Deathdream / Dead of Night

Während eines Gefechts im Dschungel von Vietnam wird der junge Soldat Andy Brooks getötet. Beim Erhalt der traurigen Nachricht bricht seine Familie zusammen, besonders seiner Mutter Christine macht der Tod schwer zu schaffen. In ihrer Trauer betet sie unermüdlich für die Rückkehr ihres geliebten Sohnes und noch in der gleichen Nacht geschieht das Unvorstellbare: Andy kehrt heim! Doch er ist nicht mehr derselbe. Ruhig und verschwiegen verbringt er nun die meiste Zeit in seinem Zimmer und zeigt ein zunehmend seltsames Verhalten. Als er dann urplötzlich den einst geliebten Familienhund mit bloßen Händen erwürgt, wendet sich sein Vater vertrauensvoll an Doktor Allman, welcher Familie Brooks anbietet, Andy zu untersuchen. Doch als er dessen schreckliches Geheimnis entdeckt, ist es zu spät und für die idyllische Kleinstadt Brooksville beginnt eine Nacht des kalten Grauens! (Subkultur Entertainment)

Andy Brooks (Richard Backus) ist ein Soldat im Vietnamkrieg, dessen Familie sich sehr darüber freuen würde, wenn er nach seiner langen Dienstzeit wieder zu ihnen nach Hause zurückkehren würde. Seine Mutter Christine (Lynn Carlin) sehnt sich extrem nach ihm und betet für seine sichere Rückkehr. Als sie also eines Abends – Christine, Vater Charles (John Marley) und Schwester Cathy (Anya Brooks) – ihr Abendbrot genießen und es an der Tür klingelt, sind sie nicht auf die Nachrichten vorbereitet, die sie erhalten werden. Es handelt sich um einen Soldat, der ihnen in großer Trauer mitteilt, dass Andy Tausende von Meilen entfernt im Einsatz gestorben ist. Doch Christine will es einfach nicht wahr haben, weswegen ihre Trauer schnell zu Leugnung übergeht. Sie betet sogar zu Gott, dass diese Information falsch sei und ihr Sohn lebend zu ihr nach Hause zurückkehren werde.

Nun, Christine hat es in Deathdream halbwegs richtig gemacht, der unter einer ganzen Reihe von Titeln bekannt ist, wie zum Beispiel Dead of Night (nicht zu verwechseln mit der klassischen britischen Horror-Anthologie Traum ohne Ende von 1945) oder The Night Walk (der Arbeitstitel), der eine weitere Variante von The Monkey’s Paw darstellt, einer W.W. Jacobs Kurzgeschichte, in der eine Mutter die Rückkehr ihres verstorbenen Sohnes herbei wünscht. Alan Ormsbys Drehbuch (eines der wenigen Projekte, die er mit Regisseur Bob Clark realisierte) nahm diese Prämisse auf und baute sie zumindest soweit aus, wie es ihr geringes Budget zuließ. Man musste also Zugeständnisse machen und den Mangel an Geld sowie das allgemein verarmte Aussehen eines Großteils des Films in Kauf nehmen. Allerdings ist davon kaum etwas zu bemerken, wenn das Drama erst einmal richtig in Gang gekommen ist.

Clark gelang es starke Leistungen aus seiner Besetzung herauszuholen, die von John Marley angeführt wird, der gerade erst ein Geschenk in Form eines Pferdekopfes in seinem Bett in Der Pate erhalten hatte, als er diesen Streifen drehte. Sein Charakter Charles ist froh zu sehen, dass Andy nun doch nach Hause zurückgekehrt ist, wird jedoch zunehmend durch das seltsame Verhalten des jungen Mannes genervt, das als posttraumatische Belastungsstörung bezeichnet werden müsste, wenn es sich hier um ein Drama und nicht um einen Horrorfilm handeln würde. Andy wird so sehr von den „Gespenstern“ des Krieges heimgesucht, sodass er sehr gut eine Metapher für psychisch geschädigte Kriegsveteranen repräsentieren könnte, die als vollkommen veränderte Männer (und Frauen) nach Hause zurückkehren, sich nicht mehr an das Leben zu Hause anpassen können und ausrasten, wenn ihnen jemand zu nahe kommt.

