Das Haus der Verfluchten / 7, Hyden Park: la casa maledetta

Reiche Erbinnen leben gefährlich! Dies muss Joana täglich spüren … als Kind raubte ihr ein als Priester verkleideter Mann die Unschuld und ließ sie querschnittsgelähmt in der Wildnis liegen. Jetzt, Jahre später ist sie noch immer an den Rollstuhl gefesselt – doch das Kindheitstrauma konnte sie endlich vergessen… Gerade in diesem Moment passieren in ihrem Haus die schrecklichsten Dinge. Innerhalb weniger Stunden werden alle Menschen die Joana nahe stehen auf entsetzliche Weise getötet! Joana steht nach dieser „Schocktherapie“ am Rande des Wahnsinns! …plötzlich geistert eine schwarz verhüllte Gestalt durch ihre Villa. In der linken Hand eine blutbesudelte Puppe… Immer näher kommen die Schritte… (’84 Entertainment)

Alberto De Martino behandelt das Material mit seiner gewohnten Effizienz. Die Geschichte steckt nicht gerade voller Überraschungen, doch der Regisseur scheint dies vernünftig zu erkennen und versucht nicht den mysteriösen Winkel lange auszuspielen. Es ist von Anfang an ziemlich offenkundig, dass Craig nur wegen ihres Geldes an Joanna interessiert ist und da er nie anwesend ist, wenn sie von der Gestalt des maskierten Priesters terrorisiert wird, kann man sich schon ziemlich sicher sein, dass er dahinter steckt. De Martino lässt die Katze vernünftigerweise recht früh aus dem Sack, anstatt diesen unglaublich offensichtlichen Handlungspunkt bis zur „letzten Wendung“ zu melken. Daher ist der Film weniger als ein „whodunit“ zu bezeichnen, als vielmehr eine “will she get it?” Thriller-Variation. Der mysteriöse Blickwinkel mag somit heruntergespielt werden, doch das steht einigem an klassischen Giallo-Nervenkitzel nicht im Wege. Die verschiedenen Morde sind überraschend brutal und blutig gestaltet worden, insbesondere eine Szene, in der ein Charakter mit einer Schaufel auf besonders bösartige Art und Weise angegriffen wird. Der letzte Showdown zwischen Joanna und Craig wurde auch sehr gut inszeniert und enthält einige Momente in denen man schon mal zusammenzucken kann, wenn die gefährdete Heldin um ihr Leben kämpft und es ihrem Angreifer dabei nicht gerade leicht macht.

In Bezug auf die Produktionswerte sieht der Film so glatt und poliert aus, wie man es von De Martino erwarten würde. Die Außenaufnahmen wurden vor Ort in Boston gedreht (De Martino gehörte zu den wenigen italienischen Genre-Filmemachern dieser Zeit, die wirklich konzentrierte Anstrengungen unternahmen, um ihre Arbeit als faux-amerikanisch auszugeben), während die in Rom gedrehten Innenaufnahmen ebenfalls überzeugend amerikanisch rüberkommen. Gianlorenzo Battaglias Kinematografie ist als stilvoll und launisch zu beschreiben, wobei Schatten sehr effektiv eingesetzt werden, während sich Vincenzo Tomassis Schnitt so flüssig zeigt, wie nie zuvor. Francesco De Masis Musik zitiert großzügig aus dem Soundtrack von Der New York Ripper (1982), was ein wenig irritierend sein kann, wenn man mit Lucio Fulcis überlegenem Thriller vertraut ist. Glücklicherweise wird die Stimmung dadurch allerdings nicht allzu sehr gestört. Der Film profitiert zusätzlich von zwei hervorragenden zentralen Vorstellungen. Christina Nagy präsentiert sich in guter Form als Joanna. Es wäre leicht gewesen, die an den Rollstuhl gebundene Figur für rührseliges Mitgefühl zu spielen, aber Nagy und De Martino meiden Klischees und geben sich große Mühe, sie als starke, einfallsreiche Frau zu zeigen.

Nagy ruft durchweg Sympathie hervor und ist auch sehr geschickt darin den wachsenden Schrecken des Charakters zu vermitteln, ohne übertrieben zu wirken. Über die Schauspielerin, die offenbar eine sehr kurze Karriere bestritten hat, bevor sie das Filmgeschäft verließ, um sich auf andere Dinge zu konzentrieren, ist nicht viel bekannt. Ihre anderen Projekte waren im britischen Fernsehen zu sehen, was darauf hindeutet, dass sie wahrscheinlich aus dieser Gegend stammt und 7, Hyden Park: la casa maledetta ihre einzige Auseinandersetzung mit der Welt des italienischen Genre-Kinos geblieben ist. David Warbeck steht ihr, als der charmante aber wahnsinnige Craig, in nichts nach. Warbeck kann als ein äußerst sympathischer Schauspieler angesehen werden, weswegen er keine Probleme damit hatte, den Charakter von Anfang an richtig schmeichlerisch darzustellen. Mit Psychopathen hatte er jedoch weniger Erfahrung, weswegen sein Abstieg in Wahnsinn und Gewalt für eine angenehme Abwechslung sorgt. Jedenfalls spielt er angemessen unheimlich und stellt eine gute Folie für Nagys findige Heldin dar.

Warbeck (richtiger Name David Mitchell) wurde 1941 in Neuseeland geboren. Er studierte Schauspiel an der Royal Academy of Dramatic Arts und begann Anfang der 60er Jahre für das britische Fernsehen zu arbeiten. Er gab 1969 sein Filmdebüt und trat in so unterschiedlichen Filmen wie Freddie Francis‘ Trog (Das Ungeheuer, 1970), John Houghs Twins of Evil (Draculas Hexenjagd, 1971) und Russ Meyers Black Snake (1973) auf. Warbeck wagte sich 1972 zum ersten Mal nach Italien, als er von Sergio Leone in Giù la testa (Todesmelodie, 1972) besetzt wurde. Er hatte zwar keine Zeilen zu sprechen, hinterließ als Freund von James Coburns IRA-Agenten aber Eindruck. Warbeck liebte es in Italien zu arbeiten und begann dort ab Mitte der 70er Jahre immer mehr Filme zu drehen. Er trat für Regisseure wie Antonio Margheriti L’ultimo cacciatore (Jäger der Apokalypse, 1980) und Giuliano Carnimeo Quella villa in fondo al parco (Ratman, 1988) auf, unter Genre-Fans feierte er seinen größten Erfolg dank aufeinanderfolgender Filme für Lucio Fulci: The Black Cat und Über dem Jenseits (beide 1981).

Warbeck umarmte den Kult, der diesen Filmen folgte und wurde zu einer beliebten Präsenz bei Fantasy- und Horrorfilmfestivals in Europa und Amerika, zusätzlich zur Fortsetzung seiner Schauspielkarriere. Auch den Giallo sollte er mit einem Auftritt in Fatal Frames – Fotogrammi mortali (Fatal Frames – Okkulte Morde, 1996) wieder besuchen, der sich als einer seiner letzten Filme herausstellen würde. Er wurde 1997 im viel zu jungem Alter von nur 55 Jahren ein Opfer von Krebs. Das Haus der Verfluchten sollte sich als Alberto De Martinos Schwanengesang herausstellen. Mitte der 80er Jahre ging er in den Ruhestand und hatte noch das Vergnügen seine Filme von einer neuen Generation von Fans angenommen zu sehen. Alberto De Martino starb am 2. Juni 2015 in Rom.

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  • Format: DVD & Blu-Ray
  • Region: Region 2
  • Produktionsjahr: 1979

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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