Das Finstere Tal

Das Finstere Tal

Ein Alpenwestern. Das alleine weckte extreme Neugier, dazu war Berlin vollgepflastert mit Plakaten. Dass ich Andreas Prochaskas Ode an den „Schneewestern“ letztendlich doch noch (wenn auch nicht zur Berlinale, aber im Rahmen des LOLA Festival als Eröffnungsfilm) sehen konnte veranke ich einer guten Bekannten. Als Italowestern Fan und Genießer düsterer Dramen habe ich mich besonders auf Das Finstere Tal gefreut. Ich vermutete eine Mischung aus Das ewige Lied (die Verfilmung der Entstehungsgeschichte des Liedes „Stille Nacht“, ebenfalls mit Tobias Moretti) und Leichen Pflastern Seinen Weg. Ich wurde nicht enttäuscht.

Das Finstere Tal

Das Finstere Tal erzählt die ebenso finstere Geschichte eines kleinen tiroler Bergdorfs etwa anno 1889, in dem eines Tages ein fremder aus Übersee in das Tal reitet. Ohne zu viel zu verraten, herrscht in dem Dorf eine besonders ekelerregende und grausame Patriarchie des alten Brennerbauern. Als junges Liebespaar an diesem Ort zu heiraten ist wirklich keine Freude. Was vor einer halben Ewigkeit passiert ist, als sich das letzte mal ein frisch vermähltes Paar dem Willen der Brenner widersetzte, sitzt den Leuten noch bis heute als Schreck tief im Mark, und das Kreuz am einzigen Ein- und Ausgang zum Tal mahnt zum Gehorsam.

Das Finstere Tal

Der Amerikaner Greider (Sam Riley, bekannt aus On the Road, ebenfalls als Kritik hier auf Nischenkino) will im Dorf überwintern, augenscheinlich um Fotos zu machen. Er lernt dabei die Schlüsselfiguren im Dorf kennen, und entdeckt wie die Familien zueinander stehen. Der Frühling steht noch nicht ganz vor der Tür, da wollen die Tochter seiner Gastgeberin und ihr Geliebter heiraten. Keine gute Idee in diesem Dorf… doch die Dramen von damals werden den Brenner Schergen von heute wieder einholen, denn Greider ist nicht der, für den ihn alle halten. Es kommt zu schockierenden Enthüllungen…

Das Finstere Tal

Prochaska gelingt hier ein (wenn auch wirklich nicht eine Sekunde heiterer) Balanceakt vom feinsten. Es ist ein Western im Schnee, der eigentlich keiner ist. Dabei ist der Film so voller essentieller Western Stilelemente dass er einen Connoisseur wie mich total in den Bann gezogen hat. Der Film ist handwerklich (vor allem audio-visuell) hervorragend gemacht und zeigt, dass es innovatives deutsch (naja) sprachiges Kino geben kann, das sowohl unterhalten kann, als auch hohen Ansprüchen genügt. Bei der Menge an öffentlichem Funding für diesen Film muss man ohnehin froh sein, wie gewagt der Film letztendlich ist. Schließlich ist es ein Rachefilm, der keine Zeit mit Nebensächlichkeiten verbringt, keinen moralischen Zeigefinger erhebt, keine Parabel erzählt. Hier wird scharf geschossen und hart gestorben.

Das Finstere Tal

Ich hoffe, der Film wird bald weltweit umfangreicher vertrieben, denn es ist schade dass er noch fast nirgends zu sehen ist. Dabei hat der Film (trotz Untertitel-Notwendigkeit) absolutes Vermarktungspotential. Ein Knallharter Schneewestern aus Österreich, das sollte ziehen. Krasse Schusswechsel, Verfolgungsjagden im Schnee, beklemmendes Dorfdrama, überzeugende Aufnahmen, Demonstrationmaterial für gute Sound-Systeme, und echt gute Schauspieler.

Ich kann den Film jedem empfehlen der das, was ich eben beschrieben habe annähernd interessant findet. Ich war von Das Finstere Tal begeistert, Corbucci wäre es auch.

Das Finstere Tal

Update

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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2 Antworten

  1. Bluntwolf sagt:

    Ein Muss für Westernfans !!! Begeisterung !!!

  2. DJ_Ango sagt:

    Absolut beeindruckendes Kleinod des modernen Westerns. Fans des Italos werden nicht enttäuscht sein!