CHILD’S PLAY

Der dreizehnjährige Andy bekommt von seiner Mutter Karen eine „Buddi Doll“ geschenkt. Zunächst hat der Junge auch jede Menge Spaß mit seinem neuen Spielzeug. Doch irgendetwas stimmt nicht mit der Hightech-Puppe, denn sein neuer Spielgefährte entwickelt ein zunehmend grausames Eigenleben und beginnt die Nachbarschaft zu terrorisieren. (Universum Film)

Für viele Zuschauer schießt sich dieser neue Child’s Play Film schon früh selbst in den Fuß und zwar mit einer narrativen Entscheidung, denn hier ist es nämlich vorbei mit dem rachsüchtigen Geist des Serienmörders Charles Lee Ray und Brad Dourifs entzückenden Sprüchen, da dieses Remake von Lars Klevberg Chucky stattdessen in eine gegenwärtige, ziemlich moderne Ära entführt. Lernen Sie Buddi kennen, eine Puppe, die sich mit anderen Geräten ihres Kaslan-Entwicklers verbinden und diese bedienen kann. Doch woher speist sich diesmal Chuckies mörderische Wut? Nun, ein Fließbandarbeiter bei Kaslan wird entlassen, also manipuliert er eine Puppe, löscht den vorgesehenen Code und ermöglicht dem Spielzeug auf diese Art und Weise eine eigene Persönlichkeit neu zu erlernen bzw. zu entwickeln. Diese Puppe wird dann auch tatsächlich für den Versand verpackt und landet in Chicago, wo sie von einer Einzelhandelskauffrau für ihren Sohn mit nach Hause genommen wird. Diese Entstehungsgeschichte der Puppe wirkt etwas einfallslos und wenig bemerkenswert, was die Effektivität des Films gegen Ende auch beinahe untergräbt, doch einige kluge Momente verstehen es geschickt dies zu verhindern.

Karen Barclay (Aubrey Plaza) ist die alleinerziehende Mutter von Andy (Gabriel Bateman), dem es sehr missfällt, dass sie sich auf den verheirateten Trottel Shane (David Lewis) einlässt. Am Vorabend der Premiere für Buddi 2 kann Karen einen zurückgegebenen Original-Buddi konfiszieren, der sich dann als die defekte Einheit herausstellt. Das Spielzeug ist für ihren Sohn Andy vorgesehen, der schnell entdeckt, dass die Puppe umfassende Gespräche führen und verschiedenste Handlungen nachahmen kann. Die Buddi-Puppe nennt sich selbst Chucky und beginnt damit bei Andy zu klammern. Schon bald zeigt Chucky gewalttätige Tendenzen, die er sich aus Filmen (The Texas Chainsaw Massacre 2) abgeguckt und von Mobbern aus der Nachbarschaft angeeignet hat. Chucky richtet sein Augenmerk zunächst auf die Familienkatze Shane (die Andy blutig kratzt) und danach jeden, der Andy sonst noch wehtun könnte. Dabei fällt es (im Gegensatz zu den Befürchtungen des Publikums) nicht schwer, sich für die Charaktere und den Plot dieser Version von Child’s Play zu interessieren, obwohl die Hintergrundgeschichte der Puppe zugegebenermaßen ein wenig zu simpel und deswegen lahm geraten ist. Klar, die tolle Idee, dass der Original Chucky einen echten Serienmörder personifizierte, trug die von Don Mancini geschaffene Handlung zu sieben Filmen, wirkt aber mittlerweile doch ziemlich abgedroschen und veraltet. Dieses neue Child’s Play präsentiert sich dagegen recht frisch und zeitgemäß, indem Chucky hier in das internetorientierte und cloudbasierte Zeitalter eingeführt wird.

