Crazies

Die US-amerikanische Regierung hat einen biologischen Kampfstoff entwickelt, der infizierte Opfer entweder tötet oder in den Wahnsinn treibt – Codename: Trixie. Als ein Flugzeug mit der geheimen Biowaffe an Bord über dem Örtchen Evans City abstürzt und das Trinkwasser verseucht, verfällt die friedliche Gemeinde ins Chaos. Das Militär riegelt die Region sofort vollständig ab und sorgt mit Waffengewalt dafür, dass niemand mehr den Ort verlässt. Während ein Team von Wissenschaftlern mit Hochdruck an einem Gegenmittel arbeitet, verwandeln sich überall in Evans City harmlose Bürger in blutrünstige Psychopathen. (Capelight Pictures)

Aus George A. Romeros klassischer Horror-Ära (1968-85) scheint The Crazies direkt nach dem etwas enttäuschenden Season of the Witch (Hungry Wives, 1972) am ehesten unbemerkt geblieben zu sein. Sogar Romero Fans selbst neigen dazu, dieses klassische Wahrzeichen der 70er Jahre mit niedrigem Budget zu übersehen. Dank des Remakes The Crazies – Fürchte deinen Nächsten von 2010 scheinen die Leute jedoch endlich damit zu beginnen den Film wiederzuentdecken und ihm tatsächlich den Respekt zu zollen, den er vorher nie bekommen hat. Obwohl Remakes in unseren Augen normalerweise nur wenig Sinn ergeben, muss man ihnen manchmal auch Anerkennung zukommen lassen, da sie einem neuen, jüngeren Publikum ermöglichen, das Original wieder entdecken zu können, selbst wenn der Film für manche mittlerweile ganz einfach zu alt ist.

The Crazies könnte möglicherweise als der erste der Virus-Ausbruch-Filme angesehen werden, die heutzutage so verbreitet sind, weswegen Filme wie 28 Days Later… The Crazies zu Dank verpflichtet sein sollten. Die Handlung dreht sich um die beiden Feuerwehrmänner und Vietnam-Veteranen David (Will McMillan als W.G. McMillan aufgeführt) und Clank (Harold Wayne Jones) sowie Davids Freundin Judy (Lane Carroll), die Krankenschwester und noch dazu von David schwanger ist. Eines Morgens werden die Männer zu einem Feuer gerufen, das aus unbekanntem Grund von einem einst liebenden Vater gelegt wurde, der sein Haus inklusive Familie in Brand gesteckt hat. Schon bald taucht militärisches Personal auf, das in auffälligen weißen Hazmat-Anzügen gekleidet ist, alle Zivilisten zusammentreibt und sogar damit beginnt einige von ihnen zu erschießen. Es scheint so, als wäre ein von der Regierung entwickelter Virus versehentlich in der kleinen Stadt freigesetzt worden, während die Krankheit (die vom Virus ausgelöst wird) dazu führt, dass die Opfer entweder elendig sterben oder wahnsinnig sowie gefährlich für ihre Umwelt werden. Unserem Feuerwehrduo gelingt es dem Militär zu entkommen, wobei David, Judy und Clank versuchen die Quarantänezone zu verlassen, während sie sich vor den bereits Infizierten und dem Militär verstecken müssen.

Typisch für Romeros Filme sind hier viele tiefer liegende Bedeutungen zu finden. Der Unterschied zu Die Nacht der lebenden Toten (1968) besteht darin, dass diese Themen hier etwas dicker aufgetragen werden und nicht so subtil gestaltet worden sind. The Crazies wurde direkt auf den letzten Metern des Vietnamkrieges gedreht und Romero ließ es sich nicht nehmen seine Meinung über die US-amerikanische Regierung (in Verbindung mit dem militärischen Konflikt) in den Film einfließen zu lassen. Ja, denn in diesem Film repräsentiert die Regierung das „Böse“, wobei nicht immer vollkommen klar ist, wer den gefährlicheren „Feind“ darstellt, die Regierungssoldaten oder die Wahnsinnigen, die durch das Virus erschaffen wurden. Romero zeigt vor allem die Probleme innerhalb der „Bürokratie“ auf, da die Befehlskette des sich vor Ort befindlichen Militärs (in Gestalt von Col. Peckem aka Lloyd Hollar) versucht Antworten bzw. Instruktionen von höher gestellten Institutionen zu erhalten, doch Niemand scheint auch nur EINE klare Antwort geben zu können, während das gesamte Personal ständig auf Anweisungen wartet.

