Blaxploitation: What It Is … What It Was

Das Wort Blaxploitation wurde ursprünglich nicht von einer „weißen“ Person kreiert, sondern von einem Afroamerikaner, der von den Produzenten von Super Fly beleidigt wurde. Es wurde ursprünglich geprägt, um Kontroversen / Stereotypen zu schüren, und viele Jahre lang akzeptierten „schwarze“ Filmemacher / Schauspieler den Term nicht als positiven Begriff. Ironischerweise repräsentierte er im Laufe der Zeit eine bestimmte Ära des „schwarzen“ Genrekinos der 70er Jahre. Was einst als negative Beschreibung angesehen wurde, hat sich in etwas verwandelt, das an aufregendes und bahnbrechendes Kino erinnert, in dem Afroamerikaner mitspielen und sogar Hauptrollen übernehmen. Die Blaxploitation-Filme konzentrierten sich auf „schwarze“ Besetzungen und wurden normalerweise in und um städtische Orte gedreht. Innerhalb des Genres wurden dann auch alle Arten von Subgenre-Filmen verwirklicht. Von Rache-Filmen bis zu Kung-Fu und Horror.

Die ersten Filme, die die Blaxploitation-Ära einleiteten, waren Ossie Davis‘ Cotton Comes To Harlem (Wenn es Nacht wird in Manhattan, 1970) und Melvin Van Peebles‘ Sweet Sweetbacks Baadassss Song (dt. TV-Titel, Sweet Sweetbacks Lied, 1971). Sweetback wurde von Van Peebles produziert und inszeniert und konnte nach seiner Veröffentlichung eine große Anhängerschaft gewinnen. Dieser Film markierte auch den Beginn des Hauptthemas in vielen Blaxploitation-Filmen, in denen es um „Fighting The Man“ ging. „The Man“ repräsentierte alle oppressiven weißen Frömmler und Eiferer. Sweetback war etwas Besonderes, weil er nicht nur „schwarzen“ Autoren und Regisseuren die Inspiration verlieh ihre eigene Form des filmischen Ausdrucks zu kreieren, sondern auch sehr gute Vertreter der neuen Black Empowerment-Bewegung waren, die zu dieser Zeit in den USA operierte.

Gordon Parks Sr. führte Regie bei Shaft (1971) mit Richard Roundtree. Der Film erzählt die Geschichte eines harten unabhängigen Privatdetektivs, der sich von niemandem etwas vormachen lässt. Shaft stellt(e) eine sehr starke Ikone für das „schwarze“ Publikum dar und brachte eine Wucht auf die Leinwand, wie sie zuvor nicht zu sehen war. Shaft hielt auch einen Hit-Soundtrack von Isaac Hayes bereit, der später selbst in mehreren Blaxploitation-Filmen die Hauptrolle spielen sowie die Soundtracks beisteuern sollte, darunter Three Tough Guys (1974) und Truck Turner (Chikago Poker, 1974).

Exploitation-Film Auteur Jack Hill (Spider Baby or, the Maddest Story Ever Told; The Big Doll House), ein Schützling des legendären B-Movie-Königs Roger Corman, drehte 1973 seinen ersten Blaxploitation-Film. Dieser Streifen trägt den Titel Coffy (Coffy – Die Raubkatze), in dem eine junge, schöne Frau namens Pam Grier mitspielt. Griers schiere Sexualität und ihre Fähigkeit einen „One Woman Hit Squad“ zu verkörpern, bedeutete für viele andere Frauen zu dieser Zeit eine großartige Sache. Die Geschichte dreht sich um eine Frau, die sich rächen will, nachdem ihre jüngere Schwester ihrer Drogenabhängigkeit erliegt. Coffy macht die Zuhälter und Dealer dafür verantwortlich und schwört sich an dem Abschaum zu rächen, der ihre Schwester auf dem Gewissen hat. Die Action-Sequenzen sind wirklich gut gemacht und obwohl sie übertrieben gestaltet wurden, leistet Hill hervorragende Arbeit, um Atmosphäre zu schaffen, Comedy zu bieten und dem Film seinen eigenen Stil aufzudrücken. Pam Grier glänzt als die vollbusige Füchsin, die in den aufregenden Trailern und Radiospots des Films als „The Godmother of Them All“ bezeichnet wird. Coffy wurde 1973 zu einem großen Hit an den Abendkassen. Jack Hill ließ ihm 1974 mit Foxy Brown seinen nächsten Pam Grier Revenge-Actioner folgen.

