Das Haus mit dem dunklen Keller / La casa con la scala nel buio / A Blade in the Dark

Der Filmkomponist Bruno, der seit kurzem in einer abgelegenen Villa wohnt und den Score für einen neuen Horrorfilm entwickelt, gerät in die Verstrickung seltsamer Ereignisse. Eines Abends taucht seine Nachbarin Katja auf, verschwindet aber ganz plötzlich wieder. Bruno entdeckt Blut im Garten, sowie Katjas Tagebuch, in dem Seiten fehlen. Auch das Flüstern einer weiblichen Stimme auf den Tonbändern fällt einer Manipulation zum Opfer. Als kurz darauf eine weitere Besucherin spurlos verschwindet, wähnt Bruno einen Killer in und um die Villa. Das Haus mit dem dunklen Keller birgt blutige Geheimnisse. (X-Rated)

A Blade in the Dark stellt Lamberto Bavas Debüt als Giallo-Regisseur dar. Gerade als er Dario Argento bei Tenebrae (1982) assistierte, kam das Angebot La casa con la scala nel buio zu drehen – seinen zweiten Film als Soloregisseur – weswegen er von seinen Pflichten für Tenebrae entbunden werden musste, um seinen eigenen Film vorbereiten zu können. Das Ehepaar Dardano Sacchetti und Elisa Briganti steuerte das Drehbuch bei. In einem Interview auf der Blue Underground DVD erinnern sich Sacchetti und Bava, dass ihre Zusammenarbeit als angespannt bezeichnet werden konnte. Die beiden Männer hatten sich Jahre zuvor angefreundet, als sie mit Bavas Vater Mario an Ecologia del delitto (Im Blutrausch des Satans, 1971) gearbeitet hatten, doch ihre Herangehensweisen und Temperamente erwiesen sich gelegentlich als widersprüchlich. Wie auch immer, das Szenario setzt den von Argento in Tenebrae ordnungsgemäß initiierten metakinematischen Trend fort. Während sich Argentos Film mit einem erfolgreichen Thriller-Autor befasst, der in einen realen Giallo hineingezogen wird, handelt Bavas Streifen von einem Komponisten, der sich bemüht, einen gewalttätigen Thriller mit Musik zu untermalen. Die letzte Wendung des Films repräsentiert eigentlich eine Referenz auf eine ungewöhnliche Besetzung im gotischen Meisterwerk seines Vaters Operazione paura (Die toten Augen des Dr. Dracula, 1966), zu viel darüber zu schreiben, würde jedoch die Überraschung verderben. Es genügt zu berichten, dass die Geschichte eine Menge an Überraschungen bereit hält, Bava das klaustrophobische Potenzial des Schauplatzes exzellent zu maximieren weiß und er es hervorragend versteht eine unheimliche Stimmung aufrechtzuerhalten.

Trotzdem ist der Film in einigen Bereichen ziemlich am Stolpern. Zum einen zählt die englische Synchronisation (sollte man sich für die verschiedenen Sprachfassungen interessieren) zu den schlimmsten, die einem Giallo nur angetan werden kann. Das Anhören des gestelzten englischsprachigen Dialogs gestaltet sich manchmal als äußerst schmerzhaft (“Is it possible you’re such a vacant nerd? Your satisfaction is to sit in the sun like a frog?”), während die sprachlichen Darbietungen zur Peinlichkeit neigen. Bava fällt es außerdem sichtlich schwer ein gutes Tempo zu halten, obwohl er sich in späteren Filmen auf diesem Gebiet mit Sicherheit verbessern sollte. Das Haus mit dem dunklen Keller fängt gut an und setzt sich mit einigen starken set-pieces fort, es wird jedoch ein wenig zu viel geredet und zu viele Szenen von Charakteren, die ziellos umherirren, eingeschoben. Auch die Mordszenen rangieren von enorm erinnerungswürdig bis völlig albern. Ein Charakter wird zum Beispiel mit einem Schraubenschlüssel zu Tode geprügelt, wobei die übertriebenen Darbietungen nicht gerade viel dazu beitragen, die Illusion authentisch wirken zu lassen. In ähnlicher Weise wird eine andere Szene, in der eine Figur mit einem X-Acto Messer bedroht wird, bis zur Absurdität überzeichnet. Auf der anderen Seite bietet eine denkwürdig bösartige Mordszene die Art taktiler Schnörkel, die man normalerweise mit Argento verbindet. Ein weibliches Opfer wird beim Haare waschen gestört, wobei der Mörder ihre Hand mit einem fiesen Fleischmesser aufspießt, bevor er ihren Kopf mit einer Plastiktüte überzieht und wiederholt gegen die harten Fliesen schlägt. Die Mischung aus Seifenlauge und purpurrotem Blut erzeugt dabei einen merkwürdig mulmigen Effekt.

