Cold Blood Legacy

Henry (Jean Reno) war einer der legendärsten Auftragsmörder des Landes. Nun genießt er die Isolation in seiner Hütte am See tief in der nordamerikanischen Wildnis. Als plötzlich sein wohlverdienter Ruhestand durch den Schneemobil-Unfall einer jungen Frau (Sarah Lind) gestört wird und die Behörden dadurch auf ihn aufmerksam werden, muss er sich entscheiden, ob er sein eigenes Leben für ihres riskiert … (Ascot Elite)

Autor und Regisseur Frédéric Petitjean vertraut mit Cold Blood darauf, dass das Publikum in der Anwesenheit von Jean Reno (als gealtertem und jetzt scheinbar pensioniertem Killer) etwas finden kann, was sich lohnt anzuschauen. Das Drehbuch verleiht Renos Berufsmörder im Ruhestand allerdings absolut keine Tiefe, abgesehen davon, dass er viele Menschen getötet hat und nun mit dieser Arbeit fertig zu sein scheint, oder mit Filmen, die von Bedeutung sein könnten. Die offensichtliche Absicht hinter der Verbindung eines bekannten Schauspielers mit einem hohlen Charakter ist, dass Reno vor einem Vierteljahrhundert einen Profikiller in einem Film spielte, der zum Kultklassiker wurde. Es gibt absolut keine narrative Verbindung zwischen Cold Blood und Léon: Der Profi, doch Petitjean setzt stark darauf, dass die Zuschauer zu einer solchen Assoziation kommen.

Diese Art von Stunt-Casting kann funktionieren, solange die neue Rolle etwas über den/die Charakter(e) aussagt, für die ein Schauspieler am bekanntesten ist. Hier erscheint es jedoch beinahe so, als hätte der Filmemacher nach der Besetzung seines Stars einfach die Idee aufgegeben, eine Figur zu kreieren, die für sich selbst steht (oder einen Film, der das tut), in der Hoffnung, dass ein gewisser Sinn für Nostalgie von Seiten des Publikums die Angelegenheit schon ausgleichen können würde. Stattdessen bekommt man die Geschichte von Melody (Sarah Lind) aufgetischt, einer mysteriösen Frau, die mit ihrem Schneemobil (in der Nähe der abgelegenen Hütte, wo Renos Charakter jetzt lebt) irgendwo im Bundesstaat Washington verunglückt. In einem Prolog tötet Henry einen Geschäftsmogul in New York City und entzieht sich nun Gerechtigkeit und/oder Rache. In der Zwischenzeit suchen anscheinend zwei Gruppierungen nach Henry: die Kollegen des Moguls und (aus Gründen, die absolut keinen Sinn ergeben) das örtliche Sheriffs-Department.

Es fühlt sich merkwürdig an, dass Petitjean dem Potenzial seiner Hauptfiguren nicht vertraut, da die wahre Natur ihrer Beziehung bis zum dritten Akt ein nicht ganz so geheimes Geheimnis bleibt. Das Drehbuch verbringt viel Zeit damit die „Jagd“ zu inszenieren, was dem Publikum eine Vielzahl von Neben- und Ein-Szenen-Figuren beschert, deren Dialekte (gesprochen und synchronisiert) den geografisch ungenauen Tonumfang einer zusammengepflasterten Produktion wiedergeben. Zum Zeitpunkt der wichtigsten Enthüllung umgeht Petitjean den emotionalen Kern eines Charakters und gleichzeitig das Potenzial für eine zusätzliche Ebene innerhalb Henrys Persönlichkeit für einen erklärenden Rückblick und ein obligatorisches, nicht überzeugendes Katz-und-Maus-Spiel im Wald. In der Tat könnte man Cold Blood Legacy genauso beschreiben: obligatorisch und nicht überzeugend.

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Darsteller: Jean Reno, Sarah Lind, Joe Anderson, David Gyasi, Samantha Bond
Regisseur(e): Frederic Petitjean
Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Ascot Elite Filmverleih
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 91 Minuten

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Ascot Elite zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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