Bloodline

Netflix zeigt seit geraumer Zeit, was für ein kreatives Potential in sauber finanzierten Dramen als Film oder Serie steckt. Damit zieht der Streaming Anbieter mit HBO gleich, deren Produktionen ebenfalls seit vielen Jahren zu dem Besten gelten, was man narrativ zu sehen bekommt. Mit Bloodline verwandelte Netflix eine Idee in eine epische Familiensaga, die genau so auch im Ansatz eine Folge CSI: Miami hätte sein können, aber mit den Ausschweifungen eines Jonathan Franzen. Ich brauchte zwei Anläufe aber dann zog mich die Saga in ihren Bann.

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Bloodline startet irgendwann dieses Jahr in die zweite Staffel, jedoch hätte ich fast gedacht, dass die Story bis Staffelende aufgelöst wird. Dem war nicht so. Viel zu komplex offenbarte sich am Ende das Geflecht an Schuld und Sühne, viel zu dunkel waren die aufgezogenen Wolken. Was als idyllischer kleiner Familienbetrieb auf den Florida Keys anfängt, wird zu einer düsteren Saga von Schmerzen, Traumata und Vergangenheitsbewältigung. Am Ende ist klar, dass niemand unschuldig ist, dass jeder Mist gebaut hat, dass es nicht so einfach ist mit Auswege finden. Ein Happy End wird es nicht geben, das zeigen schon die ersten Minuten der Pilotfolge. Von da an wird der Zuschauer auf eine intime Reise in die Familiengeschichte geschleift.

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Doch was war eigentlich passiert? Ohne zu viel zu verraten: Anlässlich eines Familienfestes im Familienhotel am Strand finden sich alle Kinder des alten Rayburn Pärchens zu Hause ein. Die Tochter Meg (Linda Cardellini) lebt ohnehin im Ort und arbeitet als Anwältin. Sohn Kevin (Norbert Leo Butz) ebenso, er ist Schiffsmechaniker in einer kleinen Jachtwerft im Ort. Der jüngste Sohn John (Kyle Chandler) ist Deputy Sheriff und gilt als der verantwortungsvollste in der Familie. Und dann ist da noch Danny (Ben Mendelsohn), der immer alles versaut in seinem Leben, auch er kommt diesmal nach Hause. Zu erst freut sich seine Mutter Sally (Sissy Spacek), sein Vater Robert (Sam Shepard) zeigt ihm die kalte Schulter. Offiziell will sich Danny wieder zu Hause nützlich machen, sich hier wieder niederlassen. Die Skepsis bei den anderen ist hoch. Zu oft hatten sie das schon erlebt, und am Ende versaut er es doch wieder. Oder würde es diesmal anders sein?

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Als Zuschauer entpuppt es sich als eine Achterbahnfahrt. Zuerst weiß man überhaupt nicht wie man Danny einschätzen kann. Dass hier etwas faul ist, merkt man schon an seiner Art. Oder spielt der Regisseur mit Vorurteilen? Nur weil einer raucht und falsche Freunde hat muss er noch nicht böse sein, oder? Dann gerät der Familienvater in gesundheitliche Schwierigkeiten. Ob das etwas mit Dannys Rückkehr zu tun hat? Irgendwie verstehen sich die beiden nicht, und es wird eine Staffel brauchen bis das halbwegs klar wird, warum. Das Verhältnis zu den Geschwistern und auch zur Mutter schwankt. Irgendwie kochen die Gefühle hoch. Hier, an diesem paradiesischen Zipfel der Vereinigten Staaten, wo jeder sein Glück gefunden zu haben scheint, wo „easy living“ keine Utopie ist, ist irgendwie doch alles trügerisch.

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Bloodline ist ein erstklassiges Drama mit hervorragenden Schauspielern, schöner Atmosphäre und durchdachtem Drehbuch. Es ist irgendwo klar auch einem Groschenroman ähnlich, aber es hat einfach viel mehr Tiefe, daher hatte ich eingangs auch Franzen erwähnt. Man fühlt sich fast als Teil der Geschwistergruppe, fiebert irgendwie mit, will dass sich die Konflikte doch bloß irgendwie mit einer Aussprache lösen lassen. Spannendes Serienkino für all diejenigen, die auch ohne Action und Skandale oder Superhelden auskommen.

Die erste Staffel ist ab dem 24.3. in Deutschland auch auf BluRay erhältlich, für die armen Seelen die kein Netflix nutzen. Jetzt bei Amazon.de vorbestellen.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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