Crying Freeman – Der Sohn des Drachen

Der sagenumwobene chinesische Geheimbund „Söhne des Drachen“ liefert sich an der amerikanischen Westküste einen brutalen Bandenkrieg mit der japanischen Yakuza. Töpfermeister Y? – der Freeman – ist eine perfekt ausgebildete Kampfmaschine. Bei einem Auftragsmord wird er zufällig von der schönen Malerin Emu beobachtet. Entgegen seiner Befehle weigert er sich, die Augenzeugin aus dem Weg zu räumen, und stellt sich damit offen gegen die „Söhne des Drachen“, die umgehend die Hinrichtung des Verräters in Auftrag geben… (Turbine Medien)

Die Tatsache, dass Pakt der Wölfe in Europa ein riesiger Erfolg war und sich auch in den USA eine enorme Kult-Anhängerschaft gebildet hatte, erhöhte das Interesse an Christophe Gans‘ erstem Film enorm, der Adaption des Anime / Comic-Buches von Crying Freeman. Der Film wurde in den USA nie veröffentlicht, obwohl er mit einer englischen Synchronisation ausgestattet wurde, während es weltweit auch nur einige sehr schlechte DVD-Veröffentlichungen gab. Obwohl es sich bei dem Streifen um einen Versuch eines Actionfilms im Stile eines John Woo handelt, der von hektischen Schießereien und minimalen Dialogen geprägt ist, stellt er doch durchaus eine kleine Überraschung dar. Hauptdarsteller Mark Dacascos stellt sich als ein großartiger Athlet vor, was sich hier in einigen Stunt-Szenen, sowie in einem anderen vernachlässigten B-Klassiker zeigt: Drive – Keiner schlägt härter (1997).

Das soll nun nicht bedeuten Crying Freeman würde irgendeine Art von Klassiker repräsentieren. Der Film ist mit dem gleichen Low-Budget-Beleuchtungs- und Filmmaterial ausgestattet, das an den Film der Woche der US-amerikanischen Kabelstationen erinnert. Tatsächlich erweist es sich als erstaunlich, dass sich jede Aufnahme so auffällig unattraktiv gestaltet (trotz des reichlichen Budgets von 8 Millionen US-Dollar). Es ähnelt wirklich einem dieser EmmanuelleRip-Offs, die man spät in der Nacht im Privatfernsehen bestaunen konnte. Doch Gans rettet den Film mit markanten Bildern und gut choreografierten sowie präzisen Action-Sequenzen, wie zum Beispiel der Szene, in der Dacascos an einer Statue festgeschnallt ist, während ihm Anweisungen von etwas eingeflüstert werden, das aussieht, als wäre es dem Bösewicht aus Big Trouble in Little China gestohlen worden oder die großartige Attentatsszene in einem italienischen Restaurant.

Der Film möchte sich zwar von anderen abheben, bleibt aber trotz seiner Herkunft ein sehr herkömmlicher Attentäter-Film voller Klischees. Hinzu kommt, dass endlose Plattitüden über Ehre mit den Drohungen der verschiedenen Banden gemischt werden, die versuchen, Dacascos und seine neue Geliebte zu ermorden. Sie wird von Julie Condra verkörpert, die zwar umwerfende Schönheit an den Tag legt, jedoch wie eine betäubte Puppe aussieht, besonders während sie ihren roten Kimono trägt und einen Regenschirm dreht. Ihren Dialog und ihr voiceover bietet sie in ähnlichem Koma dar. Tatsächlich wird der gesamte Dialog recht steif geführt. Einer der Hauptschurken der Geschichte wird von Tcheky Karyo gespielt, der immer für große US-Produktionen engagiert wird, wenn man einen anonymen, aber schäbig charmanten Euro-Bösewicht braucht.

Der Film taumelt mit viel zu viel Hintergrundgeschichte und Aufbau umher, mit ungefähr zwanzig Minuten Laufzeit, die der Geschichte des Freeman gewidmet ist, gerade als der Streifen an Dynamik gewinnt, während sich das Paar auf der Flucht befindet. Doch dann vergisst Gans die fingierte Mythologie und beschert dem Zuschauer Zeitlupen-Schießereien und Posen a la John Woo. Tuck and roll, spin and dive. Da es sich um eine französische Scheibe handelt, wird der gelegentliche japanische oder chinesische Dialog glücklicherweise via Untertitel ins Deutsche und Englische übersetzt, aber da er sowieso hölzern und simpel gehalten ist, wäre das noch nicht einmal erforderlich gewesen, um der Geschichte dennoch folgen zu können. Sollte es so klingen, als würde der Film hier mehr oder weniger auseinandergerissen, so ist das zwar wahr, liest sich wahrscheinlich jedoch etwas strenger, als es eigentlich gemeint ist. Denn das bedeutet nicht, der Streifen wäre schlecht oder würde dem Rezensenten nicht gefallen. Der Schlüssel ist, dass sich der Flick selbst viel zu ernst nimmt, was irgendwie ein Gegengewicht dazu bildet, dass er sich nie sehr gut oder besonders kreativ anfühlt. Crying Freeman weiß trotzdem durchaus zu unterhaltsam, ganz besonders während der Action-Sequenzen, die hervorragend choreographiert sowie inszeniert worden sind und teilweise an die großen, sogenannten heroic bloodshed Streifen wie A better tomorrow (Ying hung boon sik / City Wolf, 1986) oder The Killer (Dip huet seung hung, 1989) erinnern, ohne jedoch an die Gesamtqualität der beiden John Woo Streifen heranzureichen.

Crying Freeman erscheint als 2-Disc-Amaray (4K Ultra HD + Blu-ray 2D) im Hause Turbine Medien GmbH, wobei man dem Label zu dieser gelungenen Veröffentlichung nur gratulieren kann. Die Scheibe weiß nicht nur auf technischem Gebiet zu überzeugen, sondern hat auch Einiges an sehr interessanten Extras zu bieten. Das Bild wird in High Definition Widescreen (1080p24 / 2160p24 Full HD; 2.35:1) präsentiert und sieht wirklich klasse aus. Es zeigt sich sehr farbenfroh, enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Bei der Qualität der beiden angebotenen Tonspuren (Deutsch und Englisch DTS HD-MA 5.1 und DD 2.0 Surround) gibt es ebenfalls keine Beschwerden anzumelden. Außerdem gibt es die Möglichkeit deutsche oder englische Untertitel zuzuschalten.

Bonusmaterial:
Audiokommentar von Regisseur Christophe Gans* – Retrospektive – Interviews mit Christophe Gans und Mark Dacascos* – Interviews mit Christoph Gans zu Ursprung, Ausstattung und Storyboards* – Zwei entfernte Szenen – Featurette über den Schnitt* – Making-Of-Featurettes* – Hinter den Kulissen – Promo-Featurettes* – Teaser & Trailer

* In französischer und/oder englischer Sprache mit optionalen deutschen Untertiteln.

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  • Darsteller: Mark Dacascos, Julie Condra, Rae Dawn Chong, Mako, Tcheky Karyo
  • Regisseur(e): Christophe Gans
  • Format: 4K, Breitbild
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Turbine Classics
  • Produktionsjahr: 1995
  • Spieldauer: 102 Minuten

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Turbine Medien zur Verfügung gestellt. Das Bildmaterial stammt allerdings nicht von dieser Edition.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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