Boyz N the Hood

South Central Los Angeles. Drogen, Überfälle und Schießereien stehen hier auf der Tagesordnung. Inmitten des spannungsgeladenen Ghettos versucht Furious (Larry Fishburne), seinen Sohn Tre (Cuba Gooding, Jr.) zu einem anständigen Menschen zu erziehen. Tres Freunde hingegen halten nur wenig von Recht und Ordnung. Sie stürzen das gesamte Viertel in einen blutigen Straßenkrieg… (Sony Pictures Home Entertainment)

Boyz N the Hood ist zweifellos als einer der besten Filme der 90er Jahre zu bezeichnen. Die Tatsache, dass Drehbuchautor und Regisseur John Singleton erst 23 Jahre alt gewesen ist, als er den Film drehte, lässt diese Tatsache noch unglaublicher erscheinen. Singleton kreiert einen der gehaltvollsten und am meisten zum Nachdenken anregenden Großstadtfilme aller Zeiten. Eventuell mag diese Besprechung ein wenig einseitig geworden sein aber ich kann mir nicht helfen, Boyz N the Hood ist schlicht und einfach ein Meisterwerk.

Boyz N the Hood ist schon alleine aufgrund seiner Charaktere und der Art und Weise, wie Singleton sie behandelt, als großartig zu beschreiben. Singleton eröffnet den Film in den 80er Jahren, wo ein 10-jähriger Tre Styles in der Schule in einen Streit gerät und deswegen fortan bei seinem Vater Furious leben muss. Kurze Randnotiz: Wie badass ist eigentlich der Name Furious Styles!?! Nur ein Schauspieler mit Anmut und Energie kann diese Rolle mit diesem Namen verkörpern, was Laurence Fishburne aufs tadelloseste gelingt. Furious lässt sich keine Dummheiten von Tre gefallen, leert ihm Verantwortung und flößt ihm das Wissen ein, das er für ein erfolgreiches Leben braucht. Die weitgehend heruntergekommene Nachbarschaft bietet eine Vielzahl anderer Optionen für die Tres Freunde (ohne Furious‘ Anleitung) sehr viel anfälliger sind. Dies mag wie ein durchschnittlicher Aufbau für eine Gangland-Coming-of-Age-Geschichte erscheinen, doch Boyz N the Hood schafft es, seinen einfach gehaltenen Rahmen zu transzendieren und so tief in die Charaktere einzudringen, sodass es sich schon beinahe wie ein echter Tod anfühlt, wenn einer von ihnen stirbt. Der Regisseur versteht es sehr gut, die vielfältigen Emotionen und das intensive Gefühl des Verlustes realistisch einzufangen, das der Tod eines geliebten Menschen mit sich bringt, was absolut erdrückend zu beobachten ist.

Was bei Boyz N the Hood auch absolut fantastisch rüberkommt, ist die Schauspielerei. Jeder und ich meine wirklich jeder, liefert hier eine phänomenale Leistung ab. Das Drehbuch ist als stark und die Regieführung als hervorragend zu bezeichnen, doch ohne (mindestens) gute Schauspieler, die das Ganze dementsprechend umsetzen können, nützen auch das beste Skript und der beste Regisseur nichts. Singletons Charaktere sind beinahe alle nahezu perfekt besetzt worden, wobei Cuba Gooding Jr. (als vielversprechendes Kind) und Ice Cube (als sein Nachbar mit schlechtem Einfluss) brillant aufspielen. Die beiden jungen Männer agieren wie alte Freunde und zeigen, dass sie das Zeug dazu haben gute Schauspieler zu werden. Klar, Ice Cube war bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich als Musiker unterwegs gewesen und spielt einen Charakter, der ihm recht nahe kommt, aber er zeigt sich schon so ziemlich auf dem richtigen Weg („We got a problem here?“). Die bei weitem wichtigste Person des Streifens stellt allerdings Furious dar. Laurence Fishburne ist schon immer ein hervorragender Schauspieler gewesen, wobei die Rolle des Furious Styles zu seinen besten gezählt werden dürfte. Furious repräsentiert die Stimme der Vernunft, die gegen Gentrifizierung und sinnlose Gewalt am eigenen Volk ins Feld zieht. Fishburne bietet dabei eine ruhige Vorstellung, die direkt unter der Oberfläche vor Intensität jedoch nur so strotzt.

Jenseits der Coming-of-Age Geschichte geht es in Boyz N the Hood darum, wie die Anwendung von Gewalt nur zu noch mehr Gewalt führt. Zum größten Teil handelt es sich hier um ein Charakterdrama, das ziemlich wenig Kriminalität oder Kriminelle porträtiert. Der Film setzt seine Charaktere und die Welt, in der sie leben, so sorgfältig und mit so lebendigen Details in Szene, sodass man manchmal denken könnte, man würde sich eine Dokumentation ansehen. Wenn die Gewalt dann (endlich) kommt, dann schlägt sie genauso hart, wie schnell zu, eben genau wie im wirklichen Leben. Obwohl dies einem den ganzen Film über bewusst ist, verringert das den daraus resultierenden Schmerz und die Traurigkeit nicht im Geringsten. Der Film beginnt mit einer Statistik über black-on-black Morden, gefolgt vom ersten Bild des Films: einem Stoppschild an einer beliebigen Straßenecke. Die Botschaft ist dabei von Anfang an klar, doch die Reise, die es braucht, um den Standpunkt der Filmemacher zu untermauern, ist wahren Herzens und unerschütterlicher Integrität.

Boyz N the Hood, Menace II Society und New Jack City sind alles Filme über „schwarze“ Kriminelle, die ihr Publikum dazu ermutigen möchten, es besser zu machen als die Protagonisten, anstatt einfach nur den Gangster-Lifestyle verherrlichen zu wollen. Die erste halbe Stunde von Boyz N the Hood kommt wie ein auf „Schwarze“ fokussiertes Stand by Me: Das Geheimnis eines Sommers (1986) oder The Goonies (1985) rüber, während Attack the Block (2011) definitiv ebenfalls in diese Richtung geht, wobei man allerdings die Tatsache nicht ignorieren kann, dass in diesem Streifen alle Kinder (und nicht nur Doughboy) Delinquenten sind, die kleinere Einbrüche und andere ähnliche Delikte begehen. Boyz N the Hood stellt auf ganzer Linie einen absoluten Triumph dar.

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  • Seitenverhältnis:16:9 – 1.85:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎John Singleton
  • Medienformat: ‎4K, Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 52 Minuten
  • Darsteller: ‎Cuba Gooding Jr., Morris Chestnut, Ice Cube
  • Untertitel:‎ Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Finnisch, Dänisch, Norwegisch, Isländisch, Schwedisch, Niederländisch, Portugiesisch, Chinesisch, Koreanisch, Thailändisch, Spanisch, Türkisch, Arabisch
  • Sprache: ‎Italienisch (Dolby Digital 5.1), Polnisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Türkisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby TrueHD 7.1), Portugiesisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1), Spanisch (Dolby Digital 5.1)
  • Studio: ‎Sony Pictures Home Entertainment

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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