Chucky wird in dieser Runde von Mark Hamill gesprochen, wobei sich dessen Stimme ein bisschen digital manipuliert anhört, was ein wenig Schade ist. Ein weiteres Problemchen bei diesem Remake stellt die ziemlich ereignislose erste Hälfte des Films dar. Chucky wird, bis kurz vor der vollen Stunde, kaum die Gelegenheit gegeben seine Beine (oder sein Messer) richtig zu gebrauchen. Chucky – Die Mörderpuppe und Chucky 2 – Die Mörderpuppe ist wieder da von 1988 bzw. 1990 boten ordentliche Spannung, solides Schauspiel und unterhaltsamen, von Dourif gelenkten, dunklen Humor. Während das Horror-Franchise mit Fortsetzungen wie Chucky und seine Braut und Chuckys Baby ein wenig in die komödiantische Richtung abdriftete, lassen sich die späteren Direct-to-Video Einträge Curse of Chucky und Cult of Chucky noch als einigermaßen gelungen bezeichnen. Der neue Child’s Play bemüht sich dagegen sehr die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu erregen, wobei sich der 10-Millionen-Dollar-Film auch wesentlich frischer anfühlt, als die oben genannten Video-Fortsetzungen. Die hier präsentierten Morde sind zwar eher seltener Natur aber dafür durchaus inspiriert inszeniert worden, während Tyler Burton Smiths Skript recht hip mit imposanten Resultaten rüberkommt. “Das ist für Tupac.”

Zuweilen könnte man sich zwar fragen, ob der Streifen während der Produktion irgendwann in Richtung FSK 12 gesteuert ist, letztendlich gibt es jedoch genügend Obszönitäten und Blutvergießen zu bestaunen, um eine FSK 16 zu rechtfertigen. Allerdings sind diese Aspekte nicht im Ansatz mit der Profanität und Brutalität der Originalfilme zu vergleichen. Gleichzeitig versteht es der Streifen ein wenig an sozialem Kommentar aufzubieten und geht zusätzlich noch leicht auf die Auswirkungen von Nonstop-Screening und Social Networking für Jugendliche ein. Ein Internet-Zeitalter mit einem vollkommen vernetzten Chucky ist keine furchtbar neue aber dennoch eine schrecklich gute Idee, denn Child’s Play bietet einiges an Inspiration und führt das Konzept auf interessante Wege. Der Charakter des Andy fühlt sich zeitweise ein wenig unterentwickelt an, doch Gabriel Bateman und die immer unterhaltsame Aubrey Plaza liefern, genauso wie die übrigen Schauspieler, wirklich zufriedenstellende Leistungen ab. Man weiß, dass ein Film große Probleme hat, wenn das denkwürdigste an ihm der „Buddi Song“ über das fiktive Spielzeug ist. Bei Child’s Play besteht diese Problematik jedoch nicht, denn der Film hat zudem einige erinnerungswürdige Sequenzen zu bieten.

Die Blu-Ray:

Bild: Das mit 2.39:1/1080p codierte Bild präsentiert sich erwartungsgemäß solide, wenn auch etwas zu glatt. Diese digital gedrehte Produktion kann manchmal etwas weich erscheinen, aber es ist zu vermuten, dass dies ein Quellproblem darstellt und kein Fehler bei der Blu-ray-Übertragung vorliegt. Die Schärfe scheint am stärksten bei Nahaufnahmen durch, die eine gute Textur und feine Objektdetails aufweisen. Weitwinkelaufnahmen sind etwas weicher, bieten aber dennoch gute Klarheit. Die Farben sind schön gesättigt und die Schwarzwerte erweisen sich als angenehm. Schattendetails sind reichlich vorhanden und der Film sieht in Bewegung wirklich gut aus.

Ton: Der 5.1-DTS-HD-Master-Audio-Mix bietet auf Deutsch sowie auf Englisch eine Menge an Action-Element-Panning, um das Massaker auf dem Bildschirm gebührend zu unterstützen. Der Dialog präsentiert sich klar und sauber, egal ob über die Center- oder Surround-Kanäle. Die Musik sowie der Soundtrack klingen gut, wobei die Elemente ausgezeichnet ausbalanciert sind. Deutsche Untertitel können ebenfalls zugeschaltet werden.

Extras: Audiokommentar von Regisseur Lars Klevberg; Making of Featurettes: Bringing Child’s Play’s Chucky to Life; Meet the Cast; Child’s Play Theme; Knetanimationen von Lee Hardcastle; eine Bildergalerie und Kinotrailer.

Darsteller: Brian Tyree Henry, Gabriel Bateman, Aubrey Plaza
Regisseur(e): Lars Klevberg
Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Capelight Pictures / Universum Film GmbH
Produktionsjahr: 2019
Spieldauer: 90 Minuten

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Capelight Pictures / Universum Film zur Verfügung gestellt.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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