Keine andere Szene des Films kann mit der wilden, brutal grausamen Wirkung dieser Sequenz mithalten. Ein weiteres Problem des Films ist seine übermäßige Länge. Mit einer Laufzeit von 110 Minuten hält er nicht die Art von komplizierter Erzählung oder anhaltenden stilistischen Schnörkeln bereit, die eine solche Länge rechtfertigen würden. Der Film wurde ursprünglich vom Produzenten Mino Loy für das italienische Fernsehen in Auftrag gegeben und sollte in vier 30-minütigen Segmenten ausgestrahlt werden. Wie Bava in einem Interview erklärt, war es das Ziel, in jeder der vier Folgen einen schockierenden Mord zu integrieren, was der fertige Film sicherlich bestätigt. Der Streifen wurde mit einem sehr geringen Budget produziert, wobei Co-Produzent Luciano Martino seine Villa als kosteneffektiven (aber sehr attraktiven) Drehort zur Verfügung stellte. Als A Blade in the Dark jedoch der Fernsehzensur gezeigt wurde, stellte man fest, dass der Film viel zu blutig geraten war. Bevor sie den Streifen vollkommen kastrierten, wiesen die Produzenten Bava an, ihn zu einem einzigen Spielfilm zu schneiden. Dies wäre ihm gut gelungen, hätte er den Film noch einmal um 10 Minuten gekürzt, da er aus heutiger Sicht einfach zu lang ist.

Trotz der Low-Budget-Produktion sieht der Film eigentlich ganz vernünftig aus. Gianlorenzo Battaglias Kinematografie wird durch die Entscheidung kompromittiert auf 16 mm zu fotografieren und das Bild dann für den Kinoverleih auf 35 mm aufzublasen – was zu einer ausgeprägten Körnung des Bildes führt – über dieses Zugeständnis hinaus ist seine Beleuchtung jedoch als recht stimmungsvoll und atmosphärisch zu bezeichnen. Die klassischeren, gotischeren Momente offenbaren Bavas offensichtliche Liebe für das Genre. Die Musik von Guido und Maurizio De Angelis wird auch sehr effektiv eingesetzt und hilft den Film durch einige seiner Flauten zu tragen. Die Besetzung weiß jedoch nicht richtig zu überzeugen. Andrea Occhipinti tritt als Bruno eher flach und lustlos auf. Occhipinti wurde 1957 in Mailand geboren und begann 1979 in Film und Fernsehen aufzutreten. In Lucio Fulcis Der New York Ripper (1982) trat er zum ersten Mal in einem Giallo auf. Sein gutes Aussehen machte ihn in den 80er Jahren zu einem sehr beliebten Schauspieler, weswegen er in Fulcis Schwert-und-Sandalen-Opus Conquest (1983) und John Dereks berüchtigtem Bolero (Ekstase, 1984) auftaucht, wo er den Liebhaber der sexy Ehefrau des Regisseurs spielte, Bo Derek. Mitte der neunziger Jahre begann er mehr als Produzent zu fungieren. Dabei war er an Filmen wie Lars Von Triers Antichrist (2009), Michael Hanekes Funny Games (2007) und Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte (2009) sowie Paolo Sorrentinos Cheyenne – This Must Be the Place (2011) beteiligt.

