Cannibal Man / La semana del asesino

Der junge Marcos ist Arbeiter in einer Konservenfabrik, die unmittelbar mit einem Schlachthof verbunden ist. Dort erlebt Marcos Tag für Tag die blutige Atmosphäre des Tötens. Er watet durch ein Meer aus Blut, schlachtet, teilt und entweidet animalische Kreaturen und entwickelt eine tägliche Routine im Auslöschen existierenden Lebens. Eines Tages wird er gemeinsam mit seiner Freundin nach einem abendlichen Trip aus dem Taxi geworfen und nach einem heftigen Streit ermordet er den Taxifahrer. Seine Freundin kann den Tod des Mannes nicht verschweigen und möchte sich der Polizei anvertrauen, doch damit unterzeichnet auch sie ihr Todesurteil. Vollkommen aus der Bahn geworfen, entwickelt sich Marcos vom einfachen Arbeiter zu einer mordenden Bestie in Menschengestalt und immer mehr Menschen fallen seinem Handwerk des Schlachters zum Opfer. Doch Marcos muss einen Weg finden, die Leichen zu beseitigen und die Lösung ist einfach, aber schockierend! (Subkultur Entertainment)

Cannibal Man wurde bereits einige Male im Ausland auf DVD veröffentlicht und bekommt sein weltweites Blu-Ray Debüt von Subkultur Entertainment spendiert. Unter der Regie von Eloy de la Iglesia (Una gota de sangre para morir amando / Dead Angel – Einbahnstraße in den Tod, 1973), erzählt Cannibal Man die Geschichte eines Mannes namens Marcos (Vicente Parra), der seine Arbeit in einem schmutzigen Schlachthof verrichtet (was dem Film die Gelegenheit bietet, in den ersten paar Minuten einige sehr reale und sehr verstörende Aufnahmen von enorm blutiger Schlachthofarbeit zu zeigen). Sollte er gerade einmal nicht bei der Arbeit sein, so versucht er die ziemlich turbulente Beziehung zu seiner Verlobten Paula (Emma Cohen) am Laufen zu halten. Eines Nachts, als sie sich auf dem Weg nach Hause befinden, beginnen sie sich auf dem Rücksitz eines Taxis zu lieben … naja … zumindest zu küssen. Dem Taxifahrer gefällt ihr Verhalten allerdings überhaupt nicht, weswegen er die beiden Lovebirds aus dem Fahrzeug schmeißt und Paula bedroht. Marcos reagiert darauf extrem empfindlich und schlägt dem Fahrer mit einem Stein ziemlich heftig auf den Kopf, worauf der sofort zu Boden geht und reglos liegen bleibt, während Paula und Marcos erschrocken vom Tatort fliehen.

Als die Beiden durch die Zeitung erfahren, dass der Taxifahrer gestorben ist, wird Paula von Schuldgefühlen überwältigt und fühlt sich aufgrund Marcos‘ Tat furchtbar schrecklich. Sie würde am liebsten zur Polizei gehen, doch Marcos erlaubt es unter keinen Umständen. Nachdem sie ein letztes Mal Sex hatten, sorgt er dafür, dass sie nie wieder reden kann. Er versteckt ihren leblosen Körper im Zimmer seines Bruders, damit sie erst einmal aus seinem Blickfeld verschwindet, doch immer wieder tauchen verschiedene Leute bei Marcos auf, was bedeutet, dass seine Arbeit noch nicht beendet ist. Denn nun muss er sicherstellen, dass niemand Verdacht schöpft und von seiner Tat erfährt. Währenddessen beobachtet Nestor (Eusebio Poncela), der seltsame Mann von Nebenan, jede von Marcos‘ Bewegungen.

Obwohl es in La semana del asesino einige grausige Mordkompositionen zu sehen gibt, gestaltet sich sein Ruf als geradliniger Horrorfilm etwas irreführend. Das „Hackebeil im Gesicht“-Bild auf den Covern von einigen Veröffentlichungen stammt zwar aus dem Film, doch hier passiert noch viel mehr, als nur blutige Morde und Zerstückelungen. Jeglicher Kannibalismus des Films wird eher angedeutet als tatsächlich gezeigt. Iglesia lässt den Film langsam an sein Publikum heranschleichen, während Marcos genauso langsam aber sicher dem Wahnsinn verfällt. Als solches präsentiert sich der Streifen ziemlich angespannt und grüblerisch mit recht dichter Atmosphäre. Beeinflusst von Hitchcocks und Polanskis Filmen lässt uns Cannibal Man Marcos so gut kennenlernen, so dass uns wichtig wird, was er tut und was danach mit ihm passiert. Das Publikum bekommt so viele Informationen über ihn, so dass er nicht mehr nur einen Mörder oder einen Wahnsinnigen repräsentiert, sondern eine echte Person mit einem sehr ernsten Problem darstellt. Als sich Marcos‘ Beziehung zu Nestor immer intensiver gestaltet, wobei Nestors Interesse an Marcos offensichtlich sexueller Natur zu sein scheint, kann festgestellt werden, dass Marcos immer schneller und tiefer in seinem eigenen schwarzen Loch versinkt.

