Cadillac Man

Autoverkäufer Joey O’Brian ist in Nöten. Das ungeklärte Verhältnis zu seiner Ex-Frau, das widerspenstige Fräulein Tochter, eine tyrannische Mutter und die intimen Beziehungen zu den Frauen seiner Arbeitskollegen bescheren ihm ständigen Stress. Zu allem Überfluss kündigt sein Boss an, künftig nur noch den besten Autoverkäufer beschäftigen zu wollen. Joey gerät endgültig in Panik. Zwar verfügt auch er über ein goldenes Plappermäulchen, aber seine Kollegen sind im Beschwatzen der Kunden noch gewiefter. Um den Job zu behalten, müsste schon ein Wunder geschehen. Da kommt ein Schwerbewaffneter mit düsteren Absichten durch die Verkaufshalle geschossen. Joey wittert sofort seine große Chance… (Wicked-Vision)

Die grausame Realität ist, dass Robin Williams zwar ein brillanter Darsteller war (wohl einer der lustigsten Männer der Welt), sein Geschmack an Drehbüchern allerdings zu wünschen übrig ließ. Man hat gute Erinnerungen an Aladdin und der König der Diebe (1996), Good Will Hunting (1997) und Good Morning, Vietnam (1987), doch Cadillac Man von 1990 erinnert einen hervorragend daran, dass Williams nicht immer Gold aus glanzlosen Drehbüchern „spinnen“ konnte. Hier spielt er die Hauptrolle in einem Film, der eine verrückte Geiselkomödie sein soll, sich aber weitestgehend als unlustiges, unfokussiertes Durcheinander herausstellt, welches vollkommen von der Komik des Hauptdarstellers abhängig ist. Vielleicht suchte Regisseur Roger Donaldson nach einer Abwechslung, nachdem er mit No Way Out – Es gibt kein Zurück (1987) und Cocktail (1988) ernüchternde Kassenerfolge erzielt hatte, doch er ist nicht der leichtsinnige Typ, der Cadillac Man frustrierend gedämpft hält, wenn es um Pointen und inspirierten Wahnsinn geht, was dem Feature ein Gefühl der Dunkelheit verleiht, das für das manische Unheil, welches es zu kommunizieren hofft, völlig fehl am Platz ist.

Joey (Robin Williams) versucht seinen Kopf über Wasser zu halten, wobei sich die Probleme in seinem Leben allerdings vervielfachen. Er ist ein Autoverkäufer, der vorm Verlust seines Arbeitsplatzes steht, wenn er während des großen Verkaufstages seines Arbeitgebers nicht eine vorgegebene Anzahl von Autos verkauft. Außerdem muss er mit der schwierigen Beziehung zum Sohn (Jack = Paul Gulifoyle) seines Chefs, zurechtkommen, der Joeys Wohnung benutzt, um eine Affäre mit der Empfangsdame Donna (Annabella Sciorra) aufrecht erhalten zu können. Joeys Beziehungen zum weiblichen Geschlecht leiden unter seiner Ex-Frau Tina (Pamela Reed), die sich Sorgen um das Wohlergehen ihrer jugendlichen Tochter macht. Joy (Fran Drescher), eine verheiratete Frau, die Joey liebt, ihren Ehemann aber nicht verlassen kann und Lila (Lori Petty), eine aufstrebende Modedesignerin, die einfach nicht zur Ruhe kommt, machen Joeys Leben nicht gerade leichter, der dem Mob außerdem noch 20.000 US-Dollar schuldet. Joey ist bereit sich bei der Arbeit zu beweisen und ist fest entschlossen die vorgegebene Menge an Autos zu verkaufen, wird dann jedoch mit Larrys (Tim Robbins) Zorn konfrontiert, der Donnas schwachköpfiger Ehemann ist und mit einer AK47 sowie Sprengstoff in das Gebäude stürmt und droht den mysteriösen Mann zu töten, der mit seiner Frau geschlafen hat.

Sollte es einen Schauspieler gegeben haben, der geboren wurde, um einen Autoverkäufer zu spielen, dann kann es sich dabei nur um Robin Williams handeln. Seine einzigartigen Begabungen der Improvisation und allgemeinen persönlichen Intensität passen perfekt zu Joeys Beruf, wobei der Schauspieler versucht, die Bedürfnisse des Charakters zu erfüllen, indem er ein professionelles Aussehen mit einem widerwärtigen Schnurrbart beibehält und sein natürliches Charisma zurückhält, um die Haltung des Raubtiers einfangen zu können. Die Eröffnungssequenz des Films beschreibt die Tiefen von Joeys professionellem Antrieb, der auf dem Weg zur Arbeit anhält, um einen stockenden Trauerzug zu unterstützen, nachdem der Leichenwagen liegengeblieben ist. Bald bietet er jedem, mit dem er Augenkontakt hat eine Visitenkarte an, während er bei einem Sargtransfer hilft. Hierbei handelt es sich um eine vielversprechende Sequenz, die Joeys Schamlosigkeit und Williams‘ Komfort in der Rolle demonstriert und Cadillac Man einen düsteren Comic-Ton verleiht, der ihn gerade noch so aus dem Bereich der Albernheit heraushält.

