Capricorn One

Capricorn One (Unternehmen Capricorn) ist ein, naja sagen wir mal Science Fiction (in jedem Fall aber Fiction) Film von Peter Hyams (Outland) aus dem Jahr 1977. In den Hauptrollen sind zu sehen James Brolin, Elliot Gould und Hal Holbrooke.

Der Film handelt davon, dass angesichts unüberwindbarer technischer Schwierigkeiten der NASA Direktor Dr Kelloway (Holbrooke) dazu übergeht, eine lange versprochene Weltraum-Reise zum Mars vorzutäuschen. Die damit überrumpelten Astronauten Brubaker (Brolin), Willis (Sam Waterston) und Walker (O.J. Simpson) werden an ein entlegenes Filmstudio in der Wüste verschleppt und dazu erpresst, bei der Inszenierung mitzuspielen. Als sie letztlich in der Öffentlichkeit als beim Wiedereintritt umgekommene Helden dargestellt werden, brechen sie aus und werden gejagt. Währenddessen stößt der Journalist Caulfield (Gould) auf Ungereimtheiten und versucht der Verschwörung auf den Grund zu gehen.

Mit 2h ist der Film ziemlich lang, allerdings spielt er sich auch ein wenig anders ab als man zuerst erwartet. Es ist weniger die Story einer Verschwörung welche die Öffentlichkeit in Atem hält (meine Vermutung), sondern die Story der unfreiwilligen Komplizen in diesem Komplott und der irre Versuch, die Mundtot zu machen. Dadurch wird es ein beinharter Survival Thriller in erster Linie, und nur in zweiter Linie ein Verschwörungskrimi – und auch nur in dritter Linie ein Science Fiction Abenteuer.

Ich halte viel auf Peter Hyams, ich bin z.B. ein großer Fan seines High Noon Remakes Outland mit Sean Connery. Auch sein 2001 Sequel 2010 finde ich besser als den Kubrick Film (Sakrileg? Whatever, steinigt mich doch). Der Mann hat ein Gespür für geradlinige Spannung und gute Charaktere und weiß es, hochwertig zu unterhalten. So auch hier. Der Film bietet neben der Grundspannung erstaunlich gute Actionsequenzen, sowohl die Auto-Verfolgungsjagd (die mich sehr an das PC-Game Driver erinnerte) als auch die Flugszenen sind atemberaubend. Lediglich der Schluss des Films ist ein klein wenig schwach geraten, aber Freeze-Frames waren wohl das Stilmittel der Stunde damals.

Untermalt wird der Film von einem reisserischen, gut gelungenen Score von Jerry Goldsmith, der zwar von Plagiaten übersät ist, aber super passt. Sehr pompös und hilft der Atmosphäre, durch die Taktgebung wird der Film wunderbar vorangetrieben. Die Besetzung ist sehr gut gelungen, auch in den Nebenrollen. Hier kann man Telly Savalas, Karen Black und David Huddleston entdecken. Brolin darf einiges leisten, sogar mit einer Klapperschlange kämpfen. Das finde ich deshalb erwähnenswert weil es eben ein sehr vielfältiger, detailverliebter und dennoch nicht ausfasernder Thriller ist. Ein handwerklich exzellent umgesetzter Film der mich auch Tage später noch irgendwie fesselt. Hochgradig empfehlenswert.

Nun zur BluRay, die von Koch Media im schicken Steelbook präsentiert wird. Die Bildqualität ist eher so lala. Das Bild ist teilweise an Stellen so unscharf dass man schon von verschwommen sprechen könnte. Dafür ist es dann streckenweise wieder ziemlich gut. Das Ausgangsmaterial war entweder nicht das beste, oder es ist eine Abtastung von der Stange. Der Ton (Englisch getestet) ist recht gut, aber schnarrt auch etwas, man sollte sich hier Qualitativ nicht zu viel Erwarten. Unterm Strich ist das aber mehr als solide. Vor allem bietet der Ton gute Tiefen und die Musik kommt gut zur Geltung, auch sind die Dialoge verständlich. Dem Kinoabenteuer steht also hier nichts im Wege außer zu hohe Erwartungen.

In Sachen Extras gibt es einen Audiokommentar mit Hyams, der sehr unterhaltsam ist, auch weil Hyams sagt er habe den Film seit seiner Erstveröffentlichung nicht mehr gesehen. Sein Blick ist daher sehr frisch, und sein Enthusiasmus hoch, das tut dem Kommentar sehr gut und der bleibt bis zum Schluss informativ und spannend. Dabei schwanken die Aussagen von Hyams zwischen sehr technischen Details und sehr allgemeinen produktionspolitischen Hintergründen.

Das Featurette „Flights of Fancy“ (17min) ist von der Lionsgate BluRay und ist eine sehr gute kleine Doku über den Film (OmU) und seine politischen Dimensionen. „Politics and Paranoia of Capricorn One“ ist sein Subtitel, und daher gehen die Interviews auf die kontemporären Ängste und Einstellungen der Amerikaner ein zum Raumfahrtprogramm, zu Verschwörungstheorien und dem Kalten Krieg. Sehr spannend. Das Featurette „What if…?“ (7min) ist ein Werbeclip von der Zeit der Veröffentlichung mit einigen Interviews und guten Voiceovern, das sehr auf die Verschwörungskarte setzt. Am Set Wüste (38min) und Studio (4min) sind unstrukturierte Aufnahmen vom Dreh, erstere von der Tankstellenszene und zweites vom „Mars-Set“ aus dem Film. Schön dass es diese Einblicke gibt. Hinzu gesellen sich der englische Trailer, ein TV Spot, ein Radiospot, eine Bildergalerie und die 29-minütige Super8 Fassung (Deutsch).

Ein hochspannender, erstklassiger Film auf einer wirklich prima BluRay die kaum Wünsche offen lässt. Mir hat der Film sehr imponiert, er hat kaum von seiner Wirkung eingebüßt (lediglich das Ende wirkt etwas unpassend) und die Aufbereitung mit vielen interessanten Extras laden dazu ein, sich auch mit den Hintergründen näher zu beschäftigen. Tip! Top!

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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