Cannibal Man stellt einen interessanten und gut gemachten Film dar, der mit einigen cleveren Momenten von schwarzer Komödie gespickt ist, allerdings auch sehr leicht übersehen wird, wenn man mal die besten spanischen Genrefilme unter die Lupe nimmt. Der Flick wurde mit Hilfe von großartiger Kameraführung, geschicktem Einsatz von Ton (das summende Geräusch, das von Fliegen erzeugt wird, geht einem recht schnell auf die Nerven, aber das ist der Punkt – es funktioniert!) und einem intelligenten Drehbuch ziemlich gut inszeniert. Die schauspielerischen Darbietungen können als stark sowie überzeugend beschrieben werden, während die vielen Ebenen, die die Geschichte enthält, für einen intelligenten und unterhaltsamen Thriller sorgen, den die meisten Horrorfilmfans sicherlich genießen dürften. Cannibal Man ist zwar eher als ein Psychothriller zu beschreiben, als ein echter Splatter-Film, ist aber ziemlich gut gemacht und versteht es durchaus sein Publikum zu packen. Die Blu-Ray von Subkultur Entertainment bietet einen wesentlich schöneren Transfer als die DVD-Versionen, die im Laufe der Jahre die Runde gemacht haben und präsentiert den Film auch ungekürzt mit ein paar spaßigen Extras. Alles in allem eine prima Veröffentlichung eines unterschätzten Films!

Subkultur Entertainment bringt Cannibal Man als Nr. 02 ihrer Grindhouse-Collection Vol. 2 in einer tollen DVD / Blu-Ray Combo Veröffentlichung heraus. Der Streifen kommt auf Blu-ray in einer AVC-codierten 1080p-High-Definition-Übertragung mit 1,85.1 Breitbild daher und stellt im Vergleich zu früheren DVD-Veröffentlichungen eine erhebliche Verbesserung dar. Hier und da sind ein paar kleine Kratzer und Bildverschmutzungen zu erkennen, ansonsten ist das Bild jedoch als schön und sauber zu beschreiben. Der Einsatz von Farben kommt toll rüber, wobei sich die Rottöne der Schlachthofszenen schockierend wirksam gestalten, während die menschlichen Haut-Töne wirklich lebensecht wirken. Hier ist nicht einmal eine Spur von Rauschunterdrückung zu bemerken, so dass eine schöne, natürliche Menge an Filmkörnung vorhanden ist, während Details und Textur durchgehend als beeindruckend bezeichnet werden können. Kompressionsartefakte und Kantenverstärkung kommen hier nie ins Spiel, während Tiefe und Textur ebenfalls sehr stark ausgefallen sind. Alles in allem sieht der Film auf Blu-Ray super aus. Es handelt sich um einen düster aussehenden Film, der sich in tatsächlich sehr gut auf Blu-Ray übertragen lässt. Audiooptionen werden in Deutsch und in Englisch angeboten (DTS-HD Mono) mit optionalen deutschen Untertiteln. Die beiden Tonspuren präsentieren sich sauber sowie klar und ordentlich ausbalanciert, die ungewöhnliche Filmmusik klingt hier recht gut, wobei es keine Probleme mit Zischen oder Verzerrungen gibt.

Bonusmaterial:
Neben einigen Menüs und einer Kapitelauswahlmöglichkeit bekommt man einen deutschen sowie einen englischen Trailer zum Feature, eine Bildergalerie und rund elf Minuten von gelöschten Szenen und Outtakes geboten. Diese werden zwar in HD präsentiert, doch dafür ist kein begleitender Ton vorhanden. Sie sind jedoch trotzdem interessant anzusehen, da man Marcos dabei beobachten kann, wie er sich bei der Arbeit mit Problemen befassen muss und seinen Geschäften im Schlachthof nachgeht. Hier ist auch einiges an zusätzlichem „intimem“ Material mit Marcos und Nestor enthalten. Sollte man im Hauptmenü die Option „Grindhouse Erleben“ auswählen, so kann man sich ein paar Trailer anschauen, die vor Beginn des Hauptfilms abgespielt werden. Hier finden sich die Trailer zu Irrgarten des Schreckens, Verführung auf der Schulbank, Abschied von der Todeskralle, Hydra – Verschollen in Galaxis 4 und nicht zuletzt von Das Söldnerkommando wieder. Da es sich um ein Combo-Pack handelt, ist auch eine DVD-Version des Films mit identischen Zusatzfunktionen enthalten. Beide Scheiben werden in einer Amaray geliefert, die eine farbige Broschüre mit Lobbykarten und Werbematerialien enthält. Die klasse Veröffentlichung kommt in einem ansprechend gestalteten O-Card Schuber daher und hat auch ein unterschiedliches Covermotiv zu bieten.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Regisseur: De La Iglesias, Eloy
  • Medienformat: Limitierte Auflage
  • Laufzeit: 1 Stunde und 38 Minuten
  • Darsteller: Parro, Vencente, Cohen, Emma, Lagos, Vicky, Poncela, Eusebio, Bravo, Charlie
  • Untertitel: Deutsch
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 1.0), Englisch (Dolby Digital 1.0), Deutsch (DTS HD Mono), Englisch (DTS HD Mono)
  • Studio: Subkultur Entertainment

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Die Screenshots stammen NICHT von dieser Edition !!!

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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