Bucktown

Eigentlich will Duke (Fred Williamson) nach der Beerdigung seines Bruders Ben nur rasch dessen Club im Südstaatenkaff Bucktown verkaufen. Doch da er das erst in zwei Monaten darf, verlängert er die Schanklizenz und macht wieder auf. Das missfällt den rassistischen Cops, die hier regieren. Doch Duke lässt sich nicht einschüchtern. Mit Bens sexy Flamme Aretha (Pam Grier) und ein paar alten Kumpels erteilt er den Bullen eine gehörige Lektion…

Duke Johnson reist nach Bucktown, um an der Beerdigung seines Bruders teilzunehmen. Das Erste was er mitbekommt, nachdem er aus dem Zug gestiegen ist, ist wie ein „weißer“ Polizist einen „Schwarzen“ verprügelt, was den Ort gleich mal in einem schlechten Licht erscheinen lässt. Dann vergisst der Taxifahrer (der Duke zu der Bar seines Bruders bringen soll) zu erwähnen, dass diese geschlossen ist, seitdem sein Bruder vor ein paar Tagen das Zeitliche gesegnet hat. Duke bricht daraufhin zu Fuß zum nahe gelegenen Hotel auf, wo ihm gleich nach dem Einchecken die Dienste der örtlichen Prostituierten angeboten werden. Nein, es handelt sich hier um keine besonders großartige oder schillernde Stadt, während Duke tiefer in deren dunkle Machenschaften hineingezogen wird, als er es jemals erwartet hätte.

1975 war der Stern des Blaxploitation-Phänomens schon wieder am Sinken, doch es hatte durchaus einige Stars hervorgebracht, die das Publikum auch weiterhin anziehen sollten. Dabei war es vollkommen egal, ob sich die für ein afroamerikanisches Publikum kreierten Filme weiter zu entwickeln begannen oder an Schwung verloren, je nachdem von welchem Standpunkt aus man das gesamte Genre betrachtete (wenn eine solche Fülle von Filmen mit so derart unterschiedlichen Beispielen überhaupt als unabhängiges Genre bezeichnet werden kann). Als sich in den 80er-Jahren die Hip-Hop-Kultur zu etablieren begann, sollte Blaxploitation wieder zu neuem Leben erweckt werden, während führende Männer wie Fred Williamson auch schon vorher ihre Karriere fortsetzten, wo auch immer sie gebraucht wurden, was Europa einschloss, wo sich Williamson zu einem ziemlich gefragten Exploitation-Star entwickelte.

Bucktown entstand zu einem Zeitpunkt, an dem Williamson feststellen musste, dass seine amerikanischen Filme nicht mehr die Renner waren, die sie einst darstellten. Ihm zur Seite steht die wahrscheinlich am meisten verehrte Blaxploitation-Berühmtheit der Ära, Pam Grier, die hier die Rolle der Aretha übernimmt, einer alleinerziehenden Mutter und Witwe von Dukes Bruder. Grier wurde sehr dafür geschätzt, Standardrollen anzunehmen und daraus etwas Besonderes zu machen, so wie hier, wo sie es beim regulativen Liebchen hätte belassen können, doch stattdessen ließ sie echte, rechtschaffene Wut in ihre Rolle einfließen, die Duke überhaupt erst dazu bringt in diesem Höllenloch zu bleiben, um zu versuchen die Stadt beinahe im Alleingang zu säubern, wie sich letztendlich herausstellt.

Nun, am Ende hat er noch Arethas Unterstützung, die ihres kleinen Sohnes Steve (Tierre Turner) sowie die des lokalen Säufers Harley, in dem Starsky und Hutch Fans Bernie Hamilton wiedererkennen dürften, wo er von 1975 bis 1979 in 91 Folgen die Rolle des Capt. Harold Dobey übernahm. Dort machte er sich einen Namen, indem er Paul Michael Glaser und David Soul herumkommandierte, was aufzeigt, dass er mehr an schauspielerischer Reichweite zu bieten hatte, als es Bucktown vermuten lässt, wo er einen ziemlich armseligen, ausgenutzten Charakter spielt. Der soll nämlich als Stellvertreter der Bewohner des Städtchens (die unterdrückt werden und keinen Ausweg aus ihrer Misere finden können, weswegen sie weiterhin dem Glücksspiel, dem Alkohol und den Huren frönen, um die Realität ihrer Situation bewältigen zu können) fungieren und somit Sympathie bzw. Mitleid beim Publikum hervorrufen. Zunächst ist die Abteilung des Sheriffs für diesen miserablen Zustand verantwortlich und als Duke herausfindet, dass sie auch seinen Bruder ermordet haben (ihm wurde mitgeteilt, er sei aufgrund einer Krankheit verstorben), begibt er sich auf einen Rachefeldzug.

Interessanterweise begnügt sich Bucktown nicht damit, als purer Western im Blaxploitation-Kostüm zu funktionieren und den Rest des Films zu porträtieren, wie Duke und seine Großstadtkumpels (die er zur Hilfe geholt hat) die korrupte Polizei besiegen. Roy (Thalmus Rasulala), T.J. (Tony King) und Hambone (Carl Weathers) kommen eigentlich wie anständige Kerle rüber, bis sich einer von ihnen Aretha gegenüber respektlos verhält. An diesem Punkt angekommen, wird man vermutlich bereits ahnen können wohin das Ganze noch führen wird. Sobald Dukes Mitstreiter die Stadt übernommen haben, verhalten sie sich im Grunde genommen genauso schlimm, wie die Cops es vorher getan haben, weswegen sich Duke jetzt eingestehen muss, dass er ein selbst kreiertes Monster entfesselt hat. Das lässt ihn als den letzten aufrichtigen Mann zurück, der nun wählen muss, ob er sich dem Bösen anschließen oder entgegenstellen soll. Selbstverständlich gipfelt das Ganze erwartungsgemäß in viel Gewalt, mit einem gepanzerten Auto, das sich für erinnerungswürdige Szenen als ziemlich nützlich erweist und einer riesigen Schlägerei, um die Dinge recht schwungvoll zu beenden. Als Animal Farm (1954) im Blaxploitation-Stil erweist sich der Streifen schon ein wenig intelligenter als einige seiner Zeitgenossen und liefert auch genügend an übertriebener Action ab, um das Publikum bei Laune zu halten.

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  • Aspect Ratio: ‎16:9 – 1.85:1
  • Language:‎ English
  • Media Format:‎ DVD-Video
  • Subtitles: ‎French, Spanish
  • [Region 1] [US Import] [NTSC]

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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