Crime Zone – Die Hölle auf Erden

VHS – Edition

“3001” – Das Jahr der “Fuck-Ups”: Nach dem nuklearen Holocaust herrscht eine andere Moral: Rache, Mord und brutale Unterdrückung. Nur wenige haben überlebt. Überall totale Kontrolle, Sex und Freiheit sind verboten, das Verbrechen hat eine neue, unglaublich grausame Form angenommen. In dieser Welt zu leben ist die Hölle! Helen und Bone wollen diesem Alptraum entkommen. Ein geheimnisvoller Fremder (David Carradine) verspricht ihnen die Flucht, doch alles hat seinen Preis… (MGM/UA)

In ferner Zukunft wurde die Welt anscheinend in zwei Länder geteilt: Soleil (was aus dem Französischen übersetzt „Sonne“ bedeutet, aber immer in der Nacht versunken ist) und Frodan (das immer Sonnenerleuchtet ist). Die beiden Nationen haben bereits so lange Krieg gegeneinander geführt, so dass sich niemand mehr an eine Zeit ohne kämpferische Auseinandersetzungen erinnern kann. Zwischenzeitlich hat sich Soleil zu einem extrem totalitären Staat entwickelt, der von wo Menschen leben können bis zu wem sie lieben dürfen, alles kontrolliert. Als sich das Liebespaar Bone (Peter Nelson) und Helen (Sherilyn Fenn) ohne Big Brothers Erlaubnis gegen The Man auflehnt, wird ihnen vom kriminellen Mastermind / Frodanian Spion Jason (David Carradine) die Chance ihres Lebens geboten: Sie sollen eine CD (eigentlich eine PC-Platine) aus einer Soleil-Einrichtung stehlen. Er würde sie nicht nur bezahlen, sondern auch nach Frodan transportieren (wo das Gras einfach grüner sein muss). Bone und Helen entdecken nun ihr Händchen für Kriminalität, weswegen Soleils Listen für die meistgesuchten Verbrecher schnell um zwei neue Ergänzungen anwachsen.

Luis Llosas Crime Zone repräsentiert einen miserablen Film und zwar nicht nur aufgrund der Produktionswerte. Um fair zu sein, dem Streifen gelingt es eine Welt zu erschaffen, die von seinen Charakteren bevölkert werden kann, was mit einem derart winzigen Budget schon ziemlich überzeugend rübergebracht wird. Doch jeder einzelne der Charaktere, die diese Welt bewohnen, sieht sich extremem Elend ausgesetzt. Bone arbeitet im Garten des Winterschlafes, wo der Pöbel in eine Art Scheintod versetzt wird, während alle Arten von körperlicher Arbeit verrichtet werden müssen. Nachdem sein Chef ihn dabei erwischt hat, wie er schlecht über die Kundschaft redet, wird er gefeuert, jedoch nicht bevor er aggressiv und wütend zurechtgewiesen wurde, weil er nicht „das Spiel spielt“ (sprich: Arsch leckt). Diese Szenen sind ausschließlich fürs Publikum bestimmt (ebenso wie die Aussagen darüber, wie begabt er als Polizist hätte sein können), damit man auch ja mitbekommt, dass Bone als Rebell zu bezeichnen ist. Egal, dass er nur zwei Gesichtsausdrücke drauf hat: tot und manisch. Helen arbeitet als Prostituierte im Trocadero 2000: House of Pleasure #4. Sie wurde von der Regierung dort hin gezwungen, damit der Zuschauer zumindest ihre Unzufriedenheit nachvollziehen kann. Bone gehörte früher zu einer Bande, die sich Fuck Ups nennt (was nicht nur einen extrem wenig einschüchterungswürdigen Spitznamen darstellt, sondern auch Versager bedeutet), zusammen mit Creon (Michael Shaner), einem Charakter, der so unsympathisch, so abstoßend und so dünn gezeichnet ist, so dass sich die eine Seite von ihm, die man sehen kann, immer noch unvollständig anfühlt. Was nur eine kleine Auswahl an Beispielen sein soll.

Wenn man dies als Teil der Absicht des Films betrachtet, enthält es sogar eine bestimmte Logik. Immerhin finden Helen und Bone Liebe unter den Verdammten und angesichts der Unterdrückung, unter der sie leiden müssen, flippen sie aus. Die Idee, dass sich zwei Menschen in einer sehr wenig gastfreundlichen Umgebung finden können, könnte ein Publikum sicherlich berühren. Die trotzigen Liebenden erweisen sich ja bereits seit Jahrhunderten als ein Grundnahrungsmittel für Geschichten. Romeo und Julia verlieben sich trotz heftiger familiärer Konflikte. Cole und Kathryn Railly versuchen in Twelve Monkeys das Schicksal zu überlisten. Bonnie und Clyde in … ähm … Bonnie und Clyde, sterben nebeneinander aufgrund ihrer Entscheidungen. Anhand der hier genannten Beispiele könnte man möglicherweise einen Trend bemerken. Diese drei Paare (und so viele andere) kamen alle zu einem ziemlich unangenehmen Ende. Ein starker Trumpf in Liebesgeschichten dieses Typs. Geschichten über die Unabdingbarkeit des Schicksals und damit auch über die Unnachgiebigkeit des Lebens.

