Dave Made A Maze

Der erfolglose Träumer Dave baut in seinem Wohnzimmer ein gigantisches Labyrinth aus Pappkartons und verirrt sich darin heillos. Daves Freundin Annie macht sich mit einem Team von Freunden und Kurzentschlossenen an seine Rettung. Doch das Labyrinth entwickelt ein magisches Eigenleben und ist gespickt mit fiesen Fallen, fantastischen Kreaturen und einem blutrünstigen Minotaurus. In all dem irrwitzigen Durcheinander versucht Dave, wenn schon nicht den Ausgang, dann doch zumindest zu sich selbst zu finden. (Pandastorm Pictures)

Dave, ein Künstler, der noch nichts Bedeutendes in seiner Karriere zu Ende gebracht hat, baut aus purer Frustration ein Fort in seinem Wohnzimmer, um sich dann von den fantastischen Fallen und Kreaturen seiner eigenen Kreation gefangen nehmen zu lassen. Hin und wieder (leider immer seltener) tauchen Filme auf, die einem das Gehirn durch den Hinterkopf blasen und mit goldenem Sonnenschein ersetzen. DAVE MADE A MAZE ist einer dieser Filme, ein entzückendes Wunder, voller Originalität und auf magische Art und Weise delikat. Dave (Nick Thune) hat das ganze Wochenende damit verbracht, in der Wohnung, die er mit seiner Freundin Annie (Meera Rohit Kumbhani) teilt, eine Art Festung aus Pappe zu bauen. Als Annie nach einer kurzen Reise nach Hause kommt, ist sie überrascht, die große, kastenförmige Struktur vorzufinden, doch noch mehr wundert es sie, die Stimme ihres Freundes aus dem Kartongebäude zu vernehmen, der behauptet, irgendwo in seinem Labyrinth verloren gegangen zu sein. Annie ist verwirrt und weist darauf hin, dass das Labyrinth nur ein paar Meter lang und breit ist und er sich leicht herausschneiden könnte. Worauf Dave bedrohlich intoniert: „Von Innen ist es größer.“

Trotz Daves Protesten, ihn nur seine Arbeit erledigen zu lassen und alles wird in Ordnung sein, versammelt Annie schnell ein paar ihrer Freunde in der Wohnung, um das Labyrinth zu betreten und Dave zu retten. Unter ihnen Harry (James Urbaniak), der Leiter einer kleinen Dokumentarfilmcrew und Gordon (Adam Busch), Daves bester Freund. Nachdem sie sich alle in das Kartonlabyrinth hinein gezwängt haben, entdecken sie, dass das Innere tatsächlich viel größer ist, als es das Äußere vermuten lässt (ähnlich wie in Mark Z. Danielewskis Roman Das Haus – House of Leaves). Dave war ganz schön beschäftigt gewesen. Es gibt Räume in Räumen, die alle aus Pappe bestehen: Papptische und -stühle, Papptöpfe und -pfannen, optische Täuschungen aus Pappe, Papp-Kraniche, die selbstständig herumfliegen, ein riesiger Papp-Kopf, der buntes Konfetti ausspuckt – oh, und Papp-Sprengfallen, die Menschen töten, gilt es auch zu beachten.

Ja, richtig gelesen. Es werden Menschen sterben, doch anstatt, dass Blut aus ihren tödlichen Wunden spritzt, sprüht leuchtend rotes Konfetti heraus. Das ist schockierend und unglaublich inkongruent, passt jedoch absolut in die Welt, die die Filmemacher erschaffen haben, besonders nachdem sich alle Charaktere selbst in Papiertütenpuppen verwandelt haben, während sie durch einen der Räume „wandern“. Wurde der Minotaurus schon erwähnt? Nein? Okay, es gibt auch einen Minotaurus, der das Labyrinth bewacht, wild schnaubt und der verlorenen Gruppe langsam entgegenstapft. Das klingt alles nach einem großen Mischmasch an Verrücktheit, doch das ist es nicht. Oder, nicht nur das. Alles macht Sinn, alles funktioniert, alles fasziniert und fesselt, wobei es sogar gelungen ist einige tiefgehende Kommentare über Künstler sowie deren Arbeit und die Rolle von Freunden im eigenen Leben abzugeben. Regisseur Bill Watterson und Schriftsteller Steven Sears sollten für ihre einzigartige, originelle Vision und für ihr Durchhaltevermögen, dieses verrückte Stück Film bis zu seinem logischen Abschluss zu Ende zu bringen, großen Applaus bekommen. Der Plot beginnt bei seinem Hochseil-Spagat-Akt nie zu wackeln, wobei ein großer Teil des Erfolgs diesen beiden zu verdanken ist.

Ein weiterer des Lobes würdiger Aspekt dieses schmucken Streifens ist das einheitlich großartige Schauspiel. Jeder einzelne Schauspieler dieses Films behandelt seine Rolle (und seine Gegenüber) mit größter Ernsthaftigkeit, selbst wenn sich manche Situationen lächerlich und albern gestalten. Diese dadurch entstehende Glaubwürdigkeit trotzt den seltsamen Umständen und bringt jede einzelne Szene auf den Punkt. Das Bühnenbild und Dekor sind einfach unglaublich gut geraten! Jeder Raum, den die Gruppe besucht, ist neu und einzigartig, mit eigenem Thema, eigenen Fallstricken und eigenem Innendesign. Einige der Wände sind komplett Patchwork-artig gestaltet, andere folgen einem bestimmten Muster, einige sind wild künstlerisch veranlagt worden, einige sind schlicht, doch alle funktionieren als zusammenhängendes Ganzes und (was noch wichtiger ist) gewähren dem Publikum Einblicke in Daves weltentrückte Psyche. DAVE MADE A MAZE ist ein wunderbarer Film, den man nur empfehlen kann und dabei hofft, dass so viele mutige Filmfans, wie möglich, einen tiefen Atemzug nehmen und Daves Labyrinth betreten. Doch aufgepasst – man möchte schließlich nicht in einer Schauer roten Konfettis enden!

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Darsteller: Nick Thune, Meera Rohit Kumbhani, Adam Busch, James Urbaniak, Frank Caeti
Regisseur: Bill Watterson
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Pandastorm Pictures (Edel)

Diese Edition sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Pandastorm Pictures zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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