Cadillac Man vermag es nicht die Stimmung dieser inspirierten Szene aufrecht zu erhalten und versucht schon recht bald nur noch die Größe der Prämisse zu verwalten, die einen Autoverkäufer gegen einen gewalttätigen Idioten stellt. Auch die Bedürfnisse des Herzens werden in Joeys Beziehung zu Tina erforscht, die er immer noch liebt, aber nicht ertragen kann. Zudem teilen die beiden die Angst über den aktuellen Status ihrer Teenager-Tochter, die nämlich vermisst wird und vermutlich mit ihrem Freund ausgebüxt ist. Joey hat auch Gefühle für Joy, die mit ihrem Geliebten davonlaufen will, sich aber nicht von ihrem eigenen Ehepartner trennen kann. Joey sieht Lila eher als ein Spielzeug an, verkörpert aber auch hier einen großen Softie, der versucht, die jüngere Frau zu trösten, während sie mit den Problemen des Lebens kämpft. Es ist schon ein bisschen seltsam zu sehen, wie Cadillac Man versucht einen Charakter zu normalisieren, der alle seine Frauen offen hintergeht und in einer Branche arbeitet, in der es hauptsächlich darum geht, den Kunden zu „betrügen“. Zudem unterhält Joey eine enge Beziehung zum organisierten Verbrechen, während Drehbuchautor Ken Friedman nicht willens ist, solche Toxizität zu sezieren und Joeys Verhalten als einfache Freundlichkeit ausspielt, die beginnt Amok zu laufen, weil er unfähig ist, irgendjemandem auch mal nein zu sagen.

Es dauert satte 40 Minuten bis Larry mit einer automatischen Waffe in das Autohaus eindringt, wobei das, was eigentlich eine Farce sein sollte, bald todernst wird, wenn er versehentlich auf Donna schießt und eine Kugel ihre Kopfhaut streift. Cadillac Man gerät schnell zu einer einfachen Geiselkomödie, bei der die Polizei das Autohaus umstellt und die Freilassung von Geiseln fordert, während Joey und Larry zu einer Art Team werden, in dem der Verkäufer als Trainer für den bewaffneten Idioten fungiert und versucht, die hitzige Konfrontation abzukühlen, indem er vorgibt Donnas einziger Liebhaber zu sein. Cadillac Man setzt auf Hysterie mit schreienden Nebencharakteren und dem allgemeinen Chaos von Larrys AK47-Autorität und es gibt sogar einen ständig bellenden Hund (Dreschers eigenes Haustier), allerdings jedoch keinen Sinn für Humor, um die Vorgänge interessant zu halten. Alles was der Streifen zu bieten hat ist lediglich Lärm und unlustiger Lärm noch dazu, wobei Williams sichtlich darum kämpft, etwas Gutes für ausgewählte Momente auf die Beine zu stellen. Tim Robbins stellt dabei keine Hilfe dar und ist höchstens darum bemüht Larry als Blue-Collar-Misfit zu definieren, anstatt den klar gestörten Charakter zu geben, der im Film gezeigt wird.

Es gibt einige Kuriositäten in Cadillac Man, die die Aufmerksamkeit des Betrachters von der Geschichte ablenken. Donaldsons verwirrendste Entscheidung ist Joeys inneren Monolog zu inkludieren, um dessen Denkprozess verstehen zu können, ohne dass eine mündliche Darstellung erforderlich ist. Es gibt jedoch auch einige Momente, in denen Williams die vierte Wand durchbricht, so als würde Joey von einer Dokumentarfilm-Crew begleitet. Vielleicht handelt es sich dabei um eine schlechte Idee, die schon früh wieder aufgegeben werden sollte, doch sie verbleibt im gesamten Film und trägt zum verwirrenden Ton des Streifens bei, der sich immer so präsentiert, als ob er viel komischer bzw. lustiger sein möchte, als er tatsächlich ist. Einigen verpatzten Ideen des Geschichtenerzählens gelingt es nicht Cadillac Man zu bereichern, im Gegenteil, sie fügen dem Seherlebnis, das bereits durch schlechte Regie und ein dürftiges Drehbuch verkrüppelt wurde, eine zusätzliche Desorientierung hinzu. Cadillac Man ist sicherlich nicht der schlechteste Film, den Robin Williams je gedreht hat, stellt jedoch trotzdem eine enttäuschende Erfahrung dar.

Wicked-Vision veröffentlicht Cadillac Man in einer Scanavo Box auf BluRay als Special Edition. Bild (1,85:1/1080p) und Ton (deutsch + englisch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf hohem Niveau, da gibt‘s nichts zu meckern. Deutsche Untertitel können zugeschaltet werden. Insgesamt handelt es sich bei Cadillac Man um eine äußerst gelungene Edition, die in keinem Regal von Robin Williams Liebhabern fehlen sollte.
Extras:
24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach; Audiokommentar mit Regisseur Roger Donaldson; Bildergalerie; Deutscher Trailer; Originaltrailer

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  • Darsteller: Robin Williams, Tim Robbins, Pamela Reed, Lori Petty, Fran Drescher
  • Regisseur(e): Roger Donaldson
  • Format: Letterbox
  • Untertitel: Deutsch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.85:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Wicked Vision Distribution GmbH
  • Produktionsjahr: 1990
  • Spieldauer: 98 Minuten

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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