Chun Fang – Das blutige Geheimnis / Ren pi deng long / Human Lanterns

Um bei dem bevorstehenden Laternenfestival seinen Erzfeind Tan Fu beim Wettstreit um die schönste Laterne zu besiegen, heuert Geschäftsmann Lung den Lampionbauer und früheren Schwertkämpfer Chao Chun-fang an. Doch der hat noch eine alte Rechnung mit Lung offen, da er vor Jahren von ihm besiegt wurde. Chao beschließt, eine ganz besondere Laterne anzufertigen. Plötzlich verschwinden Tans Schwester, die früher die Geliebte von Lung war und Lung’s Ehefrau. Beide Männer weisen sich gegenseitig die Schuld für das Geschehen zu, doch während einiger Nachforschungen stößt Lung auf Chao’s Werkstatt und entdeckt ein barbarisches Geheimnis und das absolute Grauen beginnt… (WVG Medien GmbH)

Lung (Tony Liu) und seine Frau Jin (Ni Tien) nehmen an einer renommierten Feier in der Stadt teil und sind schockiert, als Dorfvorsteher Tan (Kuan Tai Chen) die Gelegenheit nutzt, um ihn in Verlegenheit zu bringen. Nachdem er die Prostituierte Yen-chu (Linda Chu) vorgestellt hat (mit der Lung eine Affäre unterhält), schwört Lung sich an Tang zu rächen, indem er ihn beim Laternenwettbewerb des Dorfes besiegt. Sein absoluter Wille zum Sieg zwingt ihn sich an seinen alten Rivalen Chun-fang (Lo Lieh) zu wenden, um von ihm Hilfe bei der Herstellung der perfekten Laterne zu erhalten. Während Lung und Tan ihre Fehde fortsetzen, ereignet sich rund um das Dorf eine Reihe von mysteriösen Morden, wobei sich die beiden Kontrahenten gegenseitig beschuldigen dafür verantwortlich zu sein. Als es Lung und Tan so langsam dämmert wer wirklich für die Morde verantwortlich ist, beschließen sie, ihre Meinungsverschiedenheiten beiseite zu legen, um den Verrückten aufzuhalten.

Insgesamt gibt es bei Chun Fang – Das blutige Geheimnis eine Menge zu mögen. Kuang Nis und Chung Suns halsbrecherische Geschichte spielt dabei eine große Rolle. Der Film bewegt sich in schnellem Tempo und versteht es dabei wunderbar die Vorgänge interessant zu halten. Schon gleich das erste Setup beim Dorfbankett, lässt das Publikum von Lung und Tans Verachtung füreinander erfahren und weswegen der Wunsch entsteht den Laternenwettbewerb unbedingt gewinnen zu müssen, was Lung zwingt sich an seinen Erzrivalen Chun-fang zu wenden. Auch die tyrannische Kontrolle, die Lung über die Prostituierten im Bordell hat sowie die Eifersucht, die seine Entscheidungen bestimmt, spielen in der fortdauernden Fehde eine Rolle, während beide versuchen sich gegenseitig auszustechen und zu demütigen. Sobald sie feststellen, dass sie hereingelegt wurden, kommt die Geschichte mit einer überraschend starken Auflösung daher.

Ein weiteres großes Plus des Films stellt die Mischung aus Horror und Kung-Fu dar. Obwohl nicht bis zum Rand mit dem zu erwartenden Material angereichert, können die Kämpfe dank ihrer Choreografin Chia Tang dennoch (oder gerade deswegen) als ziemlich beeindruckend und aufregend beschrieben werden. Die Einbeziehung der Kampfkunstfähigkeiten des Mörders trägt erheblich zu den Entführungsszenen bei, da sein Anblick als Affe verkleidet (inklusive einer Totenkopfmaske) eine weitaus unheimlichere Qualität annimmt, als erwartet. Das Beste sind jedoch die Konfrontationen zwischen Lung und Tan, die in Restaurants, in den Innenhöfen ihrer Häuser und in den Straßen des Dorfes stattfinden. Sogar seltsame interstitielle Elemente wie das Abwehren von Attentätern oder die Vernichtung einer Gruppe von Handlangern durch den Mörder, um Lung und Tans Verdacht zu wecken, bereiten ziemlich viel Spaß. Während die ausgedehnte harte Schlägerei am Ende einiges an wirklich guter Stunt-Arbeit und Schwertspiel zu bieten hat.

