Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren

Eigentlich benötigt Tontechniker Jack Terry (John Travolta) nur noch Windgeräusche und einen Todesschrei für die Produktion eines Horrorfilmes. Bei seinen nächtlichen Aufnahmen zeichnet er allerdings mehr auf als ihm lieb ist: Er wird Zeuge des tödlichen Unfalls von Präsidentschaftskandidat McRyan und verstrickt sich in ein Netz aus Korruption, Verschwörung, Erpressung und Mord, an dessen Ende er in einem perfiden erzählerischen Twist auch noch seinen Todesschrei erhalten wird. (Koch Media)

Jack Terry (John Travolta) ist der Ton-Ingenieur für einen Low-Budget-Exploitation-Filmemacher, der die Soundeffekte für geschmacklose Slasher-Filme produziert. Sein Chef Sam (Peter Boyden) ist jedoch unglücklich über den Schrei, den er in einer Duschmord-Szene hört, doch Jack hat die Entschuldigung, dass das, was sie hören, die eigene Stimme der Schauspielerin ist, also ist es wirklich Sams Schuld, dass es so schrecklich klingt. Daraufhin wird Sam wütend und nutzt dies als Auslöser für eine Tirade über die anderen verwendeten Sound-Effekte, die Jack dazu veranlasst, in dieser Nacht mit seinem Aufnahmegerät nach mehr und neuem Material zu suchen – wobei er mehr bekommt, als er erwartet.

In einigen früheren Filmen von Regisseur Brian De Palma zeigte er Interesse an den Verschwörungstheorien, die um die Attentate der sechziger Jahre herum ausbrachen, obwohl diese meistens für schwarz-humorige Zwecke verwendet wurden. Doch dieses Interesse an zwielichtigen Geschäften mysteriöser Organisationen ließ ihn nie ganz los, bis zu Blow Out, der den Vorfall mit Ted Kennedy in Chappaquiddick lose widerspiegelt (der die Chancen des Politikers auf einen Versuch Amerikas Spitzenjob zu ergattern ziemlich ruinierte) und einen Thriller darum herum aufbaut. Viele Zuschauer hielten den Anfang des Films für vielversprechend, wurden aber durch das Finale abgeschreckt, das für die Geschmäcker des Publikums viel zu trostlos ausgefallen war. Dennoch baute Blow Out eine Kult-Anhängerschaft auf.

Ein Großteil davon ist De Palmas brillanten technischen Fähigkeiten zu verdanken, seine selbst verfasste Geschichte auf die Leinwand zu bringen, als er es mit den Kameratricks und dem Sounddesign übertrieb, um eine zutiefst verzweifelte Handlung mit einer aufregenden Inszenierung zu verzieren. Blow Out ist als Hommage an Michelangelo Antonionis Blowup in der Art und Weise zu sehen, wie seine Hauptfigur in die Verschwörung verwickelt wird, obwohl Jack am Ende kaum Zweifel daran hat, dass es sich um ein echtes Verbrechen gehandelt hat. Die Sorge besteht nicht darin, ob ein Verbrechen geschah, sondern darin welche Auswirkungen es auf das Gefüge der Gesellschaft haben würde, so als ob De Palma anerkannte, dass selbst wenn es weitreichende Machenschaften geheimer Mächte geben würde, sie niemals wirklich entlarvt werden würden.

Es ist nicht überraschend, dass zwei Jahrzehnte nach diesen ursprünglichen, weltbewegenden Attentaten, keine Lösung für die dringenden Fragen gefunden wurde. Jack wäre eine Art Abraham Zapruder gewesen (wenn dieser Amateur Detektiv geworden wäre), denn als er in dieser Nacht mit seinem Mikrofon unterwegs ist, hört er ein Auto über eine Brücke fahren, einen Knall und dann das Fahrzeug durch die Barriere in den Fluss darunter krachen. Er springt in den Fluss, um die Insassen zu retten. Im Gegensatz zu Chappaquiddick stirbt jedoch der Politiker und das Mädchen Sally (Nancy Allen) überlebt. Jack bringt sie ins Krankenhaus und bemerkt, dass niemand wirklich hören will, dass ihr zukünftiger Präsident mit einer fremden Frau im Auto unterwegs war, nicht seiner Ehefrau.

Sally ist eine von De Palmas verletzlichsten Figuren, sie repräsentiert zwar nicht gerade die klügste Person auf der Welt, doch Jacks Herz gehört schon recht bald ihr, genauso wie das des Publikums aufgrund Allens hervorragend süßer Vorstellung. Er wird zu ihrem Beschützer und zwar aus gutem Grund, da einer der Intriganten bzw. deren Auftragsmörder (John Lithgow) genauso besessen von dem Fall ist wie Jack. Der plant nämlich eine Mordserie, um seinen eigentlichen Plan, Sally zu ermorden, vertuschen zu können. Es geht letztendlich darum, dass Blow Out dazu neigt, viele Menschen zu verlieren, doch möglicherweise diesmal nicht, weil De Palma seine gewohnte Kaltherzigkeit gegenüber seinen Charakteren an den Tag legt. Nein, hier zeigt er echte Frustration darüber, dass die anständigen Seelen am meisten leiden müssen, während er mit den berüchtigten letzten fünf Minuten ausdrücken möchte worin bloß der Sinn besteht mit guten Absichten gegen The Man anzutreten, wenn man dann am Ende doch nur zu den Verlierern oder Ermordeten gehört. Überraschenderweise fühlt sich Blow Out für einen Filmemacher, der technische Fähigkeiten oft über Emotionen stellt, wie eine echte Tragödie an und zwar wie eine verzweifelt traurige. Pino Donaggios wunderschönes Musikstück Sally and Jack wurde übrigens von Quentin Tarantino für seinen Film Death Proof wiederverwandt.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur : de Palma, Brian
  • Medienformat : Breitbild
  • Laufzeit : 1 Stunde und 47 Minuten
  • Darsteller : Travolta, John, Allen, Nancy, Lithgow, John, Franz, Dennis, Travolta, John
  • Untertitel: : Deutsch, Englisch
  • Sprache, : Deutsch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 2.0)
  • Studio : Koch Media GmbH – DVD

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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