Captain Apache

Nach dem Tod eines Indianeragenten wird der indianische Captain Apache damit beauftragt, das Verbrechen aufzuklären. Er findet inmitten von korrupten Sheriffs, geldgierigen Landbesitzern, falschen Priestern und mexikanischen Revolutionären heraus, dass das Wissen um „April Morning“ mit der Ermordung zu tun hat: Der Grundbesitzer Griffin will die Indianer loswerden. Daher arrangiert er mit revolutionären Mexikanern ein Komplott, den Präsidenten Grant während einer Zugfahrt mit Hilfe eines Autos, „April Morning“, zu töten. Dabei sind die Mexikaner als Indianer verkleidet. Captain Apache schiebt dem einen Riegel vor. Das Öl und das Gold, das im Indianerreservat gefunden wurde, hat genug Blut gefordert. (Wild Coyote)

1971 hatte der Italo-Western seinen Höhepunkt bereits überschritten, doch Lee Van Cleef, einer der größten Stars des Genres, war immer noch sehr damit beschäftigt seinen Ruhm in bares Geld umzuwandeln, indem er mehr Western als je zuvor in verschiedenen Ländern und auf verschiedenen Kontinenten drehte. Die britisch-spanische Koproduktion Captain Apache wurde in Spanien mit einem Ensemble von Schauspielern aus der ganzen Welt gedreht, wobei Drehbuch und Regie von Amerikanern übernommen wurde. Lee van Cleef trägt hier eine der lächerlichsten Perücken der Filmgeschichte und singt sogar zwei Songs. Naja, um genau zu sein singt er nur einen, nämlich den, der während des Abspanns abgespielt wird. Der andere (der Titelsong) ist als eine Art langsamer Rap zu verstehen, bei dem Lee die Worte ab- bzw. vorliest, anstatt sie zu singen.

Lee verkörpert die Titelfigur, einen amerikanischen Ureinwohner, der Hauptmann der US-Armee ist und den Mord an einem „indianischen“ Agenten aufklären möchte. Sein einziger Hinweis sind die letzten Worte des Opfers „April morning“. Viele Leute scheinen mehr über diesen bestimmten Morgen zu wissen, doch sie werden alle vor den Augen des Captains erschossen, bevor sie auspacken können. Da die Hauptfigur in einem Mordfall ermittelt und schließlich ein kompliziertes Korruptionsschema (und Schlimmeres) aufdeckt, fühlt sich der Film eher wie ein Thriller, als ein Western an. Tatsächlich hat er viel mit den Verschwörungsthrillern gemeinsam, die in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren populär waren und eine Mischung aus sozialem Kommentar sowie Paranoia zu bieten hatten, oft mit vagen Hinweisen auf die Kennedy-Morde. Die Handlung beinhaltet einen korrupten Geschäftsmann; eine äußerst attraktive jedoch enorm zwielichtige Dame; homosexuelle Zwillingsbrüder; eine „indianische“ Medizinfrau (die ein Wahrheitsserum zubereitet); Mexikaner, die sich als „Indianer“ verkleiden; einen Präsidenten sowie seinen Doppelgänger und vieles, vieles mehr. Das einzige, was fehlt, ist Lees Schnurrbart, doch das geht in diesem Fall in Ordnung, da es ja eine bekannte Tatsache darstellt, dass amerikanische Ureinwohner mit nicht besonders viel an Gesichtsbehaarung gesegnet sind.

Captain Apache repräsentiert einen Film mit extrem schlechtem Ruf, doch letztendlich kann man ihn irgendwie dennoch als unterhaltsam bezeichnen, wenn man den Streifen in der richtigen geistigen Verfassung konsumiert haben sollte. Das Mysterium wurde gut genug ausgearbeitet, sodass man mit raten kann, was zum Teufel denn eigentlich los ist, während die extrem weit hergeholte (und ziemlich lächerliche) Auflösung perfekt zum ungezwungenen Geschichten erzählen passt. Es gibt viel an verrücktem Humor – teils beabsichtigt, teils unbeabsichtigt zu ertragen – und eine wirklich haarsträubende Sequenz zu bestaunen, in der Van Cleef einen schlechten Trip hat, nachdem ihm die Medizinfrau ein Gebräu aus Halluzinogenen verabreicht hat. Was offensichtlich als ein Zeichen der Zeit gesehen werden muss, denn damals ging man oftmals davon aus, dass Drogen-induzierte schamanische Techniken zu veränderten Bewusstseinszuständen führten und dass die Narkoanalyse (Vernehmung eines halluzinierten Zeugen) den Ermittlern daher brauchbare Informationen liefern könnte.

Der Film fühlt sich wie ein Spaghetti-Western aus zweiter Hand an, was bedeutet: ein Spaghetti-Western von Filmemachern, die nicht wussten, wie man einen solchen Film dreht. Nur eine Actionszene (mit einem blinden Gitarristen) atmet echte Italo-Western-Luft, ansonsten inhaliert man hier eher Noir-trifft-auf-Western-trifft-auf-Lee auf der Suche nach Van Cleef. Stuart Whitman und Carroll Baker haben überraschende Auftritte als zwielichtiger Geschäftsmann und verführerische Saloon Dame. Regisseur Alexander Singer war ein Mann, der ausschließlich für das Fernsehen gearbeitet hatte, während der Film von John Cabrera gedreht wurde, der sich auch für die Kinematographie von Un hombre llamado Noon (Der Mann aus El Paso, 1973) verantwortlich zeichnet, während sein Markenzeichen, die Verwendung ungewöhnlicher Kamerawinkel, hier weniger aufdringlich rüberkommt. Sowohl Philip Yordan als auch Milton Sperling stellten erfahrene Drehbuchautoren dar, wobei man sich manchmal ernsthaft fragt, ob sie vor dem Schreiben des Drehbuchs, genauso wie Captain Apache, von einem Gebräu aus Halluzinogenen gekostet haben.

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  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Alexander Singer
  • Medienformat: ‎PAL, Breitbild, Dolby
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 30 Minuten
  • Darsteller: ‎Lee Cleef, Carroll Baker, Stuart Whitman, Percy Herbert
  • Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: ‎Wild Coyote

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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