1972 drehte Gordon Parks Jr. mit Super Fly seinen eigenen Blaxploitation-Film. Super Fly erzählt die Geschichte eines Zuhälters / Drogendealers namens Youngblood Priest (Ron O’Neal), der ein letztes großes Ding durchziehen will, um danach aus dem Geschäft aussteigen und von vorne anfangen zu können. Das Hauptproblem dabei ist, dass Priests Verbindungen, sowie die Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung, ihn nicht so leicht gehen lassen. Dieser Film repräsentiert eine hervorragende Darstellung eines Verbrecherlebens. Der Soundtrack stammt von Curtis Mayfield und ist als eine der besten Filmmusiken, die jemals gemacht wurden zu bezeichnen. Mit großartigen Tracks wie „Freddy’s Dead“ und „Pusherman“ gibt Mayfield einen wirklich wunderbar gestalteten Kommentar zum Inhalt des Films und zum Leben der Charaktere ab. Hinweis: Super Fly war der erste Film, der den Oscar-Preisträger The Godfather (Der Pate) in diesem Jahr von Platz 1 verdrängte.

Regisseur Michael Campus‘ The Mack (Straßen zur Hölle, 1973) erzählt die Geschichte eines Ex-Betrügers namens Goldie (Max Julien), der aus dem Gefängnis entlassen wird und wieder in das Leben eines Zuhälters auf der Straße zurückkehrt. Dieser Film stellt ein besonderes Zeitdokument des Lebens in und um die Stadt Oakland, Kalifornien dar. Bei dem Streifen spielten sogar viele echte Zuhälter und sogenannte Player mit. Sie sind im Film in ihren extravaganten Outfits auf dem „Players Ball“ zu sehen. Max Julien macht einen hervorragenden Job als Goldie, der geschmeidig sprechende Mack-Daddy, der eine Menge Frauen dazu bringt, sich für ihn zu prostituieren. Der Film hat auch einen besonderen Leckerbissen in Person von Richard Pryor zu bieten, der Goldies besten Freund Slim spielt und viel Humor in den Film einfließen lässt. Goldie muss mit den weißen rassistischen Bullen, einem rivalisierenden Verbrecherboss und sogar seinem eigenen Bruder klarkommen, der versucht, die Straßen von Verbrechen zu befreien.

Zu dieser Zeit gab es auch viele Komödien, die alle mit „schwarzen“ Darstellern gedreht wurden. Oscar-Preisträger Sidney Poitier und Komiker Bill Cosby haben sich bei einigen dieser Filme zusammengetan, darunter A Piece of The Action (Ausgetrickst, 1977), Let’s Do it Again (Drehn wir noch’n Ding, 1975) und Uptown Saturday Night (Samstagnacht oben in der Stadt, 1974). Diese Streifen machen viel Spaß und porträtieren die leichtere, komödiantische Seite des Blaxploitation-Filmgenres. Die Blaxploitation-Ära dauerte von ungefähr 1971 bis 1979. In dieser Zeit wurden Hunderte von Filmen von Afroamerikanern geschrieben und gedreht. Sie mögen zwar meistens Low-Budget-Genrefilme gewesen sein, doch sie legten eine aufregende, rohe sowie gefühl- und seelenvolle Qualität an den Tag, wie keine andere Art von Film bis dahin. Diese Filme sind definitiv als Klassiker und Teil der Hollywood-Geschichte zu bezeichnen, die immer einen besonderen Platz in den Herzen der Kultfilmliebhaber einnehmen werden.

Blaxploitation war/ist ein beliebtes Genre des Exploitation-Films, das in den 70er Jahren geboren wurde und sich auf Geschichten über die sozialen Kämpfe der Afroamerikaner und ihre Fantasien konzentrierte. Diese Filme waren überhöhte, empörende Versionen der Realität und zeigten Hauptfiguren, die überlebensgroß waren. Das Thema befasste sich mit allem, von innerstädtischen Verbrechen (Zuhälter, Spieler, Gangster, Drogendealer, Detektive) bis zu Geschichten über das Übernatürliche (Vampire, dämonische Besessenheit). In den 70er Jahren bekam das „schwarze“ Publikum endlich seine eigenen Helden, die sich auf der großen Leinwand behaupten konnten. Am wichtigsten ist, dass die Filme den Mitgliedern der afroamerikanischen Künstlergemeinschaft die Möglichkeit gaben, darin aufzutreten und gesehen zu werden. Blaxploitation bleibt ein sehr wichtiger Teil der Kultur- und Filmgeschichte.

Dieser Artikel soll lediglich eine kurze Einführung in das Genre des Blaxploitation-Films darstellen. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben.

The Baadasssss Blaxploitation Top 20 from The Grindhouse Cinema Database

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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