Diese Charaktere teilen auch mindestens etwas an Licht, was die Dunkelheit lohnenswert macht. Jetzt soll nicht verraten werden, ob Bone und Helen am Ende von Crime Zone sterben oder nicht, wobei der Film dem Geist folgt, der in Werken wie den oben genannten dargelegt wird. Was Luis Llosa und seine Firma jedoch falsch machen, ist, dass es kaum etwas von dem oben genannten Licht vorhanden ist, das die Dunkelheit für unsere Protagonisten erträglich machen könnte. Ihre Situation verbessert sich weder auf sozialer noch finanzieller Ebene. Die erste charmante Begegnung unserer Liebenden läuft schon mal gleich ziemlich plump, unangenehm und unwahrscheinlich ab. Wenn Bone und Helen zusammen sind, kann man keinerlei Chemie zwischen den beiden ausmachen (außer beim Sex). Man hat ganz einfach nicht das Gefühl, dass diese beiden ihr Leben für einander geben oder für einander töten würden. Das ist alles komplett dem Skript geschuldet, was sich auch so anfühlt und die ganze Angelegenheit umso ungeheuerlicher gestaltet. Trotzdem ist die Verlockung der Übertretung im Film etwas leichter zu schlucken, als die Anziehungskraft, die von den Hauptdarstellern angeblich geteilt wird. Selbstverständlich ist der Drang zur Revolte in einer Welt, in der jede Bewegung überwacht und diktiert wird, enorm groß. Wodurch das vielleicht faszinierendste Konzept des Films hervorgebracht wird. Die Kontrolle über diese Welt liegt ausschließlich in den Händen einer Regierung, der die Interessen der Massen eindeutig vollkommen egal sind.

Das ist natürlich nichts Neues. Die Regierung wird in den populären Medien fast ausschließlich (und in den meisten Fällen zu Recht) als betrügerisch, eigennützig, inkompetent und geradezu bösartig dargestellt. Zu sehen wie weit sie dabei geht, kann schon als leicht verlockend empfunden werden. Aus dem gleichen Grund erweist sich der Mangel an tatsächlicher Kontrolle der Regierung über ihre Bevölkerung als extrem verwirrend. Schließlich befindet man sich hier an einem Ort, wo die Polizei doch tatsächlich sowohl die Zeit, als auch die Neigung dazu hat, in die Wohnung eines Mannes einzudringen, nur um herauszufinden, ob sein Penis schlaff oder steif ist.

Jedes in den Film eingebettete Interesse wird also durch die schiere Leere nahezu jeder Szene weggespült, weil das Gesamtbild von Anfang bis Ende leider recht unscharf bleibt. Zum Beispiel drückt Creon seine Hand in Helens Schritt, wobei es beinahe eine halbe Minute dauert bis Bone reagiert. Unter Zeitdruck beschließen unsere schwachsinnigen Liebsten einen Haufen Schmuckstücke zu rauben, ohne erkennbare Möglichkeit, die Waren danach an Hehler verkloppen zu können. Bone bringt Helen bei, wie man eine Waffe benutzt, indem sie diese direkt auf ihn richten soll. Die Banditen vergessen dann irgendwie ihre Gasmasken zu einem Überfall mitzubringen, obwohl sie die zu ihrem allerersten mitgebracht hatten, wo gar kein Gas verwendet wurde (es sei denn, es hat sich aus dem Gedächtnis des Zuschauers gebrannt). Hinzu kommt, dass dieser Film allen Science-Fiction-Fans gleichzeitig alle Science-Fiction-Dinge bieten möchte (mit Elementen aus THX-1138 über Blade Runner bis zu Brazil und darüber hinaus), während er den Betrachter in allen Facetten enttäuscht. Bei Crime Zone dreht es sich um nichts anderes, als eine kolossale Verschwendung (vollkommen unabhängig vom Budget).

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  •  „Vollbild 4:3“
  •  „VHS“
  •  „ca. 92 Min.“
  •  „Deutsch“
  •  „Pal“
  •  „Ungekürzte Fassung – sehr guter Zustand – Einleger“
  •  „18“
  •  „Mono“

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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