Casualties of War

Casualties of War (Die Verdammten des Krieges) ist ein Kriegsdrama von Brian de Palma (Blow Out) aus dem Jahre 1989. Es erzählt in erschütternden Bildern die Gräuel des Vietnamkriegs, und dabei insbesondere von einem Vorfall angelehnt an ein Thema das z.B. auch in Oliver Stones Platoon thematisierte, nämlich das My Lai Massaker.

Der Film handelt von Private Erickson (Michael J. Fox), der mit seiner Kompanie in Vietnam kurz vor einem neuen Einsatz frustriert trinkt und denkt, sein Sergeant (Sean Penn) würde scherzen, als der meinte, sie gingen alle gleich noch ins nächste Dorf um ein Mädchen zu kidnappen. Doch der scherzte nicht, und so zieht die Truppe mit der Kriegsbeute los, und es kommt zu einer grausamen Vergewaltigung. Als die Truppe anschließend in ein Gefecht verwickelt wird, weigert sich Erickson das Mädchen zu töten, und so stirbt die noch grausamer, während Erickson am Fluss unter sich sieht, wie ein Napalm-Angriff der Luftunterstützung auch ein eigenes Patroullienboot erfasst. Vom Einsatz zurück versucht Erickson den Vorfall zu melden…. und löst damit eine Untersuchung aus.

Viele bedeutende Regisseure unserer Zeit haben sich am Vietnamkrieg versucht. Ob Francis Ford Coppola (Apocalypse Now), Stanley Kubrick (Full Metal Jacket), oder Oliver Stone (Platoon, Heaven & Earth und Geboren am 4. Juli). In seinen vielen Facetten ist das Genre allerdings dominiert von den Erlebnissen junger Einzelpersonen, und so auch in Casualties of War. Während Coppola den ganzen Irrsinn des Kriegs darstellt, Kubrick sich mit Medien beschäftigt und Stone der Glorifizierung von Krieg den Spiegel vorhält, lässt de Palma seinen Protagonisten gegen die eigene Truppe antreten, und auf ganz persönlicher Ebene von Schicksal und Moral berichten, so direkt dass es fast schon unangenehm wird.

Was de Palma aber nicht schafft, worin die anderen gut waren, ist gute Charaktere zu schaffen, solche die Filmgeschichte schreiben, in einem Abenteuer das mitreisst, und einen bannt. Casualties of War ist von Beginn an irgendwie etwas nervig, die Charaktere aufgesetzt, und die Message zu offenbar. So kam es zumindest mir immer vor, und daher zählte der Film immer zu denen die ich weniger mochte. Während man sich danach sehnt, Apocalypse Now mindestens einmal die Woche zu sehen (so viel Zeit hat kein Mensch), wäre Casualties of War nie auf meiner Liste für die einsame Insel. Der Film ist sehr gut, kein Zweifel, aber er ist anstrengend und unangenehm. Vielleicht gehört Sean Penns grotesk verrückte Performance dazu, ich weiß nicht. Na klar, ein Anti-Kriegsfilm soll in erster Linie nicht unterhaltsam sein, aber ein Film ist immer noch ein Film, und ich empfand diesen immer etwas mühsam.

Die Musik ist natürlich perfekt, wie soll es auch anders sein, mit Ennio Morricone an den Dirigierstäbchen. Das Drama das sich vor den Augen des Zuschauers abspielt wird von seinen bekannten Klängen meisterhaft untermalt. Im Übrigen ja nicht die einzige Zusammenarbeit mit Brian de Palma, The Untouchables sollte ja auch ein Begriff sein. Der Film hat viele beeindruckende Aufnahmen, aber insgesamt besticht er mich nicht als visuell eindrucksvolles Stück, nicht so wie manche andere de Palma Filme audio-visuell prägend sind.

Es ist ein verärgerter Film, über ein ärgerliches Thema mit Charakteren die einem in jedem Falle ärgern. Erickson weil er vielleicht mehr hätte tun können, aber auch weil er vielleicht einer ist der unnötig aneckt. Sergeant Meserve weil er das abstoßende ist, das jeder am Krieg verabscheut, nämlich das zum Tier werden des Individuums, das Abstumpfen. Pennt mimt hier die hässliche Fratze eines Krieges, der den vermeintlichen Unschuldigen, hier als Private Erickson personifiziert, verschlingt. Oder sind es die anderen im Platoon, die nicht nur tatenlos zusehen, sondern wie die Schafe den Befehlen gehorchen und abwechselnd eine Zivilistin übel misshandeln? Das Ganze ist so schockieren, dass es am Ende fast nicht mehr ins Gewicht fällt, dass GIs brennend von einem Boot fallen, getroffenen vom eigenen Napalm….

Rassismus, Brutalität, Frustration, Casualties of War ist neben all meiner Kritik vor allem ein unvergesslicher Film, einer der sich einbrennt, wie ein postdramatisches Stresssyndrom. Ein Film den man doch hin und wieder sehen kann, und bei all den Konflikten, sei es in Syrien, Sudan oder in sonst einem Krisenherd, diese abscheulichen Dinge immer wieder passieren. Hinter den Tagesschau Bildern….

Die neue BluRay von Explosive Media macht es allen recht. Man bekommt beide Versionen des Films, ausgezeichnete Qualität und einen Satz heißer Extras. Das Bild sieht sehr gut aus und lässt kaum Wünsche offen, auch hat man den Grad an digitaler Nachbearbeitung auf ein Minimum belassen. Die Tonabmischung lässt etwas Dialogverständlichkeit vermissen und man ist immer am Lautstärke rauf und runter regeln, die Spur klingt aber insgesamt solide, mit guten Tiefen und viel Krach. Am Ende gibt es eine Szene bei der seltsames Zischen zu vernehmen ist, das Zeugt von der allgemeinen Problematik, bei der Digitalen Nachbearbeitung zwischen Vor- und Hintergrundgeräuschen zu unterscheiden die sich jeweils abwechseln.

Explosive Media tat gut daran, beide Fassungen in Kombination zu veröffentlichen. Ich bin mir unschlüssig welche Fassung ich bevorzuge. Zu den Unterschieden hat Schnittberichte eine gute Übersicht. Ich guckte nochmal die längere, weil ich die extra Szenen einfach wertvolle Ergänzungen finde, aber es handelt sich hier um keinen Directors Cut. Man bekommt auf BluRay 1 die Extended Version auf Deutsch und Englisch je in 5.1 DTS HD MA und 2.0 DTS HD, mit Untertiteln in Deutsch und Englisch. Auf BluRay 2 befindet sich die Kinofassung, die jedoch ohne die 2.0 Spur auszukommen hat.

Extras sind von den vorherigen DVD Auflagen übernommen. Zum einen „Erikssons War“, eine aufschlussreiche Unterhaltung mit Michael J. Fox (18min); Dann das „Making of“ mit u.a, Unterhaltung mit dem Kriegsdienstverweigerer Brian de Palma und anderen die im Entstehen des Films involviert waren (31min); einige Deleted Scenes (von deinen ein Teil in der Extended Version wieder zu sehen sind, die Qualität ist hier aber unterirdisch); der Trailer und letztlich eine Bildergalerie.

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Die BluRay wurde uns von Explosive Media freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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