilen, Waffen und aus verschiedenen Motivationen, was die Kämpfe recht interessant und unterhaltsam werden lässt. Sogar der Oberbösewicht Anotsu ist nicht nur ein böser, verrückter Mann, sondern hat gute Gründe für sein Vorgehen, auch wenn er es dabei gehörig auf die Spitze treibt. Glücklicherweise wird Manji nicht jedes Mal als der beste Kämpfer präsentiert und es wird klar, dass seine Unsterblichkeit nun ein wichtiger Aspekt seines Kampfstiles geworden ist. Er wird unzählige Male tödlich verletzt und verliert seine Gliedmaßen öfters als erwartet. Bedeutet dies etwa, dass sich seine Fähigkeiten verringert haben oder sind seine Kontrahenten tatsächlich stärker und besser als er!? Wie auch immer, dieser Kniff lässt Manji eher „normal“ erscheinen und nicht wie einen Superhelden, der ohne viel Mühe einfach so all seine Gegner wegschlachtet, was uns dem Mann näher bringt, der fünfzig Jahre lang nicht gealtert ist.

Das einzige Manko ist Takashi Miikes Inszenierung der Übergänge zwischen den verschiedenen Episoden des Films, die ein wenig verwirrend sein können. Doch das ist ein kleines Problem für einen Regisseur, der dafür bekannt ist, intensive Action-Sequenzen zu kreieren, die glaubhaft rüberkommen und gleichzeitig einfach nur Spaß machen. Die Geschehnisse bauen sich bis zu einem atemberaubendem Finale auf, das nicht enttäuscht. Während man natürlich schon mehr als nur ahnen kann, wo all die Charaktere enden werden, ist es immer noch aufregend sie kämpfen zu sehen. Blade of the Immortal ist ein Film, der großartige Action nicht nur verspricht, sondern auch wirklich abliefert und zwischen dem slicing&dicing doch tatsächlich auch eine ordentliche Geschichte stattfinden lässt. Es gibt zwar keine tiefen Charakterzeichnungen, aber dafür sind sie wohldefiniert, wobei es eine willkommene Abwechslung darstellt, dass die Motivation dieser Charaktere für die Handlung essentiell ist. Die Kämpfe sind erstklassig geraten und lassen einen den Schmerz der Pro- bzw. Antagonisten spüren, während man sich auch im Spaß der Action verlieren kann.

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  • Darsteller: Hana Sugisaki, Sota Fukushi, Takuya Kimura, Erika Toda, Hayato Ichihara
  • Regisseur: Miike Takashi
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1 HD
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Ascot Elite
  • Produktionsjahr: 2017
  • Spieldauer: 141 Minuten

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Ascot Elite zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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