Day-Killer – Pulsschlag des Todes / 5 donne per l’assassino

Der Journalist Giorgio Pisani ist am Boden zerstört, als seine Frau bei der Geburt ihres Kindes stirbt. Er ist noch erschütterter, als er mit Hilfe medizinischer Tests herausfindet, dass er steril ist, was bedeutet, dass er unmöglich der Vater seines Sohnes sein kann. In der Zwischenzeit beginnt ein Mörder, schwangere Frauen abzuschlachten…

5 donne per l’assassino leitet seinen Titel von Mario Bavas Sei donne per l’assassino (1964) ab, wobei sein stark sexualisiertes Thema Elemente aus Lucio Fulcis berüchtigtem Der New York Ripper (1982) antizipiert. Letzteres ist nicht verwunderlich, da der Film von Gianfranco Clerici und Vincenzo Mannino gemeinsam geschrieben wurde, die mit Fulci am Drehbuch für diesen späteren Giallo zusammenarbeiten sollten. Die Geschichte handelt von einem Mörder, der von seinen eigenen „Unzulänglichkeiten“ so frustriert ist, dass er sich gezwungen fühlt Frauen zu bestrafen, die mehr Glück haben. Im Großen und Ganzen vermeidet es der Film ein moralisches Urteil über die Opfer zu fällen, obwohl die allgemein schmierige und schmutzige Darstellung sexueller Beziehungen den Film etwas konservativ, wenn nicht geradezu scheinheilig erscheinen lassen könnte. Das Rätsel wird eigentlich ziemlich gut gehandhabt, was die endgültige Enthüllung überraschend ausfallen lässt, während sich die fiesen Mordsequenzen aufgrund ihrer schonungslosen Art umso effektiver gestalten. Sie werden zwar durch einige weniger überzeugende Spezialeffekte ein bisschen untergraben, doch dies stellt nur einen kleinen Streitpunkt dar. Auf der anderen Seite ist der Film mit allgemein langweiligen und austauschbaren Charakteren beladen.

Giorgios Charakter ist so flach geschrieben, dass er praktisch in der Szenerie verschwindet, während die verschiedenen Opfer, obwohl sie sympathisch dargestellt werden, keine wirkliche Substanz zu bieten haben. Dem ermittelnden Inspektor wird zumindest ein wenig Humor verliehen, insbesondere in der Beziehung zu seinem dusseligen Assistenten, doch dieser Aspekt trägt nicht viel zum Gesamtdrama bei. Thriller sind in der Regel am effektivsten, wenn das Publikum emotional in die Action involviert ist, was hier wahrscheinlich nicht der Fall sein wird, weil es sich so oder so einfach nicht lohnt, mit irgendjemandem mitzufühlen. Der Charakter des Chirurgen, Professor Betti, wurde angemessen selbstgefällig und herablassend angelegt, um das Publikum dazu zu bringen gegen ihn zu sein – aber ihm fehlt sozusagen ein Gegenüber. Trotzdem versteht es Stelvio Massi sehr gut mit dem Film umzugehen. Der Regisseur nutzt die nervöse Handkameraarbeit hervorragend, um Spannung und Klaustrophobie aufzubauen, wobei auch zahlreiche elegante, gleitende Kamerabewegungen eingebaut wurden. Er verleiht dem Film ein vernünftiges Tempo und zeigt Gespür für die Orchestrierung einer recht verdrehten Erzählung.

Mit einem stärkeren Drehbuch hätte aus dem Streifen mehr als nur eine relativ kleine Fußnote im Zyklus des filone werden können. So wie es aussieht, handelt es sich hier keineswegs um einen vergessenen Klassiker, doch ist 5 donne per l’assassino für anspruchsvolle Giallophile dennoch zu empfehlen. Die Produktionswerte sind insgesamt als anständig zu bezeichnen, obwohl hier und da Anzeichen von geringem Budget erkennbar sind, insbesondere in den oben genannten Einsätzen von Spezialeffekten. Der britische Schauspieler Francis Matthews führt die Besetzung an. Das Casting kann in vielerlei Hinsicht als bizarre beschrieben werden, wobei seine nicht allzu schmeichelhafte Combover-Frisur es lediglich schafft, ihn älter aussehen zu lassen. Der Schauspieler scheint durchweg impulsiv zu sein und es gelingt ihm nie, die innere Qual seines Charakters zu vermitteln. Es handelt sich dabei um eine ungewöhnlich hölzerne Vorstellung eines Schauspielers, der zu weitaus besserer Arbeit fähig war. Matthews wurde 1927 in Yorkshire geboren und begann Mitte der 50er Jahre im britischen Fernsehen, bevor er 1956 sein Filmdebüt gab. Horrorfans sollte er am besten für seine Filme mit den Genre-Ikonen Boris Karloff (Corridors of Blood, 1958), Peter Cushing (Frankensteins Rache, 1958) und Christopher Lee (Blut für Dracula, 1965 und Rasputin – Der wahnsinnige Mönch, 1966) in Erinnerung geblieben sein.

