Creepzone / Creepozoids

1998 nach dem großen Knall. Die Erde ist zerstört. Drei Männer und zwei Frauen flüchten vor dem Säureregen in ein verlassenes Gebäude, in dem vor Jahren genetische Experimente stattfanden. Eine Fehlentwicklung hat nicht nur dazu geführt, dass Ratten zu mörderischen mutieren, sondern auch ein grauenhaftes Monster hervorgebracht: ein Hybridwesen aus Mensch und Echse, das seinen Blutdurst stillen will. (Wicked-Vision)

Aus irgendeinem Grund hat dieser Low-Budget-Flick ($75.000), der irgendwann in naher Zukunft spielt, mehr als die übliche Menge an Kritik erhalten. Es handelt sich dabei um ein AlienRip-off, von denen man da draußen ca. eine Million finden kann und es ist nicht einmal ein sehr gutes Alien-Plagiat aber so schlecht oder schlockig, wie manche Kritiker ihn dargestellt haben, ist er dann doch nicht und hat sogar einige gute Momente zu bieten. Der Streifen spielt im Jahr 1998 und der Eröffnungstext informiert den geneigten Zuschauer darüber, dass ein nuklearer Konflikt zwischen den Supermächten stattgefunden hat, weswegen die Erde jetzt nur noch als eine „geschwärzte Hülle eines Planeten“ zu beschreiben ist. Winzige Gruppen von Überlebenden vegetieren am Rande ruinierter Städte und müssen ständig nach Mutanten und anderen gefährlichen Nomaden (die man niemals zu Gesicht bekommt) Ausschau halten. Fünf AWOL-Armeesoldaten; Blanca (Scream Queen Linnea Quigley), Jake (Richard Hawkins), Butch (Ken Abraham), Kate (Kim McKamy) und Jesse (Michael Aranda) gehören zu den letzten Überlebenden, wobei die Gruppe sofort Schutz vor einem bevorstehenden tödlichen sauren Regensturm suchen muss. Selbstverständlich wählen sie das falsche Gebäude aus: ein verlassenes wissenschaftliches Labor, in dem Ärzte mit Aminosäuren experimentierten, bevor das Projekt fehlschlug. Aber hey, zumindest gibt es dort Strom, Lebensmittel und vor allem fließend Wasser.

Während Jesse (der kluge Typ der Gruppe, der vorm Einzug in die Armee Biochemie studiert hat) versucht, den Computer der Einrichtung zu knacken, ist Linnea Quigley damit beschäftigt das Linnea Quigley Ding (sie spielte in etlichen Hardcore-Pornos mit) abzuziehen, bei dem eine funktionierende Dusche zum Einsatz kommt, um den T & A – Quotienten des Films zu erfüllen. Die Gruppe findet außerdem heraus, dass in dem Gebäude genügend Vorräte lagern, um sie für eine Weile am Laufen zu halten, weswegen sie beschließen einige Zeit dort zu verweilen. In Wirklichkeit haben sie auch gar keine andere Wahl, weil sie dort feststecken, bis der Regen aufhört. Eines Nachts steht Jesse auf, um eines der Tagebücher der Wissenschaftler zu lesen, hört ein Geräusch, kriecht durch einen Luftschacht und begegnet einem riesigen Monster mit Stoßzähnen. Seltsamerweise wird er nicht sofort von dem Monster zerrissen. Nein, denn in einer Szene (in der die berühmte Magen-Burster-Sequenz aus Alien verwurstet wird) benimmt sich Jesse seltsam, kann nicht essen und erbricht dann eine schwarze, teerähnliche Substanz, beginnt zu mutieren und kippt dann tot um. Die restlichen Überlebenden können sich nun nur fragen: „Lag es am Essen?“ Allerdings müssen sie sich noch um mehr als nur das kümmern, denn das säurespeiende Echsenmonster und eine Handvoll großer (ausgestopfter) Ratten (deren Bisse jeden infizieren und mutieren lassen) wollen ja schließlich auch noch bekämpft werden.

