Blastfighter – Der Exekutor / Force of Vengeance

Dies ist eine wahre Geschichte, die sich in den Vereinigten Staaten tatsächlich zugetragen hat. Jake Sharp ist einer der besten Polizisten aus der Bronx von New York. 20 Jahre im Dienst und dann geschieht das Unfassbare: Vernichtet und zerstört an nur einem Tag, nämlich unschuldig verurteilt. Nach seiner Entlassung ist er entschlossen, der Gewalt den Rücken zu kehren und sich in einsamer Wildnis ein ruhiges Leben aufzubauen. Doch wie ein Magnet zieht er das Verbrechen an. Sein zufälliger Kampf gegen illegale Wilderer, die auch vor Mord und Vergewaltigung halt machen, eskaliert zum Inferno des Grauens. Zu diesem Zeitpunkt taucht auch noch Jakes Tochter bei ihm auf, die er über zehn Jahre nicht gesehen hat. Sie gerät unfreiwillig in das Massaker. Jake entwickelt sich zu einer gnadenlosen Killermaschine ohne Skrupel. (X-Rated)

Blastfighter, ein italienisches RamboKnockoff, in das auch Elemente aus Deliverance (Beim Sterben ist jeder der Erste, 1972) und Southern Comfort (Kommando Bravo, 1981) eingearbeitet wurden, sollte ursprünglich als ein weiteres Mad Max 2 – Der VollstreckerRip-off fungieren, bis ein neues Drehbuch in Auftrag gegeben wurde und die Filmemacher nur den Titel beibehielten. Der Titel Blastfighter bezieht sich sehr wahrscheinlich auf das hochmoderne experimentelle Kampfgewehr, das von unserem Helden verwendet wird. Jake „Tiger“ Sharp (Michael Sopkiw aus Fireflash: Der Tag nach dem Ende) ist ein entwürdigter Ex-Cop aus Atlanta, der nach acht Jahren Haft gerade entlassen wurde, weil er den Mörder (Giancarlo Prati) seines Partners (Massimo Vanni als Patrick O’Neil jr. gelistet) und seiner Frau weggeblasen hat. Tigers Cop-Kumpel überlässt ihm nun eine SPAS-Shotgun (die offiziell noch gar nicht existiert), um sich an dem korrupten Polizisten, der den Mörder deckte und Tiger ins Gefängnis brachte, rächen zu können. Doch Tiger schafft es nicht den Abzug zu drücken. Stattdessen macht er sich auf den Weg, um in Clayton (einer kleinen Stadt, in der er aufgewachsen ist) ein ruhiges sowie einsames Leben in der Familienhütte der Sharps zu führen.

Natürlich wollen die rowdyhaften Redneck-Einheimischen das nicht zulassen. Tiger stößt immer wieder mit dem Rabauken Wally Hanson (Atlantis Infernos Stefano Mingardo als Mike Miller aufgeführt) und seinen Freunden (u.a. Ottaviano Dell’Acqua als Richard Raymond gelistet) zusammen, die ihn zum wiederholten Male belästigen und zu guter Letzt auch noch ein hilfloses Rehkitz brutal umbringen, das er adoptiert hat. Tiger trifft außerdem noch auf seinen alten Freund aus Kindertagen, den örtlichen Sägewerksbesitzer Tom (George Eastman) – der auch Wallys älterer Bruder ist – und erfährt, dass Wally und seine Blödmann-Freunde wild lebende Tiere wildern und die Kadaver an einen Kräutermediziner aus Hongkong verkaufen, der seinen Laden in der Nähe hat. Tiger macht ihnen dieses Geschäft kaputt und schickt den Hongkonger sowie diese gesamte Nebenhandlung nach Hause, weswegen Wally nun vor Wut kocht. Gerade als das Chaos in diesem unerschlossenen Gebiet losgeht, kommt Tigers entfremdete Tochter Connie (Valentina Forte als Valerie Blake aufgeführt) vorbei, die von Wally und seinen Schlägern beinahe vergewaltigt wird, nachdem sie Tigers Cop-Kumpel sowie Connies Freund Pete (Michele Soavi als Michael Saroyan gelistet) – die Tiger gemeinsam mit Connie besuchen wollten – erschossen haben.