Apropo Giallo-Kontext, Matthews trat in einer der Folgen der beliebten Serie von Miss Marple-Thrillern mit Margaret Rutherford (Mörder ahoi!, 1964) sowie in der britischen Fernsehserie Paul Temple (1969-1971) auf, in der er den Verbrechen aufklärenden Krimi-Autor spielte. Er starb im Juni 2014. Day-Killer blieb für ihn ein seltsamer Ausflug in die Welt des italienischen Genrekinos. Renato Rossini kann seine übliche Rolle als „roter Hering“ hinter sich lassen, um den Inspektor zu spielen, womit er eine Menge Spaß zu haben scheint. Rossini legt in seinen Szenen weitaus mehr Charisma und Charme an den Tag als Matthews, was darauf hindeutet, dass der Film besser dran gewesen wäre, wenn sie ihre Rollen getauscht hätten. Übrigens sollte er eine der Hauptrollen in Der New York Ripper übernehmen. Giorgio Albertazzi (geb. 1923), der Professor Betti spielt, war einer der führenden Thespisjünger Italiens. Folglich könnte er vielleicht am ehesten als Bühnenschauspieler / Regisseur angesehen werden.

Trotzdem umfasst seine Filmarbeit nicht nur Alain Resnais‘ Arthouse-Meisterwerk L’année dernière à Marienbad (Letztes Jahr in Marienbad, 1961, geschrieben vom ebenso bekannten Alain Robbe-Grillet), sondern auch die TV-Miniserie Jekyll (1969), in der er die Hauptrolle spielte sowie Regie führte, ganz zu schweigen von einem weiteren Giallo, Fatal Frames – Okkulte Morde (1996). Der 1929 geborene Regisseur Stelvio Massi trat Anfang der 50er Jahre als Kameramann in die Welt der Filme ein. Er würde 1964 zum director of photography aufsteigen, während seine stilvolle Arbeit einige Genre-Titel zierte, insbesondere Italo-Western wie Il prezzo del potere (Blutiges Blei, 1969) und Gli fumavano le Colt… lo chiamavano Camposanto (Ein Halleluja für Camposanto, 1971) sowie den Giallo Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer? (Das Geheimnis der blutigen Lilie, 1972). 1973 begann er Regie zu führen und etablierte sich früh als einer der großen Meister des poliziottesco, dank herausragender Beiträge wie Squadra volante (Die gnadenlose Jagd, 1974), Mark il poliziotto (Blood, Sweat and Fear 1975; Wiedervereinigung mit Albertazzi), Poliziotto sprint (Highway Racer, 1977) und Il commissario di ferro (Kommissar Mariani – Zum Tode verurteilt, 1978). Er kehrte mit Arabella l’angelo nero (Arabella, Black Angel, 1989) zum Giallo zurück und ging 1994 in den Ruhestand. Er starb 2004 im Alter von 75 Jahren.

Zum Schluss gibt’s noch ein wenig Trivia zum Genießen: Es ist kaum zu glauben, doch der Streifen wurde für einige Zeit in Deutschland unter dem Titel John Carpenters Day-Killer verkauft! Nicht nur das Epitheton „Day-Killer“ macht keinen Sinn, sondern auch die vollkommen mangelnde Beteiligung Carpenters an diesem Film. Man kann davon ausgehen, dass die Genre-Ikone weniger begeistert war, seinen Namen einem relativ kleinen Giallo wie diesem zugeordnet zu haben, wenn er jemals auf diese Täuschung aufmerksam gemacht worden wäre.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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