Branded to Kill – Koroshi no rakuin

Branded to Kill

Hanada (Jo SHISHIDO) führt ein aufregendes Leben. Er liebt seine Frau (Mariko OGAWA) und den Duft von kochendem Reis. Er ist einer der besten Killer Killer No. 3, um genau zu sein. Doch eines Tages tritt die mysteriöse Misako (Mari ANNU) in Hanadas Leben und erteilt ihm einen fatalen Auftrag. Hanadas Alptraum beginnt: Er versagt und das Opfer überlebt. Nun ist ihm sein eigenes Syndikat auf den Fersen, seine Frau verrät ihn und Killer No. 1 (Koji NAMBARA) fordert ihn zu einem Zweikampf auf Leben und Tod … (Rapid Eye)

Branded to Kill

Wie Tokyo Drifter ist auch Seijun Suzukis Branded to Kill ein seltsamer, schrulliger und launiger Gangster-Film, der sich vom Rest dieses Sub-Genres abgrenzt und sich auch wunderbar im Pop-Kino der Sechziger ergeht. Während die Charaktere und der Plot des Films manchmal schwer zu durchdringen sind, spielen hier Suzukis hervorragender Sinn für Stil und seine hämische Verspottung von Genrekonventionen die eigentliche Hauptrolle. Die Handlung von Branded to Kill ist zwar simpel gehalten, wirkt allerdings dennoch charakteristischerweise überkompliziert. Vereinfacht ausgedrückt: Auftragsmörder Goro Handa und seine Frau Mami steigen nach ihrer Ankunft in Tokio in ein Taxi. Der Fahrer Kasuga ist ein ehemaliger Hit-Man, der Goro bittet ihm bei einem Job zu helfen, um wieder in das Geschäft einsteigen zu können. Ihr Auftrag ist einfach; sie sollen einen Clienten eskortieren und sicherstellen, dass er sicher in Nagano ankommt. Die Dinge beginnen schief zu gehen, als die beiden auf dem Rücksitz des abzuholenden Fahrzeugs eine Leiche finden. Trotzdem begeben sie sich auf den Weg, auf dem sie von bewaffneten Männern überfallen werden, was zu Kasugas Tod führt. Goro wird glücklicherweise von Misako, einer femme fatale mit Todessehnsucht aufgelesen, nachdem sein Fahrzeug unbrauchbar geworden ist. Etwas später wird Goro erneut angeheuert, um vier Männer umzubringen, die anschließend alle auf außergewöhnliche Art und Weise gemeuchelt werden. In einem Fall erledigt er einen Ocularisten, indem er den Lauf seiner Pistole in ein zerlegtes Abflussrohr steckt und dem Mann durch das Waschbecken ins Auge schießt (siehe später auch Ghost Dog – Der Weg des Samurai, 1999). Ein anderes Mal gelingt es ihm einem Mordanschlag auf einem riesigen schwebenden Werbe-Ballon zu entkommen. Suzuki scheint diese Momente der Gewalt in cartoonish, übertrieben lächerliche Gags umwandeln zu wollen, welche die Hauptmerkmale des Gangster-Genres verhöhnen.

Branded to Kill

Genauso wie die französische New Wave Avantgarde das Genrekino aufs Korn nimmt, so sind auch Suzukis Gangsterfilme das Ergebnis einer lebhaften und aufregenden Ära des Filmemachens. Branded to Kill hat nach all den Jahren nicht an Frische und Innovativität verloren. Der unkonventionelle Stil des Regisseurs und dessen Hingabe zur Ikonographie der Popkultur hat einige unserer größten modernen Genre Filmemacher deutlich beeinflusst; am meisten, Quentin Tarantino. Doch besonders Jim Jarmuschs (dessen Gangsterfilme ebenso „seltsam“ anmuten und seine Obsession mit der japanischen Kultur offensichtlich ist) Ghost Dog erinnert stark an Branded to Kill. Goro ist von dem Geruch von gekochtem Reis besessen; eine absolut lächerliche Marotte, die uns darauf hinweist, dass die Laster unserer Protagonisten nicht immer so cool sein müssen, wie Frauen und/oder Martinis. Cool ist allerdings der Klimax des Films, der Killer Nr. 3 Hanada und den mysteriösen Killer Nr. 1 in einem Boxring innerhalb einer leeren Arena die finale, weil todbringende, Konfrontation austragen lässt. Eine mutige, da ziemlich comichafte Einstellung, die als ein großer kathartischer Moment, sowohl für die Charaktere, als auch das Publikum funktioniert. Nachdem sich mit der Komplexität und der Politik der organisierten Kriminalität auseinandergesetzt werden muss, gibt es nichts besseres als fünf Minuten im Ring, um die entstandenen Differenzen zu klären. Ach ja, Naozumi Yamamotos Musik passt super zum Film und müsste unbedingt auf CD erhältlich sein (!?).
Branded to Kill

Branded to Kill sieht auf BluRay, vor allem im Vergleich zu Sword of Doom, wirklich sehr gut aus. Nicht, wie mit Tokyo Drifter’s irrer Farbenpalette, ist dieser Film in schwarz/weiss gedreht und der HD-Transfer ist Rapid Eye Movies hier klasse gelungen. Das Bild wird uns 1080/24p im 16:9 – 2.35:1 Format präsentiert, hat eine angenehme Auflösung und gute Schärfe. Beim Ton steht eine japanische Spur (DTS HD-Master Mono) zur Verfügung, die hervorragende Qualität bietet. Deutsche Untertitel gibt es selbstverständlich auch. Als Boni stellt uns Rapid Eye ein 16-seitiges Booklet (Branded to Kill oder Die Filmische Identität von Tom Mes) mit interessanten Hintergrundinformationen zum Film, den original Kinotrailer und Interviews mit Seijun Suzuki (23:24), Joe Shishido (26:02) und Takeo Kimura (23:24) bereit. Die Veröffentlichung kommt in einem ansprechend gestalteten Pappschuber daher, wobei zusätzlich an ein Wendecover mit verschiedenen Motiven gedacht worden ist. Insgesamt ein rundum zufriedenstellendes Produkt, das Freunde des asiatischen Gangsterfilms begeistern sollte.

Branded to Kill

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  • Darsteller: Joe Shishido, Mariko Ogawa, Annu Mari
  • Regisseur(e): Seijun Suzuki
  • Sprache: Japanisch (DTS HD Mono)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Rapid Eye Movies (Alive AG)
  • Produktionsjahr: 1967
  • Spieldauer: 91 Minuten

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Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Rapid Eye Movies zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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Eine Antwort

  1. 25. Januar 2016

    […] Ein Film, den ich einst im Dritten gesehen habe und der mich bis heute nicht losgelassen hat ist Seijun Suzukis hochgradig seltsamer „Branded to kill“. Nach Bluntwolfs Review der neuen Blu-ray auf Nischenkino wird der jetzt umgehend […]