Castle Freak

John Reilly, seine Frau Susan und ihre blinde Tochter Rebecca treten ihre scheinbar schöne Erbschaft an: eine uralte Burg in Italien. Schon bald spürt Rebecca die Anwesenheit von etwas Bösen in dem Gemäuer. Ist vielleicht doch etwas an den Gerüchten dran, dass tief unten im Kerker der Burg ein grauenhaftes Monstrum lauert? Schon bald stößt man auf ein bitteres Geheimnis! (Wicked-Vision Media)

Dem wohl bemerkenswertesten Filmemacher, der aus Charles Bands dualen Filmställen Empire Pictures und Full Moon Pictures hervorging, Stuart Gordon, gelang es seinen pulpig, blutigen Klassikern wie Re-Animator und From Beyond ein überraschendes literarisches Flair zu verleihen. Gordon schlug seinen Bogen zu Full Moon etwas später, indem er mit dem extravaganten und wild sadistischen The Pit and the Pendulum im Jahr 1991 mehr oder weniger von H.P. Lovecraft zu Edgar Allan Poe wechselte, gefolgt von einem unerwarteten Umstieg auf einen ambitionierten Sci-Fi-Actioner mit Fortress ein Jahr später.

Es dauerte weitere drei Jahre, ehe Gordon wieder hinter die Kamera trat und mit Castle Freak zu Full Moon zurückkehrte. Castle Freak bedeutete gleichzeitig die Wiederkehr zur verworrenen und schockierenden Gewalt seiner vorherigen Horrorfilme, wobei der verdrehte Humor, der zu Gordons Unterschrift geworden war, jedoch weitgehend vermieden wurde. Hier handelt es sich um ein düsteres Drama mit einer ungeheuren Geschichte über grausame Gefangenschaft und wilde Brutalität, die sehr locker von Lovecrafts „The Outsider“ inspiriert zu sein scheint, sich jedoch in ein gotisches Melodrama verwandelt. Gordons Stammbesetzung Jeffrey Combs und Barbara Crampton verkörpern hier zwei ihrer prächtigsten und lohnendsten Rollen als John und Susan Reilly, ein äußerst schlecht funktionierendes Ehepaar, das ein altes italienisches Schloss erbt. Die Beiden beschließen, zusammen mit ihrer blinden Tochter Rebecca (Jessica Dollarhide), in das Schloss zu ziehen, was allerdings wenig dabei hilft die schwierige Ehe wieder in Schwung zu bringen. Der wahre Grund für die Erblindung ihrer Tochter stellt dabei das größte Hindernis dar. Schlimmer noch, wie man in der Pre-Credit-Sequenz sehen kann, lebt noch etwas anderes im Schloss: eine geschundene, an eine Wand gekettete Entität, die des Sprechens nicht fähig ist und in einer verborgenen Zelle gefangen gehalten wird. Natürlich dauert es nicht lange, bis der heimliche Mitbewohner ausbrechen kann und die Burgmauern mit Blut besudelt.

Mit einer grandiosen körperlichen Leistung von Pits Jonathan Fuller als Titelcharakter, einer unruhig nervösen Musik von Richard Band und einem feinen Drehbuch von Dennis Paoli stellt Castle Freak einen der besten und mit Sicherheit ungewöhnlichsten Filme im Full Moon-Kanon dar. Es gibt keine Spielereien mit billig gestalteten Kreaturen, während Sex und Gewalt eine ausgesprochen unangenehme, perverse Atmosphäre verbreiten. Bands italienisches Schloss, das auch in vielen anderen Filmen des Unternehmens zu sehen ist, wird hier sehr gut genutzt und sorgt für eine äußerst atmosphärische Kulisse.

Wicked-Vision Media bringen Castle Freak im Mediabook als limitierte BluRay- / CD-Combo heraus. Über den Film lässt sich diesmal genauso wenig streiten, wie über die Qualität der Veröffentlichung. Das Bild präsentiert sich im 1,85:1 (1080p) Format und macht einen hervorragenden Eindruck, während es beim Ton ebenso nichts zu meckern gibt. Hier stehen eine deutsche (DTS-HD Master Audio 2.0) und zwei englische Spuren (DTS-HD Master Audio 2.0 & 5.1) zur Auswahl, wobei man deutsche und englische Untertitel zuschalten kann. Die erstklassigen Extras bestehen aus einem 24-seitigen Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach, einem Vorwort von Stuart Gordon und Hintergrundinformationen zur Filmmusik; einem Vorwort von Charles Band; einem Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann, Matthias Künnecke und Christopher Klaese; Stuart Gordon über Castle Freak; Videozone: Behind the Scenes of Castle Freak; deutschem Trailer, Originaltrailer; einer Bildergalerie und dem Bonusfilm The Evil Clergyman, der Premiere von The Evil Clergyman, sowie der Soundtrack-CD zu Castle Freak. Insgesamt eine sehr gelungene Mediabook-Edition, die für Liebhaber und Freunde des gepflegten „Trash“-Films mehr als ein Blick wert sein sollte.

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Darsteller: Jeffrey Combs, Barbara Crampton, Jonathan Fuller, Jessica Dollarhide, Massimo Sarchielli
Regisseur(e): Stuart Gordon
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Nicht geprüft
Studio: Wicked-Vision Media
Produktionsjahr: 1995
Spieldauer: 95 Minuten

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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