In Anbetracht des niedrigen Budgets und des Zeitplans für die Produktion (12 Tage) hätte das Ergebnis des Films wirklich viel schlimmer ausfallen können, als es letztendlich ist. Sicherlich, das Schauspiel und der Dialog gestalten sich zuweilen ziemlich schlecht, die Handlung vermag es nichts Neues zu bieten, die Fotografie ist unscharf, es gibt Unmengen langweiliger Einstellungen der Besetzung, die immer wieder denselben Korridor entlang läuft, während die große Klimax-Szene schreckliches Tempo aufweist und eine Ewigkeit zu dauern scheint … doch es gibt auch ein bisschen Spaß für B-Filmfans. Einen lustigen Insider-Scherz kann man entdecken, als jemand Computerdateien durchgeht und auf eine Liste ehemaliger Mitarbeiter stößt, die früher im Labor gearbeitet haben, darunter die Namen Forrest Ackerman, Roger Corman, Charles Band (der nicht im Abspann genannte ausführende Produzent), Deb Dion (Bands Ehefrau) und David McCabe (DeCoteaus Pseudonym, als er Anfang der 80er Jahre Pornos für homosexuelle Männer drehte). Das Beste offenbart sich dem Publikum jedoch gegen Ende, als unser Held dem Monster irgendeine Chemikalie spritzt und plötzlich ein böses mutiertes (animatronisches) Baby (das Baby Oopsie Daisy aus Demonic Toys verdächtig ähnlich sieht) – komplett mit einer ewig langen Nabelschnur – aus dem Alien-Kadaver herausspringt! Die Musik von Guy Moon ist ebenfalls als großartig zu bezeichnen, erinnert sie doch schon gleich zu Beginn an den Soundtrack des Computerspiel-Klassikers Maniac Mansion von (ebenfalls) 1987. Mit seiner ernsthaften, aufrichtigen Herangehensweise an das Material und den handgefertigten Spezialeffekten lässt sich der Film sowieso besser konsumieren, als das Programm, was jeden Tag auf dem SyFy-Kanal geboten wird.

Das größte Zugpferd des Films (damals wie heute) repräsentiert wahrscheinlich sein „Star“. Linnea Quigley (auch Associate Producer) darf schreien, viel herumlaufen und gegen mehrere der mutierten Monster kämpfen. Vielleicht kann man sich noch an die Zeit erinnern, wo man den Flick auf VHS ausgeliehen hat und Quigleys seifige sex-in-the-shower Szene kaum noch ansehbar war, weil sie so oft zurück gespult und angesehen wurde. Die Szene ist so „gut“, sodass sie in zahlreichen Compilations (Bimbo Movie Bash, Linnea Quigley’s Horror Workout usw.) und Features (DeCoteaus schrecklicher Killer Eye – Experiment des Grauens, 1999) sogar mehrfach als Füllmaterial aufgetaucht ist. Ken Abraham hatte später noch Erfolg als Kameramann für zahlreiche Fernsehshows. In Interviews ließ er sich recht negativ über die B-Branche aus und berichtete, einer seiner Lichtblicke als Schauspieler wäre die Zusammenarbeit mit Quigley gewesen (die beiden spielten auch in der Komödie Vice Academy und dem Erotik-Thriller Deadly Embrace / Explosion der Leidenschaften zusammen). Kim McKamy war zuvor in DeCoteaus 1986er D-T-V-Hit Dreamaniac zu sehen und hatte Hauptrollen in mehreren anderen Horrorfilmen, bevor sie in den 90er Jahren zur beliebten Darstellerin für Erwachsenen-Filme, Ashlyn Gere, wurde.

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  • Darsteller: Linnea Quigley, Ken Abraham, Michael Aranda, Ashlyn Gere, Richard Hawkins
  • Regisseur(e): David DeCoteau
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: Wicked-Vision
  • Produktionsjahr: 1987
  • Spieldauer: 72 Minuten

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Wicked-Vision bringt Creepozoids als Nr. 4 im Rahmen ihrer neu gestarteten Full Moon Collection im Mediabook als BluRay- / DVD-Combo mit drei unterschiedlich limitierten, verschiedenen Cover-Motiven heraus. Über den Film lässt sich sicherlich wieder einmal diskutieren, über die Qualität der Veröffentlichung allerdings nicht. Das Bild präsentiert sich im 1,78:1 (1080p) Format und macht einen klasse Eindruck, während es beim Ton ebenso nichts zu meckern gibt. Hier stehen die deutsche und die englische Spur (DTS-HD Master Audio 2.0) zur Auswahl, wobei man deutsche Untertitel zuschalten kann. Die Extras bestehen aus einem 24-seitigen Booklet mit enorm informativen Texten von Michael Humberg und Christoph N. Kellerbach, dem Originaltrailer und einer Bildergalerie. Vervollständigt und veredelt werden die Boni durch einen Audiokommentar mit Regisseur David DeCoteau (mit dt. und engl. Untertiteln), dem Bonusfilm Shadowzone und einem Trailer zum Bonusfilm. Insgesamt eine sehr gelungene Mediabook-Edition, die für Fans und Freunde des gepflegten „Trash“-Films ganz bestimmt interessant sein sollte.

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Dieses Mediabook wurde uns freundlicherweise von der Wicked-Vision Distribution GmbH zur Verfügung gestellt. Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition.

 

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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