Blutiges Blei / Il prezzo del potere / The Price of Power

Texas, USA: Auf den aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde ein tödlicher Anschlag verübt. Schnell fällt der Verdacht auf den schwarzen Bürger Jack. Doch sein Freund Bill Willer (Giuliano Gemma) glaubt an ein Komplott. Auch der Berater des Präsidenten McDonald glaubt, dass mehr hinter dem Anschlag steckt. Langsam kommen sie einer großen Verschwörung auf die Spur… (MVL – Medienvertrieb Lauenstein)

Einer der ambitioniertesten Filme seiner Art, Blutiges Blei, versucht ein paar Fakten und Fiktion über das JFK-Attentat in den Wortschatz des Italo-Western zu übersetzen. Die Hauptrolle übernimmt einer seiner berühmtesten Stars, Giuliano Gemma, der als William ‚Bill‘ Willer seine Unschuld beweist, indem er die wahren Bösewichte aufspürt und zur Strecke bringt. Es handelt sich hier auch um den Lieblingsfilm des Regisseurs Tonino Valerii, was bedeutet, dass er diesen höher wertet als seine kommerziell erfolgreicheren Filme wie zum Beispiel I giorni dell’ira (Der Tod ritt Dienstags, 1967) oder Il mio nome è Nessuno (Mein Name ist Nobody, 1973). Wir befinden uns in Texas gegen Ende der 1880er Jahre. Präsident Garfield besucht die Südstaaten-Metropole Dallas, obwohl die Staaten der ehemaligen Konföderation seinen Reformplänen gegenüber mehr als feindlich gestimmt sein sollen.

Ein erster Attentats-Versuch, die Sprengung einer Brücke, wird von einem jungen Mann namens Bill Willer verhindert, dessen Vater von den Verschwörern ermordet wurde, da er über deren Plan Bescheid wusste. Ein zweiter Angriff auf das Leben Garfields am helllichten Tag, während einer Parade durch die Straßen von Dallas, ist allerdings erfolgreicher. Einem Freund von Willer, dem Farbigen Jack Donovan (Ray Saunders), wird der Mord angehängt, weil er Zeuge des Verbrechens war und weiß wer die tödlichen Schüsse wirklich abgegeben hat. Auf dem Weg zu seiner Gerichtsverhandlung nach Fort Worth wird Jack ermordet. Nun liegt es an Willer und dem engsten Vertrauten des Präsidenten die Wahrheit aufzudecken. Filme neigen oft dazu eher den Zeitraum widerzuspiegeln, in dem sie gemacht wurden, als die Zeit, die sie beschreiben.

Dies ist insbesondere bei politischen Filmen der Fall, Spaghetti-Western eingeschlossen. Die sogenannten Zapata-Western kommentierten oftmals das revolutionäre Klima europäischer Länder wie Italien und Frankreich. Blutiges Blei macht deutlich, dass eine solche Sensibilität sogar durscheint, wenn ein typisch amerikanisches politisches Thema in Angriff genommen wird. Mehrere explizite Aspekte des JFK-Attentats sind in das Skript hineingeschmuggelt worden – die Ermordung des Sündenbocks, Garfields Kutsche erinnert an Kennedys Limousine, das rosafarbene Kleid der Ehefrau des Präsidenten ist mit dem Blut ihres Mannes bespritzt – aber die Auswahl der Schurken, die für das Verbrechen verantwortlich sind, besteht aus dem typisch italienischen Aufgebot von korrupten Anwälten, Gesetzeshütern und Geschäftsleuten. Darüber hinaus hören sich die meisten Dialoge („Keine Waffe kann jemals eine Idee stoppen!“) eher nach sechziger Jahre Italien, als nach 19. Jahrhundert Texas an.

Das stellt jedoch nicht wirklich ein Problem dar, noch tun das die Freiheiten, die sich Regisseur Valerii und Drehbuchautor Massimo Patrizi herausgenommen haben. Blutiges Blei repräsentiert einen gekonnt inszenierten Thriller/Western, der seine Spannung erhält, indem er den Zuschauer Vermutungen darüber anstellen lässt, was die genauen Beweggründe einiger Charaktere sind und wer Teil der Verschwörung ist. Einige der besseren set-pieces, wie zum Beispiel die Ausführung des Attentats in den Straßen von Dallas, sind besonders gut gemacht zu beschreiben; die Sequenz erinnert sogar an die berühmten Zapruder Tapes, die am Tag des tatsächlichen Attentats auf dem Daily Plaza gefilmt wurden. Trotz alledem ist Il prezzo del potere irgendwie als eine halbherzige Angelegenheit zu bezeichnen.

Mit mehreren Schauspielern sowie Sets aus C’era una volta il West (Spiel mir das Lied vom Tod, 1968), lädt der Film zu Vergleichen mit Leones Meisterwerk ein; und nicht nur aus diesen Gründen. Beide Filme benutzen den Rahmen eines Italo-Western, um etwas zu kreieren, was das Genre transzendiert. Was diesen Aspekt betrifft ist Blutiges Blei allerdings nur teilweise erfolgreich. Insgesamt handelt es sich hier aber um einen äußerst erfreulichen Film, der für Regisseur Valerii einen Schritt nach vorne bedeutete, da seine früheren Filme hin und wieder einen Mangel an Stil aufwiesen. Eventuell hat auch das scharfe Auge von Kameramann Stelvio Massi mitgeholfen und was besonders schön zu sehen ist, das Ober-Stuntman Benito Stefanelli in einer größer angelegten Rolle zu sehen ist. Auch Luis Enríquez Bacalovs atmosphärische Musik ist als sehr gelungen zu bezeichnen.

Das Bild wird uns im Widescreen 2,35:1 Format präsentiert und sieht wirklich gut. Da gibt es, genauso wie beim Ton, gar keinen Grund zur Beschwerde. Es kann zwischen zwei Tonspuren (deutsch, italienisch in DTS-HD Master Audio 2.0) gewählt werden, die sich beide gut anhören. Deutsche Untertitel können leider nur für die gekürzten Stellen im Originalton zugeschaltet werden. Als Extras beinhaltet die Blu-ray neben den deutschen und italienischen Originalkinotrailern noch eine Bildergalerie mit diversen Aushangfotos. Ein Wendecover mit alternativer Gestaltung ist auch vorhanden. MLV gelingt mit Blutiges Blei eine schöne, zufriedenstellende Veröffentlichung. Der Film ist trotz weniger Schwächen mindestens im oberen Mittelfeld des Genres anzusiedeln, denn es gibt genügend Punkte, die den Film durchaus sehenswert und unterhaltsam gestalten. Wer also seine Sammlung um die Blu-ray Version des Films erweitern möchte, der sollte hier unbedingt zuschlagen. Der Streifen ist jedenfalls in keiner besseren Verfassung erhältlich und noch dazu vollkommen ungekürzt.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 18 Jahren
  • Regisseur:‎ Tonino Valerii
  • Medienformat: Dolby, PAL, Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 52 Minuten
  • Darsteller: Giuliano Gemma, Warren Wanders, Fernando Ray, Ray Saunders
  • Untertitel: ‎Keine
  • Sprache: ‎Italienisch (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 2.0)
  • Studio: MVL-Medienvertrieb Lauenstein

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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