Cleopatra Jones gegen die Drachenlady / Cleopatra Jones and the Casino of Gold

Special Agent Cleopatra Jones (Tamara Dobson) weiß, durch welche dunkle Kanäle das Heroin von Hongkong in die USA geschleust wird – und sie hat sich vorgenommen, diese Kanäle ein für alle Mal trocken zu legen. Doch dabei gerät sie ins Fadenkreuz der Drachenlady (Stella Stevens) der nymphomanischen Chefin eines mächtigen Drogenkartells. (Warner Home Video)

Zwei Amerikaner, Matthew (Albert Popwell) und Melvin Johnson (Caro Kenyatta), befinden sich in Hongkong, um einen millionenschweren Drogendeal mit dort ansässigen Gangstern durchzuziehen. Sie werden von ihrem Kontaktmann abgeholt, zu einem Boot im Hafen gebracht (wo das Heroin hergestellt wird) und dem Mann vorgestellt, der sich für Alles verantwortlich zeigt, Chen (Shen Chan). Der ist nämlich ziemlich scharf auf das Geld, doch Matthew und Melvin führen nur die Hälfte der vereinbarten Summe in ihrer Aktentasche mit sich, um sicherzugehen, dass sie nicht über den Tisch gezogen werden. Als das Boot dann plötzlich von den Handlangern seiner Chefin, der Drachenlady (Stella Stevens), angegriffen wird und die Undercover-Agenten Matthew und Melvin von ihr entführt werden, wird Chen richtig böse. Jetzt gibt es nur noch eine Person, die ihre Kollegen retten kann: Spezialagentin Cleopatra Jones (Tamara Dobson).

Der erste Cleopatra-Jones-Film, Ein Fall für Cleopatra Jones, hatte eigentlich nur ein Problem und zwar, dass Cleo zu überlebensgroß glamourös präsentiert worden ist, um „nur“ relativ gewöhnliche Gauner in L.A. zu bekämpfen. In dieser Fortsetzung wird sie klugerweise an exotischere Orte wie Macao und Hongkong versetzt, wo sie als weiblicher James Bond auch hinpasst, um bei der Drachenlady gehörig für Chaos zu sorgen. Stella Stevens geht vielleicht nicht so übertrieben zu Werke, wie Shelley Winters es noch im ersten Film getan hat, doch auch sie stellt eine eiskalte Bösewichtin dar, mit der zu rechnen ist. Außerdem dürfte dem Publikum schon ziemlich klar sein, dass es zu einem höllischen Zickenkrieg kommen wird, sobald Cleo sie in die Finger bekommt. Cleopatra Jones gegen die Drachenlady, eine Koproduktion mit Run Run Shaw, wurde vom Produzenten William Tennant geschrieben und hat einen angemessenen internationalen Touch zu bieten.

Ein weiteres kleines Manko des ersten Teils stellen Dobsons Kampfkunstfähigkeiten dar, die ziemlich enttäuschen, um es noch gelinde auszudrücken. Das hatten die Verantwortlichen offenbar erkannt und lassen sie stattdessen Faustschläge austeilen sowie Waffen abfeuern, während das Kung-Fu von ihrer neuen Freundin Mi Ling (Ni Tien als Tanny gelistet) übernommen wird. Sie ist nicht an der Hilfe ihres Chefs Stanley Nagel (Norman Fell) interessiert und macht sich deswegen alleine auf den Weg, was nicht gerade ihre schlauste Idee darstellen dürfte, da sie mit knapp 1,90m Körpergröße ganz offensichtlich nicht aus Hongkong stammt und sowieso dazu neigt mit ihren besonders extravaganten Klamotten stark aufzufallen. Dennoch begrüßt sie Mi Lings Hilfe, als die einen Taxifahrer dazu überredet, die Agentin gegen seinen Willen in die Ummauerte Stadt zu bringen.

Cleo ist der Meinung ein einfaches Auftauchen im Herzen der Stadt werde sie schon automatisch zu Chen und letztendlich auch zur Drachenlady führen, weswegen es kein Wunder darstellt, dass sie in einen Hinterhalt gerät. Glücklicherweise ist Mi Ling ihr gefolgt (warum hat sie Cleo nicht gleich davor gewarnt, in der Stadt aufzukreuzen?!), wodurch es dem Duo gelingt kurzen Prozess mit den schweren Jungs zu machen. Unterdessen werden Matthew und Melvin von den Handlangern der Drachenlady hart angefasst, doch sie gibt nach und gewährt den beiden einen kleinen Vorgeschmack von Luxus, da es nun langsam so aussieht, als würden sie kooperieren wollen – trotzdem müssen sie selbstverständlich immer noch gerettet werden. Tatsächlich erscheinen die Abenteuer von Cleo und den Brüdern dem Publikum gegenüber, wie zwei verschiedene Filme zum gleichen Thema, die größtenteils nebeneinanderher laufen, bevor sie beim explosiven Höhepunkt aufeinandertreffen.

Da hier die Ära der Emanzipation reflektiert wird, sind Cleo und Mi Ling mindestens genauso stark wie ihre Gegner und außerdem noch enorm selbstbewusst sowie äußerst schlagfertig. Als Mi Ling z.B. die Tür zu ihrem Appartement unverschlossen lässt (damit Cleo hereinkommen kann) und dann duschen geht, denkt man sofort, oh, oh, typisches Sidekick-Verhalten, sie ist dem Untergang geweiht. Doch als die Gangster eintreten und versuchen, sie zu fesseln bzw. zu entführen, gelingt es ihr ihre Gegner in Rekordzeit fertig zu machen. Die Drachenlady kümmert sich hingegen gerne selbst um ihre größten Probleme und geht dabei sogar so weit, Chen auf einer mit Klingen umringten Plattform in einen Schwertkampf zu verwickeln. Zu guter Letzt erweist sich die Schießerei im Casino des Originaltitels als eine der destruktivsten der Filmgeschichte, wobei das Innere der Spielbank vollständig zerstört und ein Haufen Leichen zurückgelassen wird. Diese Fortsetzung stellt nun nicht gerade den besten Blaxploitation-Flick dar, ist jedoch mit einer ganzen Menge an Action angereichert und profitiert von Dobsons sowie Tannys humorvollen Darbietungen, weswegen der Streifen ein wenig besser wegkommt, als sein Vorgänger.

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Regie: Chuck Bail
Genre: Action, Blaxploitation
Untertitel: Keine verfügbar
Wiedergabesprachen: Deutsch, Englisch

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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