Zu den Nebendarstellern gehört der zukünftige Regisseur Michele Soavi, der als Brunos arbeitsscheuer Freund, der seine Villa für zusätzliches Geld vermietet, eine eher schwache Leistung erbringt. Soavi führte dann später selbst Regie bei seinem eigenen Giallo Deliria (Aquarius – Theater des Todes, 1987), der von einigen Kritikern als ein Vorläufer der amerikanischen Slasher-Filme angesehen wird. Lamberto Bava wurde 1944 in Rom geboren. Als erstes Kind des großen Kameramanns / Spezialeffekt-Zauberers / Filmregisseurs Mario Bava wuchs er von der Arbeit seines Vaters umgeben auf. Trotz früher Warnungen seines Vaters vor einer Karriere in der Filmbranche entschied Lamberto, dass Filmemachen seine Berufung sei und half seinem Vater zunächst bei Terrore nello spazio (Planet der Vampire, 1965). Mit der Zeit entwickelte er einen Ruf als einer der besten Regieassistenten Italiens und arbeitete mit solchen Praktikern wie Ruggero Deodato an Ultimo mondo cannibale (Mondo Cannibale 2 – Der Vogelmensch, 1977) und Cannibal Holocaust (Nackt und zerfleischt, 1980) sowie Dario Argento an Inferno (Horror Infernal, 1980) und Tenebrae (Tenebre – Der kalte Hauch des Todes, 1982). 1980 gab er sein Regiedebüt mit Macabro (Macabro – Die Küsse der Jane Baxter), einer beunruhigenden, auf Fakten basierenden Geschichte über Mord und Wahnsinn in New Orleans, die von Pupi Avati mitgeschrieben wurde. Der Film erhielt einige gute Kritiken – wobei es der einzige Film (bei dem er Regie führte) sein sollte, den sein Vater noch erleben würde.

Leider fand der Film kein Publikum und der frustrierte Regisseur musste als Regieassistent arbeiteten, zu einem Zeitpunkt wo seine eigene Karriere hätte florieren sollen. Mit A Blade in the Dark änderte sich dies jedoch, da sich das Projekt als wirtschaftlich tragfähiger erwies. Lamberto Bava inszenierte den äußerst beliebten Dèmoni (Dämonen 2, 1985) für Dario Argento als Produzenten, dessen Erfolg dann zu dem minderwertigen Dèmoni 2… l’incubo ritorna (Dämonen, 1986) führte. Bava arbeitete in den achtziger Jahren stetig weiter und überlebte den Zusammenbruch der italienischen Filmindustrie, indem er sich intensiv mit dem Fernsehen beschäftigte. Er erzielte einen großen Erfolg mit dem für das Fernsehen gedachten Fantasy-Film Fantaghirò (Prinzessin Fantaghirò, 1991) mit Alessandra Martines und Mario Adorf, der ihn zu einem der finanzstärksten Fernsehregisseure Italiens machte. Bava würde den Giallo mit Titeln wie Morirai a mezzanotte (Midnight Killer, 1986), Le foto di Gioia (Das unheimliche Auge, 1987) und Body Puzzle (Body Puzzle – Mit blutigen Grüßen, 1992) immer wieder mal besuchen.

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Darsteller: Andrea Occhipinti, Anny Papa, Fabiola Toledo, Michele Soavi
Regisseur(e): Lamberto Bava
Format: Limitierte Auflage, Breitbild
Sprache: Italienisch (DD), Deutsch (DD)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
FSK: Nicht geprüft
Studio: X-Rated
Produktionsjahr: 1983
Spieldauer: 108 Minuten

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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