Cliff Walkers

Cliff Walkers

Cliff Walkers (Xuan ya zhi shang) ist ein Spionagethriller von Zhang Yimou aus dem Jahr 2021.

Der Film handelt von vier kommunistischen Geheimagenten, die in den 1930ern per Fallschirm über dem Marionettenstaat Manschuko abspringen um einen Zeitzeugen zu exfiltrieren, der über die japanischen Konzentrationslager berichten kann. Bereits kurz nach Absprung sind sie mit Verrätern konfrontiert und werden in zwei Gruppen getrennt, die eine nicht in der Lage, die anderen beiden über den Verrat zu informieren. In der Stadt sind sie plötzlich auf sich alleine gestellt und von Doppelagenten umgeben, die im Auftrag der Geheimpolizei die Mission enttarnen wollen. Trotz dieser Bedingungen ziehen sie ihre Mission weiter durch….

Cliff Walkers

Yimou’s Cliff Walkers ist klassisches Spionagekino im historischen Gewand. Für seine (Yimou meine ich) Verhältnisse erzählt er fast schon auf minimalistische Weise eine extrem spannende Geschichte über Geheimagenten, die mit dem Fallschirm in der Mandschurei abspringen um, was für heutige Verhältnisse doch sehr relevant erscheint, einen Augenzeugen zu retten, der von japanischen Konzentrationslagern berichten kann. Anders als seine bekannteren Filme (Hero, House of Flying Daggers) bekommt man hier nicht satte Grüntöne und Kung Fu Kämpfe an Drahtseilen, sondern ein fast schon beklemmendes Spionagefilmchen, das vorwiegend in kleinen Räumen spielt oder im Schneegestöber, oder unter den Neonlichtern einer urbanen Kulisse der 1930er.

Es ist ein Spionage/Thriller fast schon im Stil der Filme aus dem Kalten Krieg (und Yimous erster Ausflug in das Genre), nur transportiert in einen Abschnitt der chinesischen Geschichte. Die Geheimagenten sind von der kommunistischen Exil-Regierung geschickt um das mit den Japanern kooperierende Militärregime in der Mandschurei zu unterwandern. Das ist auch aus heutiger Perspektive interessant, während die genaueren Feinheiten des historischen Kontext aber doch eher etwas für China Kenner sind. Dabei ist der politische Kontext gar nicht so wichtig für die Zuschauenden (siehe aber beispielsweise hier). Es ist ein Film, der sich auf klassische Elemente des Spionagekinos konzentriert, beispielsweise die Frage von Doppelagenten, von Unterwanderung, von Vertrauen und Misstrauen, bzw der Anwendung von schlimmer Folter um eben diese Unterwanderung aufzudecken. Dabei spielt die ideologische Überzeugung und das Training der Geheimagenten natürlich eine Rolle bei der Frage ob sie in ihrer Mission erfolgreich sind und ob wir es als Zuschauernde am Ende als ein Happy End werten, wie der Film endet.

Cliff Walkers

Der Film spielt Anfang der 1930er, wir sehen also ein technisch und gesellschaftlich hochentwickelte Setting, Autos, Schusswaffen, Medizin, und sind schon deshalb in einer anderen Welt als die bisherigen Filme mit denen Yimou vorrangig im internationalen Mainstream bekannt wurde. Besonders aufregend sind beispielsweise Verfolgungsjagden und Schießereien. Der Film ist außerdem nicht sehr lang oder kommt mir nicht sehr lange vor, denn was Yimou (dessen vorheriger Film Shadow (Amazon) überwältigte aber auch schwer zugänglich war) hier vollbringt ist ein wirklich hoch spannender Thriller, den man zwar teilweise nicht ganz einfach folgen kann, aufgrund der vielen Charaktere, aber der einen bis zum Ende fesselt, viele Wendungen bereithält und ein doch sehr plastisches Bild dieses Agenteneinsatzes vermittelt.

Die Sets sind einfach hübsch, von den Neonlichtern unter denen die Spione ihrem Werk nachgehen bis hin zu den Schnee verwehten Feldern der Mandschurei handelt es sich natürlich um einen handwerklich sehr gut gelungenen Film der auf ganze Linie überzeugt, und auch einen einigermaßen dezenten Einsatz von CGI mitbringt (und ganz anders als der stupide The Great Wall wirklich solides Kino ist). Besonderes Augenmerk verdiente der gekonnte Schnitt und die Kamerarbeit, die mit dem Misch aus beklemmenden Innenaufnahmen, Verfolgungsjagden durch Seitengassen, und Naturaufnahmen sehr gut umgeht und daraus einen audiovisuell überragenden kleinen Film macht.

Cliff Walkers

Die Blu-ray bietet ausgezeichnetes Bild und sehr guten Ton, auch wenn dieser doch ein klein wenig Center-lastig wirkt und die Räumlichkeit dadurch ein wenig leidet (getestet: Chinesisch). Sowohl die chinesische als auch die deutsche Tonspur liegen in 5.1 Ton vor. Das Bild glänzt durch sehr gute Kontraste und Schärfe, könnte aber von besseren Schwarzwerten profitieren, wie sie beispielsweise eine UHD mit HDR bieten könnte. Insgesamt eine sehr gute Präsentation.

Auf der Blu-ray befindet sich außerdem ein Making-of (41 Minuten lang), angefangen von der schwierigen Entstehung des Films auch in Zeiten Covid19, über den Dreh in grimmiger Kälte bis hin zur Veröffentlichung. Nicht ohne etwas Pathos diese Doku muss man sagen, aber mit viel Einblick und sehr wie ein Tagebuch. Außerdem gibt es den Trailer. Schade, dass nicht noch etwas mehr im Gepäck ist, aber die Veröffentlichung ist dennoch sehr hochwertig. Cliff Walkers erscheint bei Koch Films als Mediabook und als einfaches Keep-Case.

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Cliff Walkers BluRay
Die BluRay wurde uns zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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