In Anbetracht des niedrigen Budgets ($275,000) versteht es Romero dennoch hervorragend das Chaos und die Degeneration der Menschheit im sicheren Griff des Todes wunderbar darzustellen. Er ist auch in der Lage viele ikonische Bilder einzufangen, insbesondere die Sequenzen mit den in weiß gekleideten Soldaten. Allerdings gibt es hier tendenziell mehr Mängel zu entdecken, als im typisch klassischen Romero-Film. Das erste Problem repräsentieren die Hauptdarsteller. Der Regisseur ist überraschenderweise nicht in der Lage, seine Schauspieler zu großartigen Leistungen zu bewegen, weswegen man sich nur sehr schwer mit ihnen identifizieren kann und sich letztendlich nicht sonderlich um ihr Wohlergehen kümmert. Im Gegensatz dazu sind die Charaktere aus Die Nacht der lebenden Toten und Dawn of the Dead (Zombie, 1978) als unvergesslich zu bezeichnen. Die militärische Trommelmusik beginnt auch nach einer Weile zu nerven, doch sie läuft und läuft und läuft, so wie dieser dämliche Duracell-Hase aus der Werbung, falls sich noch Jemand daran erinnern kann.

The Crazies ist natürlich, trotz seiner Mängel, als ein guter Film mit einer intelligenten grundlegenden Bedeutung sowie einem tollem Titellied (Heaven Help Us von Beverly Bremers) zu bezeichnen, doch er kann dennoch nicht mit der Power von Romeros früheren Zombie-Klassikern mithalten. Vielleicht wäre The Crazies mit besseren Charakteren und Schauspielern so berühmt und erfolgreich geworden wie Die Nacht der lebenden Toten, Martin oder Zombie, man weiß es nicht. Allein Romeros Regieführung und seinem intelligenten Drehbuch ist es zu verdanken, dass aus diesem Streifen trotzdem ein klassischer Horrorfilm geworden ist, der es mehr als wert ist, wiederentdeckt zu werden und noch dazu eine bemerkenswerte Botschaft übermittelt … gerade in Zeiten wie dieser.

Capelight Pictures präsentiert Crazies als 3-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook, die wirklich toll geworden ist. Das Bild (1080p / 1,66:1) sieht super aus, ist klar, die Farben froh und der Kontrast ordentlich. Bildschäden können so gut wie keine entdeckt werden. Beim Ton (PCM 2.0 Mono) liegen mit der deutschen und englischen zwei Spuren vor, die sich beide anständig hören lassen. Für Freunde des Originaltons sind deutsche Untertitel anwählbar. Die Extras bestehen neben einer Einleitung von Lynn Lowry; einem deutschen Kinotrailer und einem US-Kinotrailer noch aus den featurettes Eine Tour an die Originaldrehorte – „Romero Was Here: Locating The Crazies“; Interviews mit Kultstar Lynn Lowry„Crazy for Lynn Lowry“ und „The Mute Hippie Girl on Acid with Rabies“; Hinter-den-Kulissen-Featurette mit Kommentar von Romero-Experte Lawrence DeVincentz; eine Alternative Titelsequenz; Q&A mit Lynn Lowry beim Abertoir Horror Festival 2016 und einem 24-seitigen Booklet mit einem Text von Prof. Dr. Marcus Stiglegger mit dem Titel Die Auslöschung – George A. Romeros sozialer Albtraum Crazies. Neben einer schieren Fülle an Informationen über Film, Regisseur, Schauspieler und die Dreharbeiten wartet das wunderbar designte sowie äußerst unterhaltsam und interessant zu lesende Booklet auch mit einigen Bildern auf. Gleich zwei Audiokommentare wurden der Veröffentlichung spendiert und zwar einmal mit Lynn Lowry sowie einmal mit Travis Crawford. Beide Audiokommentare haben natürlich ihre ganz eigenen, unterschiedlichen Qualitäten. Die Scheiben werden in einem sehr ansprechend gestalteten und stabilen Mediabook ausgeliefert, das in keinem Sammlerregal fehlen darf.

Bonusfilme:
In There’s Always Vanilla gehen der Taugenichts Chris und das schöne Model Lynn eine stürmische Beziehung ein, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt scheint.

Season of the Witch folgt der jungen Hausfrau Joan Mitchell, die ihrem eintönigen Vorortalltag zu entfliehen versucht, indem sie sich der Hexerei verschreibt.

Bonusmaterial zu den Bonusfilmen:
There’s Always Vanilla: Making-of: „Affair of the Heart“; Audiokommentar von Travis Crawford; Location-Bildergalerie mit Kommentar von Lawrence DeVincentz; Trailer

Season of the Witch: Extended Cut (104 Minuten); „When Romero Met del Toro“ – Ein Gespräch zwischen Guillermo del Toro und George A. Romero; „The Secret Life of Jack’s Wife“ – Interview mit Darstellerin Jan White; Alternative Titelsequenzen; Audiokommentar von Travis Crawford; Location-Bildergalerie mit Kommentar von Lawrence DeVincentz; Memorabilia-Bildergalerie; Trailer

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.66:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Romero, George A.
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: 6 Stunden und 29 Minuten
  • Darsteller: Carroll, Lane, Jones, Harold Wayne, Lowry, Lynn, McMillan, W.G., Hollar, Lloyd
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Sprache: Deutsch (PCM2 .0), Englisch (PCM2 .0)
  • Studio: Capelight Pictures

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Diese Edition sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Capelight Pictures zur Verfügung gestellt.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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