Auch wenn es der Film mit seinen grotesken Elementen hin und wieder wirklich ein wenig übertreibt, bleibt er stets unterhaltsam und gleitet nie in Albernheiten ab. Die erste Entführung im Bordell sowie die anschließende Häutung des Opfers sind dank Wu Hsu-chings Spezialeffekten außergewöhnlich anschaulich und grausam geraten. Hierbei muss man sich schon wundern, dass der Streifen eine FSK 16 Freigabe erhalten hat, denn der Anblick der Haut, die aufgeschnitten und vom noch lebenden Körper in einem Stück abgezogen bzw. heruntergerissen wird, kreiert ein schrecklich einprägsames Bild. Dieses Bild in Verbindung mit den unterirdischen Höhlen und den verschiedenen herumliegenden Werkzeugen, die später Verwendung finden werden, vervollständigen die schmutzige Illusion. Ebenso erzeugen die verschiedenen Episoden, die zeigen, wie die gedehnten Hautstücke in die Laternen verarbeitet werden, die Art von Unbehagen, die man mit einem solchen Versteck verbindet. Den Bereich der Höhle mit Eingeweiden, zerstückelten Körperteilen, trocknenden Hautstücken und blutbefleckten Geräten zu sehen, lässt neben den grafischen Handlungen selbst eine wahrhaft groteske Atmosphäre entstehen.

Allerdings ist Human Lanterns auch mit ein paar Problemen behaftet. Das größte Problem repräsentiert die zentrale Prämisse des Films, indem es keine angemessene Erklärung dafür gibt, warum das Laternenfest in Lung und Tans Rivalität eine so große Rolle spielt. Warum Lung eine Laterne in Auftrag geben muss, um Tan damit auf dem Festival zu besiegen macht keinen Sinn. Da dies den Hauptantrieb für Lung darstellt sich mit Chun-fang zusammen zu tun, damit der die Laterne für das Festival herstellt, macht es unbegreiflich diesen Aspekt nicht sinnvoller gestaltet zu haben. Ebenso spricht die Tatsache, dass die Untersuchung der Morde die „Polizei“ ohne große Schwierigkeiten direkt zu Chun-fang führen müsste, für eine willkürliche Untersuchungsmethode, um die Laufzeit des Films zu verlängern und Sun Chien als Sergeant Pan mehr in den Film zu integrieren. Diese Problemchen vermögen es doch tatsächlich, den Film ein kleines bisschen abzuwerten.

Chun Fang – Das blutige Geheimnis repräsentiert eine ziemlich gelungene sowie sehr unterhaltsame Mischung aus Kung-Fu- und Horrorelementen. Man gebe diesem Streifen auf jeden Fall eine Chance, wenn man sich für Genre-Kost aus dem Hause der Shaw Brothers Studios interessiert oder einfach nur nach blutigem Kung-Fu oder nach mit Kampfkunst angereichertem Horror sucht. Wer mit beiden Aspekten nichts anfangen kann, sollte hier Vorsicht walten lassen.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur : Cheh, Chang
  • Medienformat : Breitbild, Sonderausgabe
  • Laufzeit : 1 Stunde und 35 Minuten
  • Darsteller : Chiang, David, Ping, Wang, Lung, Ti, Yen-ching, Ou, Pin, Ho
  • Untertitel: : Englisch
  • Sprache, : Mandarin (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 5.1), Deutsch (DTS-HD 2.0)
  • Studio : WVG Medien GmbH

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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