Obwohl Tom eingreift, um seinen dämlichen Bruder davon abzuhalten, die Dinge vollkommen eskalieren zu lassen (das hier abgebildete Kleinstädtchen Clayton scheint den abwesendsten Sheriff der Filmgeschichte zu haben), passiert dann doch genau das. Wally ruft alle Schläger der Stadt zusammen, um Tiger durch den Wald zu jagen bevor es zu einer letzten Konfrontation kommt, bei der zwei lebenslange Freunde gegeneinander antreten müssen. Die meisten italienischen Exploitation-Werke aus dieser Zeit wurden mit der Absicht hergestellt, sich auf möglichst amerikanische Art und Weise zu präsentieren. Deswegen musste oftmals eine gewisse Menge an Szenen in den USA gedreht und mit den in Rom aufgenommenen Innenaufnahmen zusammengeschnitten werden. Mitte der 80er Jahre wurde die Location-Arbeit in den USA erheblich umfangreicher, da Staaten wie Georgia, Nevada, Florida und insbesondere Arizona es begrüßten mit italienischen Filmcrews zusammen zu arbeiten. Blastfighter unternimmt große Anstrengungen, um so amerikanisch wie möglich auszusehen und zu wirken, da sich fast jeder der Besetzung und Crew hinter amerikanisierten Pseudonymen versteckt (Regisseur Lamberto Bava wird als John Old Jr. aufgeführt, was als eine Hommage an seinen legendären Vater Mario Bava angesehen werden kann, der bei einigen seiner Filme als John M. Old gelistet wurde) und beinahe ausschließlich vor Ort in Atlanta und Clayton, GA, gedreht worden ist. Clayton stellt im Großen und Ganzen die Umgebung dar, in der ein Großteil von Deliverance (Beim Sterben ist jeder der Erste, 1972) gedreht wurde.

Was noch zum „Seht her, das ist nicht italienisch … sondern amerikanisch!“ – Effekt beitragen soll, ist die wiederkehrende Verwendung des von den Bee Gees verfassten Songs „The Evening Star“, der einen großen Erfolg für Kenny Rogers im selben Jahr der Veröffentlichung von Blastfighter darstellte, jedoch durch eine Coverversion von jemandem namens Tommie Baby (!?) repräsentiert wird. Die Produktion fand sogar heraus, dass Billy Redden, bekannt als „Dueling Banjos“ – Kid aus Deliverance, in Clayton lebte und bauten ihn direkt in eine Szene im örtlichen General Store ein, wo er einen einzigen halbherzigen Banjo-Lick spielt, bevor Tiger hereinkommt. Einige Innenaufnahmen wurden offensichtlich in Rom gedreht, doch das meiste aus Blastfighter spielt sich in Clayton und der umliegenden ländlichen Umgebung ab, was der Handlung viel Lokalkolorit sowie Authentizität verleiht.

Selbst in der Umgebung des enorm ländlichen Clayton schreien die einheimischen Jungs nicht so dermaßen oft „Yee-haah!“ wie Wally und seine Freunde es tun. Für Fans solchen Firlefanzes stellt das natürlich alles einen Teil des Charmes dar, der dafür verantwortlich sein dürfte, dass Filme wie Blastfighter – dessen abgenudelte VHS-Kassette der usa-video gmbh garantiert bis in die 90er Jahre in jedem Videogeschäft zu finden war – noch Jahrzehnte später solch nostalgische „Kultgegenstände“ geblieben sind. Blastfighter repräsentiert einen legitimen unterhaltsamen Actionfilm, wobei der Amerikaner Michael Sopkiw als glaubwürdiger Genre-Star fungiert, wenn man bedenkt, dass er über einen Zeitraum von drei Jahren nur vier Filme gedreht hat, bevor er die Schauspielerei an den Nagel hängte. Gerade frisch von Sergio Martinos Set von 2019 – Dopo la caduta di New York (Fireflash: Der Tag nach dem Ende, 1983) gekommen, wurde der 29-jährige Sopkiw in Blastfighter als Vater von Valentina Forte (die zu dieser Zeit etwa 17 oder 18 Jahre alt gewesen sein muss und mit Cannibal Holocaust-Regisseur Ruggero Deodato ausging, der sie bald darauf in Inferno in diretta aka Cut and Run besetzen sollte) ziemlich fehlbesetzt, da er gerade einmal elf Jahre älter war, als seine Kollegin. Ansonsten gibt es jedoch kaum etwas an Sopkiws schauspielerischer Leistung zu beanstanden.

Es wurden zwar einige Anstrengungen unternommen, um Sopkiw ein wenig älter aussehen zu lassen – mit seinem Schnurbart ähnelt er doch tatsächlich sowohl Franco Nero als auch vor allem Maurizio Merli – doch er und Forte legen ganz einfach keine richtig funktionierende Chemie als Vater und Tochter an den Tag. Allerdings kann man leicht darüber hinwegsehen, da man ihn als einen soliden Actionhelden bezeichnen kann, der viele seiner Stunts selbst durchgeführt hat. Blastfighter sieht auf Blu-ray großartig aus und hält sich recht gut, als eines der unterhaltsamsten italienischen Knockoffs aus dieser Zeit. Obwohl man schon ziemlich lange warten muss bis die titelgebende Knarre zum Einsatz kommt, doch wenn das endlich der Fall ist, bleibt kein Auge trocken bzw. kein Fahrzeug oder Redneck unversehrt.

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Der Booklet-Text von Pelle Felsch mit dem Titel Der Vater, der Sohn und das heilige Kino – Das schwere Erbe des Lamberto Bava Teil 2, kann mal wieder als äußerst informativ, unterhaltsam sowie enorm lesenswert bezeichnet werden. Der erste Teil dieses Textes ist in der ECC#10 Das Haus mit dem dunklen Keller erschienen.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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