Andy ist zu einer effektiven Mischung aus Zombie und Vampir geworden; wobei das Publikum niemals erfährt durch welchen Mechanismus er nun zu seiner Familie zurück gelangen konnte und warum sich die Nebenwirkungen so schrecklich gestalten. Was die Zuschauer wissen ist, dass er auf seiner Heimreise per Anhalter einen Lastwagenfahrer ermordet hat, dessen Blut er auf nicht ganz erklärte Art und Weise abgesaugt hat, um sich am „Leben“ erhalten, beziehungsweise ernähren zu können. Sollte Andy sein Blut nicht bekommen, beginnt sich zunächst sein äußerer Zustand zu verschlechtern, wobei der Zombie-Aspekt ins Spiel kommt, dank eines effektiven Make-ups von Alan Ormsby mit Hilfe eines jungen Tom Savini, dessen Karriere sprunghaft voranschreiten sollte, als er zu DEM Mann für Gore-Effekte in den siebziger und achtziger Jahren avancierte. Als wäre es nicht schon schlimm genug gewesen, den Trucker umzubringen, so würgt Andy seinen Hund direkt vor den Augen der Kinder zu Tode, die sein Vater eingeladen hat, weil die ihn so sehr mochten, bevor er in den Krieg gezogen ist.

Es ist ein wenig schwer zu glauben, dass man den Veteran nicht spätestens nach dem Hundemord in die Hände von professionellen Psychiatern gegeben hätte. Nicht weniger schwer zu glauben ist allerdings, dass er sich in einen Vampir verwandelt. Was das Publikum jedoch nach dem Konsum von Deathdream leicht glauben bzw. verstehen kann, ist, dass der militärische Konflikt in Vietnam und seine verheerenden Auswirkungen auf viele Leben von den Vereinigten Staaten schlichtweg ignoriert worden sind. Seltsamerweise repräsentiert dieser hier keinen amerikanischen Film, sondern eine britisch-kanadische Koproduktion, obwohl Amerikaner daran beteiligt waren. Clark vergaß glücklicherweise nie, dass er einen Horrorfilm drehte, weswegen es auch Szenen voller Gore und Grusel (Backus‘ durchdringender Blick erzielt eine besonders gute Wirkung) zu bestaunen gibt. Doch anstatt auf überwältigende Art und Weise beunruhigend oder sogar lächerlich zu sein, wenn sich die Situationen übertrieben gestalten, präsentiert sich die Hauptstimmung recht tragisch, während die Familie zusammenbricht und Nebencharaktere, wie die exzellent spielende Jane Daly als entfremdete Freundin, leiden müssen. Insgesamt kann Deathdream, bei all seinem Chaos, als ruhig und melancholisch beschrieben werden.

Subkultur Entertainment bringt Deathdream als Nr. 06 ihrer Grindhouse-Collection Vol. 2 in einer tollen DVD / Blu-Ray Combo Veröffentlichung sowie im Mediabook heraus. Das Bild wird uns im 1.85:1 (16:9 anamorph) Format präsentiert, ist sehr gut restauriert worden und lässt kaum Raum zum Meckern. Der Ton bietet mit der deutschen und englischen zwei Spuren (Dolby Digital Mono), die angenehm zu hören sind. Hierfür können wahlweise deutsche Untertitel zugeschaltet werden. Als besonderes Extra beinhaltet die Combo ein 11-seitiges Booklet mit dem Titel „Coming Home in a Bodybag – Kriegsheimkehr und Vietnamtrauma im Genrefilm“ mit einem tollen, interessanten sowie informativen Text von Pelle Felsch der sich mit diesem Zitat recht gut zusammenfassen lässt „Was am Ende übrig bleibt, ist ein hässlicher, verstörender, nihilistischer Film, der den Zuschauer ohne bequeme Antworten im (Napalm-)Regen stehen lässt.“. Die klasse Veröffentlichung kommt in einem ansprechend gestalteten O-Card Schuber daher und hat auch ein unterschiedliches Covermotiv zu bieten.

Bonusmaterial:

  • Deutsche Videofassung (Open Matte / 83min BD / 79min DVD)
  • Unzensiertes Originalende 16mm (Open Matte)
  • Bildergalerie
  • Grindhouse-Trailershow
  • US-Trailer

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: Nicht geprüft
  • Regisseur: Clark, Bob
  • Laufzeit: 1 Stunde und 28 Minuten
  • Darsteller: Marley, John, Carlin, Lynn, Backus, Richard, Forsythe, Henderson, Ormsby, Anya
  • Untertitel: Deutsch
  • Studio: Subkultur Entertainment

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Die Screenshots stammen NICHT von dieser Edition !!!

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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