Das Frauengefängnis der Gestapo / Der heiße Tod / 99 Women

Hella Lindau muss für viele Jahre ins Zuchthaus. Sie muss unter Mörderinnen und grausamen Aufseherinnen leben, die nur eins im Sinn haben. Die gefangenen Frauen zu demütigen, zu entwürdigen und durch Einzelhaft zu zermürben. Nachts werden die Frauen in Drahtkäfige gesperrt. Hier gilt nur eine Art von Liebe, Sex unter Frauen. Eine andere Beziehung könnte tödlich sein. Wird sie diese Hölle überstehen? (Centurio Video)

Das Frauengefängnis der Gestapo ist wohl als das größte Women-in-Prison-Projekt des spanischen Regisseurs Jess Franco zu bezeichnen. Laut Franco kam die Idee dazu vom Produzenten Harry Alan Towers, als die beiden in Rio de Janeiro verweilten, um den sexy psychedelischen Thriller The Girl from Rio (Die sieben Männer der Sumuru, 1969) zu drehen. Die Geschichte gestaltet sich jedenfalls sehr vertraut. Eine Gruppe junger Frauen wird in ein isoliertes Gefängnis gebracht, das irgendwo in der Nähe von Alicante in Spanien auf einem riesigen Felsen errichtet wurde. Bevor sie in riesige Käfige gesperrt werden, erhalten die Frauen Nummern und werden gezwungen ihre Namen zu vergessen, bis die Zeit für sie reif ist, um in die Gesellschaft zurückzukehren.

Die schöne Marie (Maria Röhm, Das Haus der tausend Freuden), die die Nummer 99 bekommt, beeindruckt sofort Zoie (Rosalba Neri, Top Sensation) und versucht sich mit ihr anzufreunden, aber die beiden Frauen stellen schnell fest, dass ihre Erwartungen aneinander sehr unterschiedlich sind. Trotzdem schließen sie sich später zusammen und erstellen einen Plan, um die Gefängniswärter auszutricksen und in den nahe gelegenen Wald fliehen zu können. Vor dem Ausbruch werden die Frauen wiederholt von der bösen lesbischen Wärterin Thelma Diaz (Mercedes McCambridge, Wenn Frauen hassen) gedemütigt sowie gefoltert, die es außerdem sehr gut versteht den naiven und korrupten Gouverneur der Insel (Herbert Lom, Die Ratte von Soho) zu kontrollieren. Als der Justizminister von ihren Taten erfährt, versucht er sie durch die viel vernünftigere Leonie Caroll (Maria Schell, Weiße Nächte) zu ersetzen, doch Thelma findet erneut einen Weg den Gouverneur auszutricksen, der zustimmt, ihre Stellvertreterin mit Hilfe eines fingierten Berichts zu diffamieren.

Die größte Attraktion stellt in diesem Film mit Abstand die fantastische weibliche Besetzung dar. Anscheinend hatten Franco und Towers kein großes Budget zur Verfügung, doch irgendwie gelang es ihnen, all diese schönen europäischen Schauspielerinnen davon zu überzeugen, sich ihrem Projekt anzuschließen. Letztendlich ist das dann auch der einzige Grund, warum dieses Projekt erfolgreich werden konnte. Trotz anfänglicher Bedenken ihrer US-Partner erhielt der Film eine anständige Berichterstattung in Variety, weswegen die Leute ins Kino rannten und auch im Ausland die Vertriebsrechte problemlos verkauft werden konnten. (Franco erklärte sich sogar bereit, zusätzliches erotisches Filmmaterial aufzunehmen, das später für längere Versionen des Films verwendet wurde; eine noch explizitere Version des Films mit neuen Szenen von Bruno Mattei wurde auch in Frankreich vertrieben).

Der unrated Director’s Cut des Films enthält kein pikantes Material (eine explizite französische Version ist ebenfalls erhältlich). Die Gefängnisaktionen werden auch bei weitem nicht so intensiv präsentiert, wie in einigen Filmen mit ähnlichen Themen, die Roger Corman produziert hat. Bei 99 Women handelt es sich also im Wesentlichen um einen exotischen Abenteuerfilm, der mehr von den klassischen Qualitäten lebt (die Towers mochte), als von dem kantigen Material, das Franco einige Jahre später mit Greta – Haus ohne Männer vorstellen sollte. Der Film hat einen ungewöhnlich abwechslungsreichen Soundtrack, der schöne symphonische Musik und verträumte Jazz-Themen miteinander verbindet, wodurch der Streifen viel teurer und ambitionierter erscheint, als er wirklich war. Die Musik wurde vom legendären italienischen Komponisten und Dirigenten Bruno Nicolai (Adios Sabata, Caligula) erschaffen.

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  • Sprache: Englisch
  • Untertitel: Spanisch, Englisch, Französisch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
  • Anzahl Disks: 3
  • FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
  • Studio: Blue Underground

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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Eine Antwort

  1. 24. August 2020

    […] Bluntwolf empfiehlt auf Nischenkino Jess Francos frühen WIP-Film „Der heiße Tod“ und wie ich sehe, gibt es da eine 3-Disc-Edition aus den USA – da muss ich gleich mal in den […]

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