Buffalo Bill und die Indianer

Buffalo Bill

Buffalo Bill and the Indians, or Sitting Bull’s History Lesson, hierzulande als Buffalo Bill und die Indianer bekannt, ist eine Filmsatire von Robert Altman (McCabe & Mrs. Miller) aus dem Jahr 1976. In den Hauptrollen spielen Paul Newman den Star, „Buffalo Bill“ Cody, Joel Grey den Produzenten, Kevin McCarthy den Publizisten, Harvey Keitel einen Journalisten, Geraldine Chaplin die zielsichere Annie Oakley, Will Sampson den Übersetzer und Frank Kaquitts Sitting Bull. Damit nicht genug, Shelley Duvall spielt die First Lady, Burt Lancaster den Legendenerzähler und Pat McCormick den Präsident Grover Cleveland.

Buffalo Bill

Worum gehts? Buffalo Bill zog damals ja mit seiner Show durch die Lande und verbreitete seine Erzählung des wilden Westens, aufgebaut auf dem fragwürdigen Mythos seiner eigenen Person. Damals wie heute waren die Zuschauerzahlen natürlich eine wirtschaftliche Konstante die dem Herrn im Nacken saßen. Als möglicher Glücksgriff soll sich für ihn die Bereitschaft der Armee erweisen, dass der im Reservat quasi inhaftierte Sitting Bull, sich seiner Show als quasi lebensechtes Exponat anschließt, und seine Truppe an Schaustellern, vom Messerwerfer bis zum Dressurreiter, ergänzt. Der Film erzählt im Stil eines unkommentierenden Beobachters einige Tage im Camp von Buffalo Bill, der Dynamik zwischen ihm, seiner Crew und den trotzigen Sioux, aber auch der kritischen Öffentlichkeit im Lichte seiner Umdeutung von Geschichte. Besonders brisant natürlich: die Degradierung des großen Häuptlings zum bloßen Schauwert, und dessen Unterordnung in eine fiktionalisierte Version des Wilden Westens, die schon damals die reale längst in ihrer Wahrnehmung überholt hat. Manches „Bild“ das auch wir vom Wilden Western haben hat wenig mit historischer Genauigkeit zu tun sondern mehr mit dem medialen Bild das uns durch die pseudo-populäre Narrativ von Buffalo Bill und Zeitgenossen eingetrichtert wurde. Buffalo Bill war ein Meister im Marketing, aber er war selbst weder Held noch Wohltäter, kein Historiker und selbst kein Wertschätzer – er war ein Ausbeuter, und damit hält – damit ich den Bogen hier noch kriege – Altman hier der Mediengesellschaft der USA den Spiegel vor.

Buffalo Bill

Mit „ladies and gentlemen, injuns“ soll er Veranstaltungen eingeführt haben. Doch man lernt nicht besonders viel über den Mann, es ist keine Biografie. Cody, dessen Erfolg auf dreistem und auch erfinderischem Marketing und Mythen basiert, nicht auf echten Errungenschaften. das ist eine Story die sehr amerikanisch ist in vielerlei Hinsicht, und auch richtungsweisend. Seine Show prägte das Bild des wilden Westens für das junge amerikanische Publikum und zementierte damit auch Stereotypen und Vorurteile die bis heute andauern, sich auch in Schulbüchern festigten und den Umgang mit der Geschichte beinflussten. Buffalo Bil wird hier, vermutlich zu recht, als Blender, Rassist und arroganter Selbstdarsteller gezeichnet. Die Native Americans sind für ihn in erster Linie ein Produktionswert, keine ebenbürtigen Menschen. Und das Publikum johlt mit.

Buffalo Bill

Der Film ist definitiv kein richtiger Western, es ist eher eine Satire auf den Umgang der Entertainmentbranche mit der eigenen Landesgeschichte. Altman tut dies indem er ungeniert die Kamera auf das Schaustellerleben hält, sich aber nicht kommentierend einbringt, nicht einordnet oder erklärt. Man hat es hier nicht mit echtem Cinema Verite zu tun, aber in diesem pseudo-dokumentarischen fast schon anarchischen „einfach mal Filmen was so improvisiert wird“ Stil, wie das damals durchaus hip war, und auch von Godard und Co zur Anwendung kam.

Buffalo Bill

Ich persönlich konnte dem Film nicht allzuviel abgewinnen muss ich sagen. Viel schauspielerisches Potential wurde hier verschwendet, der Stil macht den Films sehr unzugänglich und obwohl die Thematik keinen Tag gealtert ist, taugt der Film als anklagendes Werk mangels seiner Wirkung kaum mehr. Es ist damit höchstens eine obskure Entdeckung in den Filmographien der Beteiligten, ob Robert Altman oder Paul Newman, aber Buffalo Bill and the Indians ist aus heutiger Sicht quasi nur noch für Fans und Amerkanistik-Studenten wirklich interessant.

Die BluRay (im Mediabook mit einer DVD Version) bietet sehr gutes Bild ein einer schön restaurierten Widescreen-Präsentation die realistische Farben, gute Kontraste und viel Schärfe bietet ohne übermäßiges Edge Enhancement. Der Ton klingt ebenfalls gut (Englisch getestest, es gibt auch eine deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in beiden Sprachen). In Sachen Extras gibt es den US Treaser und den US Trailer mit oder ohne Voice-Over, sowie eine Bildergalerie und ein kurzes 4-minütiges Making-Of „From the Prairie to the Palace“. Dem Mediabook liegt ein Booklet bei, das mir zur Bewertung allerdings nicht zur Verfügung stand. Allesamt etwas wenig Futter für Cineasten, also kein optimaler Ausgangspunkt für Abenteuer in das Werk von Altman, aber immerhin eine qualitativ sehr solide Präsentation und eine schöne Aufmachung.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt. Screenshots von der Kino Lorber Scheibe.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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